Lauter Märchenerzähler sind zurzeit unterwegs. Politische Märchenerzähler, wohlgemerkt. Sie versprechen das Blaue vom Himmel und warnen zugleich vor Monstern. Was waren das aber für Monster, die die Politiker und die anderen angeblich Verantwortlichen am Handeln hinderten und das Land – Schulen, Brücken, Straßen, Schienen … usw. usf. – verrotten ließen?
Da überkommt mich die Sehnsucht nach dem Original – nach einem echten Märchenerzähler wie Hans Christian Andersen. Seinen Spuren folgend fahre ich nach Oldenburg. Er besuchte das Städtchen des Öfteren.
Das alte Rathaus, erbaut 1886 bis 1888
Er kam hierher nicht mit der Bahn. Die gab es damals noch nicht. Der erste Bahnhof wurde erst 1879 gebaut, der jetzige – im Jahr 1915:
Andersen reiste hierher entweder mit dem Dampfschiff oder mit der Diligence und lernte die Stadt und viele örtliche Persönlichkeiten kennen. Er mochte die engen Gassen. Sie wirken auch heute anmutig:
Den Großherzog Paul Friedrich August, der im Schloss (erbaut 1607, auf dem Foto unten) residierte, traf Andersen bei seinem Berater, Alexander von Rennenkampff, zu Hause.
Heute befindet sich im Schloss das Landesmuseum Kunst & Kultur Oldenburg.
Und in diesem hübschen Gebäude war früher die Schlosswache (erb. 1839) untergebracht:
Die evangelisch-lutherische St. Lamberti Kirche thront hier seit dem 13. Jahrhundert, mehrfach erweitert und umgebaut. Andersen wurde zwar christlich erzogen, aber sein Glaube ließ im Alter nach.
Heute präsentiert es sich prachtvoll:
Von den theatralischen Darbietungen fühlte sich Andersen nicht immer angetan. Er notierte in seinem Tagebuch am Sonntag, den 4. Oktober 1846:
„Im Theater debütierte das junge Fräulein Senger als Gretchen im „Faust“; sie war nicht besonders, sprach nicht einmal die Repliken richtig, so die mit der Blume: „Er liebt mich, er liebt mich nicht“ – da erschrak sie schon beim zweiten Blatt, und es müssen doch mehr als zwei Blätter sein; ich ging während der Vorstellung fort.“