Posts mit dem Label Gleichberechtigung werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Gleichberechtigung werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 31. März 2025

Saskia Esken: eine Zumutung oder eine Chance?

 Am Fall Esken zeigt sich wie in einem Brennglas die deutsche Eigenart im Verständnis und in der Behandlung von Frauen. 

Screenshot

Deutsches Privileg


Vor allem sei die Frau schutzbedürftig. Diese Behauptung lese ich heraus aus den vielen Aufrufen von Männern, die unbedingt "unsere Mütter, Töchter und Schwestern" vor den Angreifern verteidigen wollen. Unter einer Bedingung: die Gefährder und Gewalttäter kommen von außerhalb - Migranten, Flüchtlinge oder Illegale. "Finger weg von unseren Frauen!" – lautet der Schlachtruf. „Frauen zu schlagen und zu drangsalieren ist unser deutsches Privileg“, möchte man wahrheitsgemäß gleich ergänzen. 

Diese besitzergreifende Einstellung bezeugt ein sachliches Verhältnis zum sogenannten schwachen Geschlecht. Sachliches, weil man die Frau als Objekt betrachtet; ein Objekt, das man vorm Diebstahl bewahrt, und nicht ein Subjekt, das über sich selbst entscheidet,

Es reicht ein Blick auf den Lebenslauf von Saskia Esken, um zu begreifen, dass sie sich nicht im oben erwähnten Sinne objektivieren lässt. Sie zeigt Charakter. In Deutschland gehört sich das für eine Frau nicht. Sie sei theoretisch gleichberechtigt, praktisch solle sie sich aber ein bisschen ducken und nicht zu sehr auffallen. Um jegliche Missverständnisse in diesem Punkt zu vermeiden, eile ich gleich zu erklären, dass Angela Merkel keineswegs zu gleicher Kategorie wie Esken gehört. Sie witterte stets, aus welcher Seite der Mainstream-Wind kommt, und richtete sich danach.

Chancen außerhalb des Männer-Spiels


Eine Frau wie Esken, mit Ecken und Kanten, ist eine Zumutung für die Herren, die zwar oft über die Gleichberechtigung schwafeln, aber nur im begrenzten Rahmen, den sie von Fall zu Fall definieren.  In der SPD, die sich zwar Chancengerechtigkeit als Ziel auf die Fahne schreibt, sieht die Situation auch nicht viel besser aus, als in dem Rest des nicht nur politischen Landes. Ich hätte sogar gesagt, dass es dort eine versteckte, aber verbreitete, männliche verachtende Grundhaltung Frauen gegenüber herrscht. Olaf Scholz war eine leuchtende Ausnahme in dieser Hinsicht. Und unbedingt muss ich noch hinzufügen, dass in dieser Auseinandersetzung auch einige Frauen Hand in Hand mit Männern ihre nicht angepassten Kolleginnen bekämpfen.

Denjenigen, die jetzt protestieren wollen, dass ich Scholz in diesem Zusammenhang nenne, weil er Esken doch einfach stehen ließ, als sie mit ihm reden wollte und alle haben es gesehen und boshaft kommentiert, möchte ich sagen, dass ich Scholz glaube. Danach gefragt, antwortete er, dass er sie nicht wahrgenommen habe und den Vorfall sehr bedauere. 

Im Fall Esken geht es mir weniger um Inhalte, die sie formuliert und durchzusetzen versucht. Ich gestehe sogar, dass sie mir nicht selten mächtig auf den Keks geht und oft bin ich nicht mit ihren Meinungen einverstanden. Über Themen, die sie vorbringt, kann man und soll man streiten. Ich erkenne aber dahinter einen Menschen, eine Frau, die sich traut, als solche ihre Stimme zu erheben und nicht lediglich das Männer-Spiel mitzutragen, und wirkt dabei authentisch. Wir - Frauen und Männer - sind unterschiedlich und hoffentlich auch bleiben. Wir verdienen jedoch die gleichen Chancen, die das Männer-Spiel nicht zulässt. Das Spiel mieft schon sehr, ist uralt und größtenteils frauenverachtend. Weder Männer noch Frauen kommen daraus als Gewinner. Es schadet beiden Geschlechtern. Vor allem schadet es auf dem Weg zu einer echten demokratischen Gesellschaft.   

Mittwoch, 16. Januar 2019

Wer will eigentlich die Gleichberechtigung?

Was bedeutet Frau zu sein hier und jetzt? Theoretisch sind wir gleichberechtigt. Dies gewährt uns das wunderbare deutsche Grundgesetz. Praktisch? Noch lange nicht.


                                                               Nicht ohne Frau! Eigenes Foto

Kein Niedermachen


Vorneweg will ich etwas klarstellen. Ich schere mich einen feuchten Kehricht um die Machtverhältnisse in privaten Beziehungen (solange sie einvernehmlich sind): Wer oben und wer unten ist, wer die Hose anhat und wer unter dem Pantoffel bleibt. Außerdem ist mir das Niedermachen der Männer, nur weil sie eben Männer sind, am fernsten. Diese Art von Feminismus finde ich dämlich. Ich träume nicht davon, eine Alleinherrschaft durch die andere ersetzt zu erleben. Mein Traum heißt Gerechtigkeit. Und die gibt es nicht ohne Gleichberechtigung. Ich leugne dabei nicht, dass wir uns unterscheiden. Es geht mir aber weniger um das Gender, vielmehr um die Spezies Mensch.

Ähnlich wie Katharina die Große


Müssen wir überhaupt noch über die Gleichberechtigung reden? In einem Land, das von einer Frau seit 13 Jahren regiert wird? Oh, doch. Frauen an der Macht gab es seit eh und je, wie zum Beispiel Katharina die Große, übrigens – das Vorbild von Angela Merkel. Um das Schicksal von ihren Leidensgenossinnen im Allgemeinen kümmerten sie sich bekanntlich keineswegs. Ähnlich wie die Kanzlerin. Eine gleichberechtigte Frau war und ist von dieser Kanzlerin und auch von der CDU nicht gewollt.

Ich habe nicht vor, mir jetzt wie Claas Relotius eine Antwort von Frau Merkel auszudenken. Stattdessen rolle ich meine Spekulationen über die Gründe aus.

Überwiegend planvoll


Die konservative Vorstellung von der Familie sieht die Frau immer noch in einer untergeordneten Rolle. Sie fußt bestimmt auf der Annahme, dass der Mann zu schwach wäre für eine direkte Auseinandersetzung mit der Frau. Er muss sie sich daher mit allen Mitteln - politischen, gesellschaftlichen und ökonomischen – unterwerfen.

Die Angst vor dem weiblichen Geschlecht scheint nicht ganz unbegründet zu sein, wenn wir uns entsinnen, wie Merkel ihre männlichen Gegner, einen nach dem anderen, entsorgt hatte. Wieso gelang ihr jenes Unterfangen so gut?

Für die Antwort auf diese Frage hole ich jetzt weit heraus und ziehe zurate einen Spezialisten (nur seine Äußerungen!), der sich mit den dunklen Seiten der Frauenseele befasst: Stephan Harbort, Kriminalhauptkommissar und Sachbuchautor. Seiner Meinung nach töten Frauen ihre Opfer „überwiegend planvoll, heimtückisch“. Männer dagegen „attackieren meistens unmittelbar, häufig im Affektsturm, wenn ein Streit eskaliert.“

An dieser Stelle will ich unbedingt festhalten, dass Mörderinnen unter uns wirklich selten vorkommen. Dennoch nehme ich zur Kenntnis, wie unterschiedlich sich unsere Herangehensweise gestaltet. Sind wir aber tatsächlich berechnender als die Männer? Unsere Löhne beweisen diese These mitnichten: die Armut ist weiblich. Besonders im Alter.

Nicht ohne Frau


Demokratie und Unterdrückung schließen sich gegenseitig aus. Die Gleichberechtigung der Frau ist daher eine der wichtigsten politischen Aufgaben überhaupt. Für alle Parteien, die sich demokratisch nennen.

Montag, 20. März 2017

Konservativ in der Gegenwart

Wen beschreibt das Adjektiv konservativ heutzutage? Es ist gar nicht so einfach, eine klare und eindeutige Definition zu formulieren. Augenblicklich verändern sich soziale Kanonen, Gesellschaften befinden sich in Aufruhr. Konservative Einstellungen orientieren sich an der Vergangenheit. Was versprechen sie aber für die Zukunft?

Eine Antwort auf diese Frage können wir uns selbst wie ein Puzzle aus den alltäglichen Beobachtungen basteln. Daraus lassen sich die Eckpunkte einer konservativen Weltanschauung herauslesen.

                                             Sahra Wagenknecht: konservativer als Merkel? Foto: Autorin

Drei K – das war einmal?


Ich bin davon überzeugt, dass die Position und das Selbstverständnis der Frau an die erste Stelle der Debatte über eine konservative  Weltanschauung rücken müssen. Früher war die Rolle der Frau eindeutig und klar formuliert: Kinder, Küche, Kirche. In der Gegenwart sind die drei K in einem derart entwickelten Land wie Deutschland längst überwunden, hätte man glauben müssen. Diese Annahme entspricht leider nicht ganz der Wahrheit. Es ist kompliziert.

Einerseits stellt das Grundgesetz die Gleichberechtigung von Mann und Frau fest, anderseits bietet die Wirklichkeit ein anderes Bild, in dem Frauen nach wie vor benachteiligt sind und ihre Rechte missachtet werden.  Immer noch trägt meist die Frau allein die Verantwortung für Kinder und Familie und zwar nicht nur zu Hause. Auch in der Schule. Die ist nämlich im wahrsten Sinne des Wortes weiblich. "Der überwiegende Teil der Lehrkräfte in der Primarstufe 1 sind Frauen – schreibt Silke Hoock auf Zeit Online. - Oft sind die einzigen Männer, die Grundschüler während der Schule zu sehen bekommen, der Hausmeister oder der Schulleiter."

Diese Situation könnte man als konservativ betrachten. Dies tue ich nicht. Alte Positionen, die zu neuen Bedingungen und Herausforderungen nicht passen, nenne ich einfach rückständig. Als ob es darum ginge, dass sich Kinder von Anfang an daran gewöhnen sollten, die Erziehung sei Frauensache, egal ob zu Hause oder in der Schule. Und dass die Frau nicht so viel wert ist, weil sie wenig verdient. Denn falls sie arbeitet, dann überwiegend dort, wo wenig Lohn bezahlt wird. 

Wie könnte man das ändern? In die Bildung endlich ordentlich investieren und die sogenannten Frauenberufe aufwerten. Wie? Na, auf die kapitalistische Art: über höhere Löhne. Wo mehr Geld fließt, erscheinen auch Männer, die das schulische Matriarchat aufbrechen werden. 

Ehe – konservative Form einer Verbindung zweier Menschen


Für diese durchaus konservative Art der Verbindung sprechen sich überraschend viele Nicht-Konservative aus. Es ist schon tragikomisch, dass sich hiesige konservative Parteien gegen die „Ehe für alle“ positionieren.  Damit führen sie ihren angeblichen Konservatismus ad absurdum. Weil sie gleichgeschlechtliche Paare zu Wilden Ehen zwingen.  Apropos Wilde Ehe: Merkel praktizierte sie 14 Jahre lang, bevor sie Joachim Sauer heiratete. Sahra Wagenknecht dagegen entschied sich gleich ihren Oskar zu ehelichen. Wer ist hier also wirklich konservativ?

Tugenden, die ihr Adjektiv verloren haben


Fleiß, Leistung, Verantwortungsbereitschaft gehören zweifellos zu den konservativen Tugenden.  Sie stehen heute nicht hoch im Kurs. Dazu wird Leistung mit Wirkung verwechselt. Demnach sollten nur diejenigen etwas leisten, die eine Position - je höher, desto besser – innehaben. 

Die Rufe nach Aufwertung dieser Tugenden kommen hauptsächlich von der linken Seite der politischen Landschaft, gepaart mit der Forderung nach Gerechtigkeit. Ist die uns inzwischen abhandengekommene Gerechtigkeit also konservativ? Wenn man an die christlichen Wurzeln denkt, muss man die Frage bejahen.  

Mittwoch, 27. April 2016

Die immer noch nicht gleichberechtigte Frau: klein gehalten und verarscht

In der gleichen Woche, in der die Süddeutsche Zeitung über die Gleichberechtigung diskutieren wollte, veröffentlichte sie auch die Ergebnisse einer Studie der Uni Erlangen-Nürnberg, aus der hervorgeht, dass über eine Million Frauen in Bayern (im Rest des Landes jedoch ebenso) „im Laufe ihres Lebens Opfer sexueller Gewalt geworden (sind, Anm. GG). Und alljährlich erdulden geschätzt 140 000 Frauen in Bayern sexuelle oder körperliche Gewalt, von denen 90 000 schwer misshandelt werden.“ Härter könnte kein Realitätsverweigerer wachgerüttelt werden.


                                                         Ich habe nichts gegen die Nacktheit. Fot. Autorin

Aus der Höhle in den Wettbewerb


Warum wehren sich die angeblich gleichberechtigten Frauen nicht? Warum erdulden viel zu viele die gegen sie gerichtete Gewalt? Denjenigen, die sich jetzt mit einem Vorurteil zu Wort melden wollen, dass das Problem nach Deutschland importiert wurde, muss ich entgegnen: Falsch! Mehrheitlich haben weder die misshandelten Frauen noch die männlichen Täter einen Migrationshintergrund. Unterschiede gibt es dennoch: Laut Monika Schroettle müssen Migrantinnen häufiger und schwerere Gewalt ertragen. 

Was hindert aber die ach so aufgeklärten Leidensgenossinnen, die Gewalt gegen Frauen zu beenden? Vielleicht ist dies deswegen so schwer, weil wir hinsichtlich unserer Gefühle wie Neandertaler immer noch in den Höhlen hocken. Um was für eine explosive Mischung aus Urinstinkten und modernen Herausforderungen muss sich hier handeln, in Anbetracht des Wettbewerbs, der sich, seien wir ehrlich, gegen das Schwache richtet, und auf den wir von Kindesbeinen an getrimmt werden!   

Wie lange wollen wir warten?


Natürlich darf man das Thema der Gleichberechtigung nicht zu dem tragischen Kapitel der Gewalt reduzieren.

Es gibt viel Positives in diesem Bereich. Was Frauen heutzutage alles dürfen! Beachtlich, wenn man die relativ kurze Geschichte der Emanzipation berücksichtigt. Zählen wir doch einige Errungenschaften auf: Frauen dürfen nicht nur heiraten, wen sie wollen und wann sie wollen, sondern sich auch scheiden zu lassen, sie dürfen Kinder kriegen oder auch nicht, sie dürfen lernen, arbeiten, ohne den Ehemann nach der Erlaubnis zu fragen, wählen und gewählt werden. Na gut, das mit dem Heiraten und dem Kriegen von Kindern gab es schon immer. Auch die Scheidung ist keine moderne Idee.  Mit dem Nichtkriegen vom Nachwuchs war es dagegen früher viel schwieriger, die Verhütung  - sehr unzuverlässig. 

Ja, wir haben viel erreicht, hier in Europa. Und doch sind wir - meiner Meinung nach - weit vom Ziel entfernt. Blende ich das Positive aus? Bin ich als Frau undankbar und kann mich über das Erreichte nicht freuen? Eine Gegenfrage: Wie lange wollen wir noch auf die Gleichberechtigung warten? 

Wir haben Rechte auf dem Papier


Unsere Errungenschaften bestehen zum Teil lediglich auf dem geduldigen Papier. Das Grundgesetz verlautet, dass wir – Männer und Frauen – gleichberechtigt sind. Wieso ist es also so schwierig, das verbriefte Recht endlich umzusetzen? Warum verdienen Frauen immer noch viel weniger als Männer? Aus welchem Grund versperrt man ihnen den Weg zu den höchsten wirtschaftlichen Entscheidungsgremien? Weshalb ist die Arbeitswelt weitgehend frauen- und familienfeindlich organisiert? Warum ist die Erziehung der Kinder nur Frauensache? Wieso entstehen die größten Karrieren von Frauen fast ausschließlich durch die Heirat (Friede Springer, Liz Mohn, Maria-Elisabeth Schaeffler) oder das Erben? 

Guter Start? Doch nicht


Am Anfang steht die Schule. Und sie ist weiblich. Nicht nur grammatikalisch, sondern auch was das Lehrpersonal betrifft (die Chefetagen jedoch ausgenommen!): Anpassung als Motto und Zwang als Methode. Da haben die Frauen die Nase vorn: Sie trainieren doch das Kuschen seit einer Ewigkeit. Der Start ist für sie also gut? Keineswegs. Die Schule bereitet nicht für das wahre Leben vor. Sie stärkt viel zu selten das Rückgrat, stattdessen bricht sie es viel zu oft. 

Hinzu kommt es noch, dass Frauen mit einer anderen schweren Belastung an das Erwachsenenalter gelangen.  Sie fallen viel öfter als die Jungs dem Kindesmissbrauch zum Opfer und lernen sehr früh, dass sie kein Subjekt, stattdessen ein Objekt von Handlungen der Stärkeren sind.

Wo liegt das Problem?


Das Problem liegt nicht in der Nacktheit und nicht in den Witzen. Weder ärgere ich mich über die Evas, die in der Werbung völlig unpassend erscheinen, wie sie der liebe Gott schuf, noch empöre ich mich über die Frauenwitze. Am Rande beemerkt: Wenn wir schon so freizügig sind, hätte ich gerne - im Sinne der Gleichberechtigung natürlich - mehr nackte Kerle in den Reklamen, die Küche als Hintergrund eingeschlossen. 

Vielmehr als jene aufgebauschten Quasi-Probleme und die Schaukämpfe, beschäftigt mich der gesellschaftliche Status der Frau. Und der ist kurz gesagt mies. Die Frau hinkt dem Mann hinterher, eine Kanzlerin hin oder her. Übrigens: Die Kanzlerin Merkel spielt das Spiel der Männer und für die Gleichberechtigung der Frauen hat sie so gut wie nichts getan. Das weibliche Geschlecht bleibt sowohl wirtschaftlich als auch sozial schwach.  In ihren besten Jahren werden Frauen klein gehalten und im Alter - arm. Und unterwegs unter der Doppelmoral, die ganz anders Frauen als Männer beurteilt, leidend.

Frauen auf beiden Seiten der Front 


Die Frontlinie verläuft mitnichten zwischen den Geschlechtern. Frauen sind auf beiden Seiten. Auf der „männlichen“ patriarchalen Seite finden sich zum einen, jene Vertreterinnen der alten guten Tradition, die von diesem System profitieren und sich bequem darin eingenistet haben. Zum anderen die jungen Gegnerinnen des Feminismus, die aus ihm am meisten Nutzen ziehen. Sie rufen laut zum Beispiel, dass sie keine Quote brauchen. Damit zeigen sie nur, wie unsicher sie sind. Sie wollen beweisen, dass sie – um Gottes Willen! – keine Hilfe benötigen und aus eigenen Kräften alles schaffen. Anders als ihre männlichen Kollegen. Die nehmen, was sie kriegen können. Egal, ob sie genug Qualifikationen haben oder nicht. 

Männlich ist nicht mit menschlich gleichzusetzen


Die Welt um uns herum ist nach wie vor männlich. Das tut weder den Frauen noch den Männern gut. Ich will keine männliche und auch keine weibliche Welt. Ich will eine menschliche. Eine gleichberechtigte.

Sonntag, 8. März 2015

Frau-Sein in Deutschland

Wir leben in einem zivilisierten Land, das sich von den Frauen-unterdrückenden Staaten wesentlich unterscheidet. Das weibliche Geschlecht darf hierzulande ziemlich das Gleiche tun oder unterlassen wie die Männer. Theoretisch. In der Praxis hakt es an so vielen Stellen, dass unsere Überheblichkeit, mit der wir auf die unterentwickelten in dieser Hinsicht Nationen herabschauen, nur lächerlich erscheint.

                                                                                E.D.  / pixelio.de

Ökonomisch verarscht


Frauen verdienen im Schnitt ein Viertel weniger als die Männer. In einer marktorientierten Gesellschaft kann man nicht deutlicher die Geringschätzung ausdrücken. Sie sind nicht viel wert, lautet also die Botschaft, mit der die Kinder aufwachsen und die Erwachsenen sich mehr oder weniger abfinden.

Einige wissenschaftliche Klugscheißer wollen uns beweisen, dass wir, Frauen, selbst schuld daran sind, weil wir falsche Berufe wählen oder in Teilzeit arbeiten. Das Gegenteil ist der Fall. Aus eben diesem Grund, dass Frauen dort arbeiten, werden jene Berufe mies bezahlt.

Immer noch an den Mann gekettet


In der nicht allzu weit entfernten Vergangenheit bestimmten die Herren der Schöpfung, ob ihre Gattinnen arbeiten dürfen. Erst 1977 wurde das entsprechende Gesetz geändert.  Der Ehemann behielt dennoch weiter seine Macht über die Frau bis 1997, als die sexuelle Gewalt in der Ehe unter Strafe gestellt wurde. Aber auch heute ist er seiner Gemahlin oft überlegen: Er verdient mehr und macht Karriere. Die Kinder und die Familie lasten nach wie vor auf den weiblichen Schultern.

Lässt sich eine Frau scheiden, wird sie nach dem geltenden Recht zur Verliererin. Und erst recht als Alleinerziehende. Der Staat propagiert und unterstützt nach wie vor ein  vermottetes Familienbild. Obwohl die Heilige Familie nicht mal in der Bibel funktionierte. Genau betrachtet ist die biblische Familie ein Vorbild für die modernen mannigfaltigen Verhältnisse: Josef war doch „nur“ ein Stiefvater.

Zweierlei Maß


Es weht immer noch der Wind der alten Geschichte, in der das weibliche Geschlecht grundsätzlich als verdächtigt galt. Beschuldigt der Hexerei brannten damals die Frauen auf den Scheiterhaufen.

Die brachialen Methoden sind hierzulande passé, das Messen mit zweierlei Maß immer noch nicht. Die Frau ist keineswegs gleichberechtigt, egal ob es sich um die Arbeit oder um die gesellschaftlichen Rollen handelt. Sie hat zwar viel erreicht, aber auf dem Weg zu gleichen Rechten bewegt sie sich auch im 21. Jahrhundert unverständlich langsam.

Die Position der Frau ist schwach. Ihren Status definiert sie nach wie vor über den Mann. Und wenn er an ihrer Seite fehlt, muss sie sich rechtfertigen. An dem Beispiel der Alleinerziehenden lässt sich dieses Phänomen sehr gut veranschaulichen: Eine Frau, die ihr Kind allein großzieht, wird vom Staat nicht unterstützt, weil sie nicht zu dem gewünschten Bild passt: der idealen Familie, die aus der Mutter, dem Vater und Kindern bestehen soll. Als ob erst die bloße Anwesenheit einer männlichen Person eine Garantie gewährte, dass alles seine Richtigkeit hat.

Nur zusammen


Eine moderne und demokratische Gesellschaft kann sich nicht leisten, die Rechte von Frauen zu ignorieren. Die Gleichberechtigung ist das im Grundgesetz garantiertes Recht und eine Notwendigkeit auf dem Weg in die Zukunft. Eine Notwendigkeit für beide Geschlechter und nur zusammen zu erreichen. Im Interesse von Frauen und von Männern. Frauenrechte sind Menschenrechte. Ohne sie gibt es keine Zukunft.