Mittwoch, 25. Mai 2016

Wieso lieben wir Populisten?

„Populismus“ ist das neue Modewort und ein schwerwiegender Vorwurf. Weil ein Populist ein dreister  gewissenloser machtbesessener Opportunist sei, der „durch Dramatisierung der politischen Lage die Gunst der Massen (im Hinblick auf Wahlen)“ gewinnen wolle. Zu diesem Zweck gibt er sich als volksnah aus  und präsentiert einfache Antworten auf schwierige Fragen. Per definitionem also ein Schwein. Oder doch nicht?


                                                  In Österreich haben die Populisten fast die Hälfte 
                                                               der Stimmen an sich gezogen.         Screenshot                                     

Selbstgerecht und abgehoben


Unsere Erwartungen an Politiker, die die Macht innehaben, sind sehr hoch. Sie sollen ein Vorbild darstellen, die Probleme erkennen und lösen, dabei gerecht und selbstlos vorgehen und sich an das Wohl der Gesellschaft orientieren. 

Wir bekommen stattdessen jene, die wir gewählt, oder nur zugelassen haben, wenn wir am Wahltag zu Hause bleiben. Relativ schnell werden wir von ihnen enttäuscht. Sie scheinen sich in einem rasanten Tempo von der Realität zu entfernen und somit von der Wirklichkeit, in der wir leben.  Aus den Dienern der Allgemeinheit formen sich in einer kurzen Zeit selbstgerechte Potentaten, die von oben herab auf ihr Volk schauen. 

Wir, das Wahlvieh


Und sie reden sich andauern heraus. Die Sachverhalte seien kompliziert und wir – das Wahlvieh – einfach zu doof, um ebendas zu begreifen. Deshalb müssen sie uns zu unserem Glück zwingen. 

Wir kommen uns auch tatsächlich dumm vor, im Angesicht der überbordenden Arroganz der Macht.  

Dass das Leben nicht einfach ist, merkt man bereits im Kindergarten. Wer dies erst in dem Moment begreift, in dem er an die Macht kommt, ist fehl am Platz. Kann man meine Aussage womöglich populistisch nennen? Durchaus. Vereinfache ich die schwierigen Zusammenhänge? Das hoffe ich. Weil ich zu den wichtigsten Aufgaben der Politik, besonders von den regierenden Parteien, außer der Erläuterung der Ziele und Maßnahmen, eine verständliche Erklärung zähle.  Und zwar in einem Spagat mit dem entschiedenen Handeln. 

Von den Populisten lernen


Die Groko bremst sich aber gegenseitig aus. Darum warten wir auf das entschiedene Handeln - zunehmend irritiert - vergeblich und beobachten Politiker, die mit Vorliebe Nabelschau betreiben. Man gewinnt einen fatalen Eindruck, dass die Regierenden ihre Energie zum größten Teil dem Machterhalt widmen.  Das kommt bei den Bürgern nicht gut an. 

Kein Wunder, dass Populisten bei den Enttäuschten punkten. Endlich scheint sich jemand für die Sorgen und Ängste der Menschen zu interessieren. Dass es sich hier nur ums Schauspiel handelt – geschenkt. Was man aber unbedingt von den Populisten lernen soll, ist die Bereitschaft die Sorgen und die Ängste aufzugreifen und die gesellschaftlichen Diskussionen anzustoßen. 

Genauso notwendig erscheint mir – wie ich schon erwähnt habe - die fortwährende Bemühung, das Komplizierte verständlich darzustellen. Die Politik muss Menschen mitnehmen, anstatt sie abzuschrecken und auszugrenzen. 

Über das Komplizierte kompliziert zu reden kann fast jeder Depp. In einfachen verständlichen Formulierungen das Schwierige und Verwickelte darzulegen ist dagegen eine große Kunst. 

Donnerstag, 19. Mai 2016

Gabi Scheren, „Der Schrei eines Untieres“

Ich hoffe, dass ich stark genug bin, um mein Outing zu überstehen. Das ist meine Geschichte als Roman und unter Pseudonym versteckt.



Gabi Scheren, „Der Schrei eines Untieres“


Mein E-Book ist bei den meisten Online-Buchhändlern erhältlich, u.a. bei:

Thalia.de               

                           eBook.de

                                                                   Buch.de

                                                                                                       amazon.de usw.



Und gedruckt findet man es unter einem anderen Titel und meinem bürgerlichen Namen:

   

      

                  Grazyna Gintner, "Wozu soll das gut sein".






Sonntag, 15. Mai 2016

Logisch-psychologisch über faire Diskussionen, Klientelpolitik und Demokratur

Das Leben ist nicht logisch. Eher chaotisch. Und unbeherrschbar. Dennoch brauchen wir die Logik sowie die Psychologie, um es zu verstehen. Was hat Logik mit Psychologie zu tun? Ziemlich viel.


                                                                                                                      Foto: Autorin

Abstrakt fair


Da Logik die Gültigkeit von Argumenten untersucht und die Argumente dazu dienen, die Behauptungen zu begründen, ist sie für eine konstruktive Diskussion unabdingbar. Erst dann, wenn wir die Argumente überprüfen und sie als richtig oder falsch einstufen können, sind wir in der Lage in einer Auseinandersetzung voranzukommen und im besten Fall, einen gerechten Kompromiss zu erlangen. So sieht dies in einer abstrakten, in einer idealen Situation aus. In diesem Fall agieren Diskutanten unabhängig und fair. Ja, das ist wirklich eine abstrakte Situation.

Formen und verformen


Die Wirklichkeit lässt sich aber schwer in die abstrakten Muster hineinzuquetschen. Vor allem kommen in Betracht unzählige zusätzliche Faktoren hinzu.  Ich nenne nur einige davon:  die Machtverhältnisse, die das Gesagte anders gewichten lassen; die gesellschaftlichen Bewegungen, Strömungen und Trends, die im Augenblick dominieren; die Vorbelastungen der agierenden Akteure, psychologisch erfassbar und erklärlich. 

Kurzum: Wir leben und handeln nicht in einem Vakuum.  Stattdessen unterliegen wir verschiedenen Einflüssen. Wir alle sind beeinflussbar. Die Wirklichkeit formt uns und verformt. Auch wir formen und verformen die Wirklichkeit. Die einen mehr, die anderen weniger. Welchen Einfluss auf eine Diskussion über die Armut und auf den Lauf der Dinge hat ein Obdachloser? Hört ihm überhaupt jemand zu? 

Demokratur für eigene Klientel


Eine Demokratie lebt von den Mehrheiten. In dem Sinne, dass Entscheidungen mehrheitlich getroffen werden. Darf aber eine Demokratie die Minderheiten vergessen? Was passiert, wenn sie das tut? Ich behaupte, dass sie sich dann unausweichlich zu einer Demokratur entwickelt. 

Eine Demokratur täuscht zwar eine Demokratie vor, sie ist aber nichts anders als eine Diktatur. Weil sie in diesem Fall eine Macht der Mehrheit für die Mehrheit ausübt, oder anders gesagt eine Klientelpolitik betreibt. Jene Politik bedient nur die Interessen ihrer Wahl-Klientel. Der Rest – ohne Lobby, ohne Einfluss – soll schauen, wie er überleben kann.

Reservate für die Minderheiten


Stellen sie sich folgende Situation vor: Die Regierung (gewählt in den demokratischen Wahlen) beschließt, dass man die Langzeitarbeitslosen kostengünstig in die Reservate (das Wort Lager weckt hierzulande ungute Erinnerungen) reinsteckt. Mehrheitlich – also demokratisch könnte man meinen – beschlossen. Wäre aber diese Entscheidung im Sinne der Minderheiten getroffen? Logisch: Nein!

Was ist das für eine abwegige Idee mit den Reservaten? Das tut man im zivilisierten Deutschland nicht? Doch, es wurden hier Reservate im übertragenen Sinne geschaffen. Viele Menschen wurden von der Teilhabe an der Gesellschaft ausgeschlossen: die Armen, die Hartz-IV-Empfänger, die Menschen mit Behinderung.  

Das hat Konsequenzen. Dadurch verursachen die Regierenden die Radikalisierung der Massen. Die tragen dazu bei, indem sie zeigen, wie wenig sie jene Minderheiten (zum Beispiel: Hartz-IV-Empfänger) schätzen. Die Massen gucken sich das ab, oder stecken sich sogar mit dem Virus der Menschenverachtung an, und praktizieren die Herabsetzung auf ihre Art. Wir lernen voneinander. Logisch und psychologisch. Leider?

Freitag, 6. Mai 2016

AfD – die Rezepte von vorgestern für die Herausforderungen von morgen

Die Zeiten sind unsicher. Die Zukunft ungewiss. Es ist also kein Wunder, dass sich Menschen Sorgen machen und fürchten. Die AfD hat Angst, ihre Wähler haben Angst, ihre Gegner aber auch. Natürlich aus unterschiedlichen Gründen. So konstatiert Jacob Augstein auf Twitter düster: „Der Aufstieg der AfD war aufhaltbar. Aber jetzt ist es zu spät. Die rechte Revolution hat begonnen.“ Tatsächlich ist es zu spät?


                                                                                      Screenshot

Rattenfänger auf der Jagd


Zugegeben: Der Aufstieg der AfD hat uns kalt erwischt, auch wenn er vorhersehbar war. Nach der Krise radikalisieren sich gewöhnlich die Massen, die nach verlässlichen Lösungen suchen. Diesmal weht ein reaktionärer Wind, nachdem die links orientierte Auflehnung wenig gebracht hat. Der rechte Trend zieht sich durch das ganze Europa. Populisten mit ihren Ressentiments begeben sich als Rattenfänger auf die Jagd. Viele Resignierte und Enttäuschte fallen auf die altbekannten Parolen rein. 

Die AfD-Wähler


Die meisten wählten AfD aus Protest: Zwei Drittel der Wähler tat es "aus Enttäuschung über die anderen Parteien." Unter den Arbeitern, Arbeitslosen und Männern fand die AfD eine besonders starke Zustimmung. Zu diesem Bild passt auch die Tatsache, dass sich die größte Gruppe aus den Nichtwählern rekrutierte. Der AfD gelang die Mobilisierung jene Menschen, die sich sonst an den Wahlen nicht beteiligt hatten.

Jeder kann es lesen


Zuerst kritisierte und attackierte die AfD aggressiv die politischen Akteure und ließ sich dabei kaum auf ihre Aussagen festzunageln. Sie artikulierte die Wut von jenen, die sich zu den Verlieren im reichen Deutschland zählten, und steuerte den Zorn gekonnt gegen verschiedene Sündenböcke, wie die Flüchtlinge oder die Medien. Jetzt hat sich die Situation dahin gehend verändert, dass die Partei der ewigen Protestler ein Programm verabschiedete. Darin kann jede und jeder lesen, wofür die Partei steht. Und das hat es wirklich in sich. 

Zurück und nochmals zurück


Die AfD will zurück und nochmals zurück. Die Sehnsucht nach der Vergangenheit trieft von jeder Zeile dieses Programms. All das gab es schon! Wer darin nach neuen Ideen sucht, wird nicht fündig. 

Auf dem Markt soll es der Wettbewerb alles richten: "Je mehr Wettbewerb und je geringer die Staatsquote, desto besser für alle." Die Steuer sollen runter, die Atomenergie muss wieder her! Den Klimawandel erklärt die AfD für beendet. 

Die AfD will den Besitz von Waffen für jedermann erlauben, Wehrpflicht wieder einführen und die Bundeswehr stärken.

Sie will die traditionelle Familie aufwerten und mehr Kinder statt Einwanderung (auch eine altbekannte Forderung: „Kinder statt Inder“)

Dem Multikulturalismus setzt die AfD die deutsche Leitkultur entgegen. Diese Leitkultur speise sich aus drei Quellen: „erstens der religiösen Überlieferung des Christentums, zweitens der wissenschaftlich‐humanistischen Tradition, deren antike Wurzeln in Renaissance und Aufklärung erneuert wurden, und drittens dem römischen Recht, auf dem unser Rechtsstaat fußt."

Hm, merkwürdig. Die erwähnten Quellen sind das pure Multikulti!

Bei so viel Vergangenheit will sich aber die AfD nicht mehr an den Nationalsozialismus erinnern. Dies nennt sie "Verengung der deutschen Erinnerungskultur." Tja, wer jene Zeiten vorlebt, braucht keine Erinnerung daran.

Mittwoch, 27. April 2016

Die immer noch nicht gleichberechtigte Frau: klein gehalten und verarscht

In der gleichen Woche, in der die Süddeutsche Zeitung über die Gleichberechtigung diskutieren wollte, veröffentlichte sie auch die Ergebnisse einer Studie der Uni Erlangen-Nürnberg, aus der hervorgeht, dass über eine Million Frauen in Bayern (im Rest des Landes jedoch ebenso) „im Laufe ihres Lebens Opfer sexueller Gewalt geworden (sind, Anm. GG). Und alljährlich erdulden geschätzt 140 000 Frauen in Bayern sexuelle oder körperliche Gewalt, von denen 90 000 schwer misshandelt werden.“ Härter könnte kein Realitätsverweigerer wachgerüttelt werden.


                                                         Ich habe nichts gegen die Nacktheit. Fot. Autorin

Aus der Höhle in den Wettbewerb


Warum wehren sich die angeblich gleichberechtigten Frauen nicht? Warum erdulden viel zu viele die gegen sie gerichtete Gewalt? Denjenigen, die sich jetzt mit einem Vorurteil zu Wort melden wollen, dass das Problem nach Deutschland importiert wurde, muss ich entgegnen: Falsch! Mehrheitlich haben weder die misshandelten Frauen noch die männlichen Täter einen Migrationshintergrund. Unterschiede gibt es dennoch: Laut Monika Schroettle müssen Migrantinnen häufiger und schwerere Gewalt ertragen. 

Was hindert aber die ach so aufgeklärten Leidensgenossinnen, die Gewalt gegen Frauen zu beenden? Vielleicht ist dies deswegen so schwer, weil wir hinsichtlich unserer Gefühle wie Neandertaler immer noch in den Höhlen hocken. Um was für eine explosive Mischung aus Urinstinkten und modernen Herausforderungen muss sich hier handeln, in Anbetracht des Wettbewerbs, der sich, seien wir ehrlich, gegen das Schwache richtet, und auf den wir von Kindesbeinen an getrimmt werden!   

Wie lange wollen wir warten?


Natürlich darf man das Thema der Gleichberechtigung nicht zu dem tragischen Kapitel der Gewalt reduzieren.

Es gibt viel Positives in diesem Bereich. Was Frauen heutzutage alles dürfen! Beachtlich, wenn man die relativ kurze Geschichte der Emanzipation berücksichtigt. Zählen wir doch einige Errungenschaften auf: Frauen dürfen nicht nur heiraten, wen sie wollen und wann sie wollen, sondern sich auch scheiden zu lassen, sie dürfen Kinder kriegen oder auch nicht, sie dürfen lernen, arbeiten, ohne den Ehemann nach der Erlaubnis zu fragen, wählen und gewählt werden. Na gut, das mit dem Heiraten und dem Kriegen von Kindern gab es schon immer. Auch die Scheidung ist keine moderne Idee.  Mit dem Nichtkriegen vom Nachwuchs war es dagegen früher viel schwieriger, die Verhütung  - sehr unzuverlässig. 

Ja, wir haben viel erreicht, hier in Europa. Und doch sind wir - meiner Meinung nach - weit vom Ziel entfernt. Blende ich das Positive aus? Bin ich als Frau undankbar und kann mich über das Erreichte nicht freuen? Eine Gegenfrage: Wie lange wollen wir noch auf die Gleichberechtigung warten? 

Wir haben Rechte auf dem Papier


Unsere Errungenschaften bestehen zum Teil lediglich auf dem geduldigen Papier. Das Grundgesetz verlautet, dass wir – Männer und Frauen – gleichberechtigt sind. Wieso ist es also so schwierig, das verbriefte Recht endlich umzusetzen? Warum verdienen Frauen immer noch viel weniger als Männer? Aus welchem Grund versperrt man ihnen den Weg zu den höchsten wirtschaftlichen Entscheidungsgremien? Weshalb ist die Arbeitswelt weitgehend frauen- und familienfeindlich organisiert? Warum ist die Erziehung der Kinder nur Frauensache? Wieso entstehen die größten Karrieren von Frauen fast ausschließlich durch die Heirat (Friede Springer, Liz Mohn, Maria-Elisabeth Schaeffler) oder das Erben? 

Guter Start? Doch nicht


Am Anfang steht die Schule. Und sie ist weiblich. Nicht nur grammatikalisch, sondern auch was das Lehrpersonal betrifft (die Chefetagen jedoch ausgenommen!): Anpassung als Motto und Zwang als Methode. Da haben die Frauen die Nase vorn: Sie trainieren doch das Kuschen seit einer Ewigkeit. Der Start ist für sie also gut? Keineswegs. Die Schule bereitet nicht für das wahre Leben vor. Sie stärkt viel zu selten das Rückgrat, stattdessen bricht sie es viel zu oft. 

Hinzu kommt es noch, dass Frauen mit einer anderen schweren Belastung an das Erwachsenenalter gelangen.  Sie fallen viel öfter als die Jungs dem Kindesmissbrauch zum Opfer und lernen sehr früh, dass sie kein Subjekt, stattdessen ein Objekt von Handlungen der Stärkeren sind.

Wo liegt das Problem?


Das Problem liegt nicht in der Nacktheit und nicht in den Witzen. Weder ärgere ich mich über die Evas, die in der Werbung völlig unpassend erscheinen, wie sie der liebe Gott schuf, noch empöre ich mich über die Frauenwitze. Am Rande beemerkt: Wenn wir schon so freizügig sind, hätte ich gerne - im Sinne der Gleichberechtigung natürlich - mehr nackte Kerle in den Reklamen, die Küche als Hintergrund eingeschlossen. 

Vielmehr als jene aufgebauschten Quasi-Probleme und die Schaukämpfe, beschäftigt mich der gesellschaftliche Status der Frau. Und der ist kurz gesagt mies. Die Frau hinkt dem Mann hinterher, eine Kanzlerin hin oder her. Übrigens: Die Kanzlerin Merkel spielt das Spiel der Männer und für die Gleichberechtigung der Frauen hat sie so gut wie nichts getan. Das weibliche Geschlecht bleibt sowohl wirtschaftlich als auch sozial schwach.  In ihren besten Jahren werden Frauen klein gehalten und im Alter - arm. Und unterwegs unter der Doppelmoral, die ganz anders Frauen als Männer beurteilt, leidend.

Frauen auf beiden Seiten der Front 


Die Frontlinie verläuft mitnichten zwischen den Geschlechtern. Frauen sind auf beiden Seiten. Auf der „männlichen“ patriarchalen Seite finden sich zum einen, jene Vertreterinnen der alten guten Tradition, die von diesem System profitieren und sich bequem darin eingenistet haben. Zum anderen die jungen Gegnerinnen des Feminismus, die aus ihm am meisten Nutzen ziehen. Sie rufen laut zum Beispiel, dass sie keine Quote brauchen. Damit zeigen sie nur, wie unsicher sie sind. Sie wollen beweisen, dass sie – um Gottes Willen! – keine Hilfe benötigen und aus eigenen Kräften alles schaffen. Anders als ihre männlichen Kollegen. Die nehmen, was sie kriegen können. Egal, ob sie genug Qualifikationen haben oder nicht. 

Männlich ist nicht mit menschlich gleichzusetzen


Die Welt um uns herum ist nach wie vor männlich. Das tut weder den Frauen noch den Männern gut. Ich will keine männliche und auch keine weibliche Welt. Ich will eine menschliche. Eine gleichberechtigte.

Sonntag, 17. April 2016

Angela Merkel macht Jan Böhmermann weltweit bekannt

Das ganze Land spricht über Böhmermann. Und die ganze Welt dazu. Was man allerdings weniger ihm selbst zuschreiben darf. Er hat eine mächtige Helferin: Angela Merkel.



                                                        Scrennshot

Spagat zwischen Kunst und Politik


Ohne Merkels Hilfe gäbe es die ganze Affäre nicht. Die sonst so zurückhaltende und die Krisen aussitzende Kanzlerin preschte mit ihrer Kritik vor. Dies tat sie zu einem Zeitpunkt, als es sich noch lediglich um das wenig bekannte satirische Gedicht handelte. Sie übte sich auf einmal als eine Literaturkritikerin und interpretierte eindeutig den Inhalt. Das Werk von Böhmermann sei "bewusst verletzend", meinte Merkel und teilte ihr literarisches Urteil telefonisch dem türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoğlu mit. In diesem Moment überschritt sie die Grenze zwischen einer immer subjektiven artistischen Ansicht und den konkreten politischen und rechtlichen Konsequenzen. Dieser Spagat ist eine Zerreißprobe. Sie hätte es sein lassen sollen.

Elefant aus einer Mücke


Womit wir in diesem Fall zu tun haben ist die altbewährte plumpe Zensur. Die Herrscher nutzen sie als eine Waffe und mischen sich in die Kunst und Medien ein. Sie verbieten oder veranlassen das Entfernen, auch Zerstören, von Werken jeglicher Art, ob künstlerischen oder informativen, die ihnen nicht in den Kram passen. Und manchmal sperren sie auch die Verantwortlichen - die Künstler oder Autoren im Gefängnis ein. Das Hauptmerkmal der Zensur ist ihre Willkür, das Fehlen von logischen Grundlagen. Wie in Causa Böhmermann. Die Bundeskanzlerin fühlte sich in ihren Absichten gestört und machte mit ihrer überflüssigen Kritik – sie und nicht Erdogan – aus einer Mücke einen Elefanten.

Ich finde es schrecklich komisch, dass die ganze Affäre in dem gleichen Jahr passiert, in dem die Neuausgabe von „Mein Kampf“ erscheint.

Merkels schlechtes Gedächtnis


Wir sprechen über die gleiche Person, die unterwegs auf mehr oder weniger diplomatischen Reisen die Menschenrechte stets anspricht und anfordert.  Erinnert Ihr Euch an ihren hartnäckigen Kampf gegen Putin? Alles im Dienste der Menschheit, er wäre ein Despot und sie eine unerschütterte Verfechterin der Demokratie.

Um Erdogan zufrieden zu stellen, vergisst sie ihr eigenes Engagement und unterstützt einen Tyrannen, der von der Meinungsfreiheit gar nichts hält und seine Gegner wortwörtlich vernichtet. Sie verhilft einem zynischen machtbesessenen Führer aus politischem Kalkül und wirft ihm Böhmermann zum Fraß vor.

Traurig, traurig


Es ändert an diesen Tatsachen nichts der Fakt, dass sich die Gerichte hierzulande – Gott sei Dank anders als in der Türkei – meist von der Macht der Politiker nicht beeindrucken lassen und theoretisch unabhängig sind.

Merkel, die sich in der Vergangenheit stets gegen den EU-Beitritt der Türkei aussprach, adelt jetzige türkische Machtriege, die sich von einem säkularen Staat und der Demokratie in Meilenschritten schnell entfernt. Das ist ein fatales Signal. Und der traurigste Aspekt der ganzen Affäre.   


Dienstag, 12. April 2016

Der Staat und seine Bürger – keine Liebesbeziehung

Bei dem Verhältnis zwischen dem Staat und seinen Bürgern dürfen wir nicht über eine Liebesbeziehung reden. Der Staat ist krankhaft misstrauisch (der Beweis dafür ist die ausufernde Bürokratie) und traut uns nicht, beziehungsweise traut uns nur das Schlimmste zu.  Er macht uns ohne Grund zu Verdächtigen.


                                                                                     Keine Liebesbeziehung. Fot. Autorin


Wobei müssten eher wir ihn, den Staat, mit sehr großer Skepsis genießen. Er handelt oft wie ein Ganove, ein Krimineller, der nur auf eine günstige Gelegenheit wartet, um uns zu betrügen und zu beklauen. Wie sonst lässt sich der folgende Sachverhalt  begründen? „Mehr als jeder dritte Hartz-IV-Empfänger, der gegen vom Jobcenter verhängte Sanktionen Widerspruch einlegt oder klagt, erhält recht.“ Da kann man in diesem Fall nicht über ein Missverständnis reden! Das sind keine einzelnen Fehler. Es ist ein vom Staat gesteuertes ungerechtes System. 

Als einen belastenden Umstand müssen wir unbedingt im Auge behalten, dass wir hier über Menschen auf der niedrigsten gesellschaftlichen Stufe, über die Ärmsten sprechen. Über diejenigen, die sich von den unzähligen Tafeln (eine wirklich boomende „Branche“ in Deutschland) die Essensreste abholen.  

Die Härte des Staates


Ich bin keine Anarchistin, ich betone bei jedem Anlass, dass wir einen starken Staat mehr denn je nötig haben. Stark ist für mich aber nicht jemand, der auf die Schwachen einprügelt. Das tun gewöhnlich die abscheulichsten Verbrecher. Darf man auf diese Art über den Staat sprechen? Wie kann man aber seine Vorgehensweise anders nennen?

Der Staat macht nämlich die Schwächsten zu Geiseln. Er braucht sie in dieser Rolle, um die Stärke vorzutäuschen. Weil der Staat sehr schwach ist. Ohne zu übertreiben kann man ihn als den verlängerten Arm der Wirtschaft oder der Superreichen Familien sehen: Quandts, Schaefflers, Ottos, Oetkers, Liebherr usw.

Vergesst die Entfaltung!


Indem der Staat die Schwächsten drangsaliert, will er beweisen, dass er alles im Griff hat. „Schaut her, wenn ihr nicht spurt, wird es euch auch so ergehen!“ Die Arbeitnehmer oder die Bürger im Allgemeinen zwingt man dadurch zum Gehorsam. Spuren sie nicht, landen sie in der Hölle, bekannt unter dem Namen Hartz IV. Dadurch agiert der Staat nicht im Interesse seiner Bürger, er macht sich zum Diener der Wirtschaft, weil eben die Wirtschaft einen enormen Druck ausübt, um billige und willige Kräfte zu erhalten. 

Und was ist mit der freien Entfaltung der Persönlichkeit, wie uns das Grundgesetz im Art. 2 Abs. 1 garantiert? Die können wir glatt vergessen.

Ehrenamt oder Dumpingkonkurrenz


Es gibt Alternativen (seit Entstehung der AfD ist das Wort in Missgunst geraten, obwohl es nichts dafür kann). Deutschland verfügt über ein unerschöpfliches Reservoir von Arbeitsplätzen. Niemand müsste in der Arbeitslosigkeit verzweifeln. Alle diese Stellen verbergen sich unter dem Namen: Ehrenamt. Das Ehrenamt hat eine Wandlung durchgemacht und verlor seinen ursprünglichen Sinn.  In der Gegenwart ersetzt es und verdrängt in vielen Fällen die regulären Arbeitsstellen.  

In seiner jetzigen Gestaltung steht das Ehrenamt in Konkurrenz zum Arbeitsmarkt und verstärkt dadurch enorm die existierenden Ungleichheiten. Hier finden wir die Quelle von Dumpinglöhnen mit dem absoluten Tiefpunkt von 0 €. In diesem Zusammenhang darf es auch nicht wundern, dass es zu 80 % Frauen sind, die ehrenamtlich schuften. 

Wo wollen wir denn hin?


Die Politik und die Gesellschaft müssen sich entscheiden. Wenn das Ehrenamt weiter die Arbeitsplätze ersetzen soll, muss man die Bürger mit dem Bedingungslosen Grundeinkommen (BGE) absichern. 

Das BGE ist in vielerlei Hinsicht eine gute Alternative, die auch das Verhältnis zwischen dem Staat und seinen Bürgern wesentlich erwärmen könnte.