Mittwoch, 14. Oktober 2026

Merz-Schmerz, AfD und Demokratie im Schatten der Zukunft

 Die Hauptausgabe der Tagesschau erreicht nach wie vor ein großes Publikum. Gestern waren das 4,406 Millionen Menschen, die u. a. den Kanzler Merz auf Arbeitgebertag sahen und hörten:

"Gesund und fit, abschlagsfrei früher in Rente zu gehen, das ist weder gerecht, noch können die Rentenversicherung und unsere Volkswirtschaft es sich leisten."

Ach je, will Merz, dass wir alle erst, wenn wir erkranken, in Rente gehen? Kann sich dies unser Gesundheitssystem denn leisten?

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Zukunft und der Überblick

Wohin steuert Deutschland? Behält jemand den Überblick? Die Zukunft hat nämlich längst begonnen und beschleunigt soeben. Ich bin keine Hellseherin, kann aber mit großer Zuversicht „vorhersagen“, dass es weniger und nicht mehr Arbeitsplätze geben wird, weil uns Roboter und die KI bereits heute zum Teil ersetzem.

In der Zukunft erbringen die Leistung und erzeugen den Mehrwert nur im geringen Maße die Menschen. Wir müssen daher die Gesellschaft neu denken und nicht auf alte Konzepte beharren. Die Alten immer länger arbeiten lassen, während die Arbeitslosigkeit unter jungen Menschen weiter steigt, ist sowas von gestern! Ich nenne es hirnrissig. 

Bei den aktuellen politischen Diskussionen gewinnt man den Eindruck, dass Politiker an der Macht vor allem um die eigenen gut bezahlten Posten kämpfen, den Bürgern dagegen einen harten Sparkurs verschreiben. Wollen sie wirklich auf die Aufforderungen der Zukunft antworten, oder versuchen sie eher krampfhaft an veraltetem System festzuhalten und es zu zementieren? Nach dem Motto: Nach uns die Sintflut. In diesen Bereich gehört auch die erbitterte Bekämpfung der aktuell einzigen Opposition – der AfD. Sie sei eine Bedrohung für die Demokratie, hören wir von morgens bis abends. Eine Demokratie ohne Opposition ist jedoch gar keine. Wir brauchen die Opposition, wir brauchen auch mehr Demokratie und Bürgerentscheide in den wichtigsten Fragen für die Korrektur der Ziele.

Zeit läuft ab

Ich skizziere jetzt in groben Umrissen meinen ganz subjektiven Plan: Die unbewegliche, bremsende Staatsmaschinerie – also Bürokratie – muss zum Minimum reduziert werden und zum Teil ganz aufgelöst. Die Arbeitswelt wird sich weitgehend verändern und von besten von uns geführt, in transparenten Verfahren ermittelt. Die Gewerkschaften werden sich auch neu orientieren müssen: nicht Tarifverträge, sondern die Verteilung der Wirtschaftsleistung (von Robotern und KI erwirtschaftet) wird in der Zukunft an der ersten Stelle stehen und jeden Bürger betreffen. Das Wachstum wird auch neu definiert, wie das schon Erich Fromm verlangt hat:
„Das Ziel unbegrenzten wirtschaftlichen Wachstums müsste aufgegeben bzw. durch selektives Wachstum ersetzt werden, ohne das Risiko eines wirtschaftlichen Desasters einzugehen.“
Was passiert mit dem Rest, wenn nur die Besten die Verantwortung tragen? Man kann die Kündigungsschutz lockern, oder sogar ganz abschaffen – unter einer Voraussetzung: einer gerechten Verteilung des insgesamt Erarbeiteten – also, wir kommen nicht ohne eines ordentlichen Bedingungslosen Grundeinkommens zu recht. Und Bürger selbst (Volksentscheid) müssen über die Höhe entscheiden. 

Die Zeit läuft der Merz-Regierung ab, stellt Klaus Holetschek, CSU, fest. Er erinnert auch an die Aufgaben der Politiker: „Wir sollen die Dinge übernehmen, für die wir gewählt wurden.“

Unbedingt!

Dienstag, 13. Oktober 2026

Polnisch-deutsche Geschichte und Geschichten in Wrocław (Breslau). Teil 3

 Im religiösen Sinne war Polen eine Ausnahmeerscheinung im Ostblock. Der Anteil der Gläubigen von damals schätzt man auf 95 %. Sogar neue Kirchen wurden gebaut, auch wenn es die Auflagen stark erschwerten. 


Zwischen Prag und Preußen

Die Geschichte der St.-Matthias-Kirche (Kościół św. Macieja) neben den Ursulinen (aus dem 2. Teil), beginnt am Anfang des XIII Jahrhunderts. Kurz darauf, im Jahr 1253, lud Herzogin Anna, die Witwe Heinrichs des Frommen (Henryk Pobożny), die Kreuzherren mit dem Roten Stern aus Prag ein und gründete für sie ein Kloster, zudem übergab sie den Ordensbrüdern die Kirche samt Krankenhaus.
„Erst die Besetzung Schlesiens durch Preußen führte zum Untergang des Ordens, dessen letzte Visitation aus Prag im Jahr 1748 stattfand (dabei wurde festgestellt, dass sich im Krankenhaus 6 Männer, 19 Frauen und 32 Studenten aufhielten). Im Jahr 1807 baute man ein Teil des Krankenhauses zu einer Schule um, und bereits 1810 wurde die offizielle Mitteilung über die Auflösung des Ordens in Schlesien zugestellt.“
Die heutige Gestalt verdankt die St.Matthias-Kirche den Umbauarbeiten in den 60ern Jahren des letzten Jahrhunderts – also, während des Kommunismus in Polen. Zeitgleich zog hier die Studentengemeinde „Maciejówka” ein (von Maciej - Matthias - im Volksmund erstellte Name). Die geistliche oder religiöse Begleitung von Studenten gab es in der Stadt aber bereits nach dem II. Weltkrieg.

St.-Matthias-Kirche (Kościół św. Macieja)



Zufluchtsort des unabhängigen Denkens

Auf der Homepage von „Maciejówka“ erinnert man an den Priester für Studenten, Stanisław Mirek. der nach dem Krieg aus Lemberg (Lwów) hierher kam, wie viele aus den wissenschaftlichen Kreisen in Breslau (Wrocław). 
„Er gründete die Stiftung „Caritas Academica“. Diese Organisation sammelte Spenden für Kleidung, Mahlzeiten, Unterkünfte und Urlaub für bedürftige Studenten. (…) Einer der Briefe, in denen er die Kirchenleitung um die Genehmigung für eine Spendensammlung bat, führte 1950 zu seiner Festnahme. Er wurde beschuldigt, Informationen über die politisch-religiöse Lage im Land gefälscht zu haben; als Beweis diente eben sein Brief an den Pfarrer der St.-Elisabeth-Gemeinde. (…) Während der Verhöre wurde Pater Stanisław gefoltert. Er wurde zur Freiheitsstrafe von 2,5 Jahren verurteilt.“
Die Kirche spielte im kommunistischen Polen auch die Rolle der politischen Opposition, die eigentlich verboten war. Dennoch trauten sich die Kommunisten nicht, die Kirche ganz zu verbieten.
„Nachdem sie ihre Position in der Nachkriegszeit auf der politischen Bühne gefestigt hatten, begannen die Kommunisten im Herbst 1947 einen bis 1956 andauernden Kampf gegen den Einfluss der Kirche. Man versuchte, die Kirche an den Rand des öffentlichen Lebens zu drängen und nach 1950 in ihre Strukturen einzudringen, um sie von innen heraus zu zerschlagen. Dieses Ziel wollten sie mit verdeckten und offenen Formen des rechtlich-administrativen Terrors erreichen. (…) All diese Maßnahmen der Machthaber veranlassten den Primas von Polen, Kardinal Stefan Wyszyński,  am 14. April 1950 das Abkommen zu unterzeichnen, in dem sich die Kirche bereit erklärte, die Kollektivierung „nicht zu behindern“, und der Verurteilung des „Banditentums“ zuzustimmen. „Banditentum“ (bandytyzm) bedeutet hier bewaffnete Aktionen von Untergrundkämpfern  für die Unabhängigkeit.“
Hochschulgemeinden blieben dennoch ein wichtiger Zufluchtsort des unabhängigen Denkens und  inoffiziellen intellektuellen Lebens und erfreuten sich eines großen Zulaufs. 

Heute fungiert „Maciejówka“ als Zentrale Stätte Hochschulgemeinden (Centralny Ośrodek Duszpasterstwa Akademickiego).

„Maciejówka“




Vratislav - Wrocław – Breslau

Der polnische Name „Wrocław“ ist in Deutschland wenn geläufig. Wenn ich dann im Gespräch Breslau erwähne, höre ich oft als Reaktion „Ach, unsere deutsche Stadt!“ Nicht ganz. Die Geschichte belehrt uns eines Besseren: Am längsten gehörte die Stadt den Tschechen, über 400 Jahre herrschten die Polen, am kürzesten – die Deutschen, ungefähr 200 Jahre.

Tschechen leiten den von ihnen gebrauchten Stadtnamen Vratislav von einem Fürsten, den sie für den Gründer halten:
„Die Stadt wurde um das Jahr 900 vom tschechischen Fürst Vratislav auf einer Insel des Flusses Oder gegründet, schon im zehnten Jahrhundert ging sie aber in die Herrschaft der polnischen Fürsten aus der Piast Familie über, bis sie vom Herzog Heinrich V. dem tschechischen König Johann von Luxembourg vermacht wurde. Seit dem Jahr 1335 war die Stadt mit dem umliegenden Herzogtum ein Teil des tschechischen Königreiches, davon zeugt der tschechische zweischwanzige Löwe, den man nicht nur im Stadtwappen von Wroclaw findet.“

Vorausgehend:


Freitag, 9. Oktober 2026

Polnisch-deutsche Geschichte und Geschichten in Wrocław (Breslau). Teil 2

 Vielleicht klappt es diesmal, sagte ich mir erneut nach der Lektüre einer Lokalzeitung, unterwegs zum historischen Naturpflaster aus Granit. Der Aufmacher von „Gazeta Wrocławska“ berichtete am 21.09. über einen „heftigen Streit mit dem Denkmalpfleger (konserwator)“. Die Pomorska-Straße wurde erst vor zwei Jahren gründlich erneuert und jetzt verwandelt sich schon wieder in eine große Baustelle. Denn das besagte Steinpflaster sinkt am Gleisbett ein. Für Daniel Gibski, den „Beschitzer“ der historischen Substanz der Stadt, sind nicht die alten Steine das Problem, sondern die Art, wie man die Arbeiten durchgeführt hat.



Halle mit mächtigen Bögen

Ob alt oder neu, an Pflastersteinen mangelt es in der Pomorska-Straße nicht:



Welche sind aber historisch? Ich frage nach. Der Arbeiter zögert, er habe noch nichts davon gehört. Und fügt entschuldigend hinzu, er arbeite nur an den Gleisen. Dann zeigt er auf die Steine am Rande des Weges: Die hier sehen alt aus.


Wirklich? Dessen bin ich mir nicht sicher, also gebe ich auf und schreite weiter auf den mehr oder weniger alten Steinen zur historischen Markthalle – Hala Targowa. Sie wurde auf der Stelle des früheren Arsenals Piaskowy von 1906 bis 1908 gebaut:



„Für den architektonischen Entwurf waren Richard Plüddemann und Friedrich Friese verantwortlich. Die Konstruktion projektierte Heinrich Küster. Es war seine Idee eben, mächtige Stahlbetonbögen einzusetzen, was das Gebäude zu einem der interessantesten Beispiele der damaligen Gebrauchsarchitektur machte.“

Die heute steril wirkende Halle versprühte früher einen beinahe mittelalterlichen Charme. Vor ihren Toren standen alte Frauen (Hexen?) mit Blutegeln in den Flaschen oder Gläsern. Drinnen sparte man eindeutig mit der Beleuchtung, was eine günstige Umgebung für die dunkelsten Geschäfte erschuf. Die Ware, die man dort angeboten hat, war spotbillig, wahrscheinlich überhaupt die billigste in der Stadt. Das war einmal.

Schule als Ausnahme 

Direkt gegenüber befindet sich das Haus der philologischen Fakultät mit einer sehr langen Geschichte. Nach dem Tatarenüberfall auf Polen begann man um das Jahr 1256 ein Kloster für die Franziskaner zu bauen, das die Besitzer oft wechselte, bevor es 1815 säkularisiert und der Sitzt des Ober-Landes-Gerichts wurde. 1965 brachte man dann in dem Gebäude die Fakultät unter.



Religiös geht es aber in dieser Straße weiter, u. a. im Kloster der Ursulinen und ihrem Allgemeinbildenden Lyzeum (Liceum Ogólnokształcące). Diese Schule gehörte seit 1946 zu den wenigen privaten Bildungsanstalten im kommunistischen Polen. Ab 2014 dürfen hier auch Jungs lernen. 




Die Fortsetzung kommt.


Vorausgehend    Teil 1

Nachfolgend      Teil 3

Mittwoch, 7. Oktober 2026

Polnisch-deutsche Geschichte und Geschichten in Wrocław (Breslau). Teil 1

 Als ich über einen historischen hölzernen Gully (studzienka) las, den man bei den Gleisarbeiten unweit vom Hauptbahnhof an der Kreuzung von Straßen Peronowa und Stawowa entdeckt hat, dachte ich, dass die Geschichte uns zu Füßen liegt, oder – genau gesagt – unter den Füßen. 

Ich will diesen stummen Zeitzeugen persönlich „kennenlernen“. Vor Ort schaut mich ein Aufseher staunend an: Er wisse von nichts. Wie sollte den dieses Ding aussehen? Rosa? – scherzte er.  Zur Zeit meiner Besichtigung dauern noch die Arbeiten (am 26.09. beendet), daher kann ich nicht selbst nachgucken. Unverrichteter Dinge ziehe ich weiter. Die Stadt hat ja in puncto Geschichte genug zu bieten.



Oben Märchen, unten Anstifter

Touristen wie Einwohner flanieren unter dem Torbogen, der zwei alte Häuser am Rande des Marktplatzes verknüpft, und die meisten wissen nicht, dass sie auf den mittelalterlichen Rebellen trampeln.

Jaś und Małgosia (Hänsel und Gretel)

Marktplatz

Marktplatz

Diese zwei zusammengeschlossenen kamieniczki (Bürgerhäuser) heißen Jaś und Małgosia (Hänsel und Gretel), wobei das größere Haus den weiblichen Namen trägt. Benannt wurden sie erst nach dem Zweiten Weltkrieg von Menschen, die sich beim Anblick an das Märchen der Gebrüder Grimm erinnerten. Unter der friedlichen Oberfläche der verbindenden Arkade ruhen widerständige Handwerker.

Im Mittelalter verfügte Wrocław über Autonomie gegenüber dem tschechischen König Wacław IV (Wenzel), dem die Stadt direkt unterstand, und über ausgebaute Selbstverwaltung. Handwerker wollten auch „mitmischen“. 1418 zettelten sie einen Aufstand an.
„Sie eroberten das Rathaus und ermordeten alle anwesenden Ratsherren, Schöffen und Ältesten, zusammen mit dem amtierenden Bürgermeister Mikołaj Freyberg. Die einen töteten sie auf der Stelle, die anderen führten sie hinaus und enthaupteten sie am Pranger (den flüchtenden Jan Megerlin überwältigten sie und stürzten ihn vom Turm). Die Aufständischen brachen im einverleibten Rathaus die Truhen mit Geld und Dokumenten auf (ein Teil davon wurde zerstört), nahmen Waffen ein und befreiten auch die Gefangenen.“
Rathaus

Rathaus

Pranger

Vorerst waren sie erfolgreich. Aber nach zwei Jahren verhängte der Nachfolger von Wenzel, Sigismund von Luxemburg, harte Strafen: Dreißig Anstifter wurden zum Tode verurteilt, genauso viele zur Verbannung. Die Hingerichteten bestatte man nicht auf dem Friedhof, sondern unter dem Weg, der dafür eingerichtet, vom Torbogen zwischen „Jaś“ und „Małgosia“ zum Eingang der St.-Elisabeth-Kirche führte.

St.-Elisabeth-Kirche oder Garnisonskirche

St-Elisabeth-Kirche oder Garnisonskirche

Tor zum Leben

Die St-Elisabeth-Kirche wurde und wird immer noch meist Garnisonskirche genannt. Ihre Geschichte beginnt im Mittelalter (Anfang des XIV. Jahrhunderts gebaut), ist abwechslungsreich (eine Zeitlang war das ein evangelisches Gotteshaus) und mit Katastrophen gespickt. Im Zweiten Weltkrieg weitgehend verschont erlitt die Kirche zwei verehrende Brände in den kommunistischen (realsozialistischen) Zeiten (1975, 1976). Der vom 9.06.1976 war am schlimmsten. Über Ursachen mutmaßt man bis heute. Eine Brandstiftung konnte man nicht nachweisen. Gerüchte schossen ins Kraut. In einer Version beschuldigte man deutsche Touristen, die auf diese Weise einen Diebstahl vertuschen haben sollten. 

Hinter „Jaś“ und „Małgosia“ und vor der Kirche lag bis zum XVIII. Jahrhundert ein Friedhof. Den Torbogen ergänzte damals noch eine Pforte. Geblieben ist an der Spitze der Arkade in der Kartusche die lateinische Inschrift „Mors Janua Vitae“: „Der Tod ist das Tor zum Leben“. Natürlich nur, wenn man daran glaubt.



Nachfolgend;  
 

Freitag, 2. Oktober 2026

Kerkeling vs. Maaßen: Pro und Contra zum AfD-Verbot

 Die AfD solle verboten werden. Bei der Anhörung im Thüringer Landtag ist Hape Kerkeling ganz ernst. Außerdem auch pathetisch, als er im hochdramatischen Stil mahnt: 

"Wer Rechtspopulisten wählt, wählt nicht Protest, der ruiniert wissentlich oder unwissentlich seine eigene Zukunft und die seiner Kinder. Wer Extremisten wählt, übt keinen legitimen Protest, sondern feiert die Kapitulation der Fakten vor der Lautstärke."

In dieser Äußerung stimmt so viel wie nichts.

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Keineswegs geprüft

Kerkelings Rede steht und fällt mit der Grundannahme, dass die Einschätzung des Verfassungsschutzes, die AfD sei gesichert rechtsextremistisch, eine „geprüfte Rechtslage“ wiedergibt. 

Nein, das tut sie nicht. Hape Kerkeling irrt. Es handelt sich hier eben NICHT um eine geprüfte oder verbindliche Rechtslage, weil der Verfassungsschutz kein Gericht, sondern eine Behörde ist. Folglich kann diese Behörde lediglich Bewertungen oder Prognosen erstellen, aber keine rechtskräftigen Urteile.

Außerdem ist die Fokussierung der Geschichtsbelehrung auf die AfD grundsätzlich falsch. Nazinostalgiker gibt es in allen Parteien und Schichten der Gesellschaft. Ich lebe hier lang genug, um dies mit Sicherheit festzustellen. 

Nicht die Aufgabe

Hans-Georg Maßen, der „nüchterne Jurist“, erinnert zu Recht, was maßgebend für das mögliche Parteiverbotsverfahren ist: „Fakten, Fakten, Fakten.“ 

„Man braucht Fakten, keine Behauptungen, keine Emotionen und keine politischen Forderungen.“

Da stimme ich ihm hier zu. Die Diskussion über die AfD verläuft nicht sachlich, sondern hochemotional, sogar hysterisch, und strotzt nur so von Halbwahrheiten und manipulativen Thesen. 

Maaßen sieht übrigens die Gefahr auf beiden extremen Seiten:

„Für Extremismus, Nationalsozialismus und Sozialismus darf es in Deutschland keinen Platz geben.“

Wenn man schon über ein Verbot reden wolle, sollte man zuerst über die Linke sprechen.

Ich teile mit ihm auch die folgende Ansicht:

„Ich bin der Überzeugung, dass es nicht die Aufgabe eines Inlandsnachrichtendienstes ist, eine Partei zu überwachen.“

In diesem Duell hat mich Maaßen überzeugt. Was Hape Kerkeling betrifft, richte ich an ihn eine Bitte: Schuster, bleib bei deinem Leisten!


Dienstag, 29. September 2026

Gefährlich, gefährlicher, Premier Donald Tusk

Inspiriert vom „Spiegel“, der einen nach dem anderen AfD-Politiker zum gefährlichsten erklärt, springe ich über die Grenze und schaue mich dort nach einem entsprechenden Kandidaten um. Obwohl ich im Grunde gar nicht suchen muss. Ich weiß doch längst, wer das ist.

Ich habe mal Donald Tusk, den polnischen Premier, mit James Moriarty verglichen. Also, mit einer fiktiven Figur. Leider ist Tusk real und wütet weiter in Polen. Ständig legt er dabei falsche Fährten, verdeckt sich ungeniert mit einem Schafpelz und gibt sich betont locker im Stil der früheren kommunistischen Apparatschiks - „wicie, rozumicie“ (auf Deutsch ungefähr: kennste, verstehste). In Deutschland wird er von den ÖRR-Medien geliebt (Weil er deutsche Wurzeln hat und sein Opa in der Wehrmacht kämpfte?). In sehe in ihm dagegen einen gefährlichen, machtbesessenen Politiker und rücksichtslosen Manipulator.  

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Geheim, geheimer, phantasmagorisch

Er habe vom CIA-Chef einen Rapport erhalten, verkündet Tusk jüngst. Darin enthalten seien Informationen über Bedrohungen für Polen und die EU. Warum teilte man ausgerechnet ihm derartige Meldungen mit? Weil er der Retter der EU sei? Oder hat er sich dies ausgedacht? Denn niemand außer ihm diesen ach so geheimen Rapport gesehen hat. 

„Ich persönlich habe da meine Zweifel und glaube nicht daran, dass die CIA dem polnischen Premier einen Rapport übermittelt hat“, sagt bei Polsat News Krzysztof Bosak, Vizemarschall des polnischen Parlaments (Sejm).

Marcin Przydacz, Minister im Präsidialamt, nennt es bei Namen: Unwahrheit. Ganz einfach und nicht diplomatisch heißt es: Tusk lügt. Wieso tut er das? 

„Der Premier sollte zwar warnen – sagt Przydacz im Interview mit „Wirtualna Polska“ -, aber nicht Panik schüren und das Thema hochspielen, denn dies verursacht die Abstumpfung der Gesellschaft. Seit einem Jahr wiederholt Tusk, dass jeden Moment etwas passiert. Viele Polen winken bereits ab. Und wenn dann wirklich etwas passiert, wird ihm niemand mehr zuhören. Ja, Russland wird hybride Operationen durchführen und diese wahrscheinlich eskalieren lassen, aber es gibt keinen Grund für die Panik, die der Premier zu entfachen versucht.“

Wo ist die Grenze?

Inzwischen scheint aber Tusk selbst zu „eskalieren“. Wie die Plattform wPolsce.24 berichtet, arbeiten Polen und die Ukraine an  einem Abkommen über die gemeinsame Grenzkontrolle:

“Sollte das Abkommen in Kraft treten, werden ukrainische Zollfahnder und Grenzschützer ihre Aufgaben direkt auf der polnischen Seite der Grenze wahrnehmen.“

So verwischt man die Grenze und plötzlich kann Polen – ein NATO-Staat - dadurch in den Krieg hineingezogen werden. 



Mittwoch, 16. September 2026

Wissen die AfD-Wähler in Sachsen-Anhalt (und woanders) nicht, was sie tun?

 70 % der Ossis sehen sich als Bürger zweiter Klasse.

„Viele der ostdeutschen Anhänger der AfD verstehen sich als Opfer der deutschen Einheit und geben dem kolonialistischen Westen die Schuld an ihrem beklagenswerten Zustand“, schreibt in der FAZ Detlef Pollack, Professor für Religionssoziologie.

Korrekt.

"Der perfekte Schwiegersohn" (Detlef Pollack)

Wundervoll vorangehen

Dass damals ziemlich viel schief gelaufen ist, bestreitet inzwischen niemand mehr.

„Nach dem Untergang der verachteten DDR, die die Mehrheit der Ostdeutschen 1990 so schnell wie möglich loswerden wollte, waren die Erwartungen an die prosperierende Marktwirtschaft und die funktionierende Demokratie des Westen hoch“, stellt Pollack zu Recht fest.

Nicht nur die Ostdeutschen, der ganze Ostblock hat groß geträumt. Es sollte eine Art von „Imagine“ sowohl wirtschaftlich als auch gesellschaftlich wahr werden. Schließlich erlebten diese Menschen das Wunder vom Ende des Kommunismus. Es sollte daher weiter so wundervoll vorangehen. Stattdessen aber schlug ihnen die harte und weitgehend unbekannte Realität entgegen. Ihre Ahnungslosigkeit wurde ausgenutzt, ihre Unerfahrenheit lockte Betrüger aller Couleur – auch die staatlichen. Ja, der Staatsapparat mischte in diesem unrühmlichen Spektakel mit.  

Heute sei derartige opfermäßige Einstellung nicht mehr berechtigt, behauptet Pollack. Und dennoch triumphiert die AfD im Osten und wird auch im Westen immer stärker. Wieso eigentlich?

Der alte Unterton 

Was wollen also die AfD-Wähler?

„Noch immer erwarten sie die Wohltaten von einem imaginierten Staat, den sie doch eigentlich verachten. Möglicherweise liegt hier tatsächlich das oft verleugnete Erbe der untergegangenen DDR, deren Führung sie ebenfalls misstrauten und von der sie zugleich Versorgung erwarteten.“

Bevor ich inhaltlich auf diese Behauptung eingehe, muss ich den Unterton ansprechen. Ihr hört ihn doch auch, oder? Da kommt hier wieder – in einer sehr kultivierten Form – die alte Überheblichkeit, mit der man die Ossis belehren wollte, weil sie angeblich nichts verstanden haben.

Das Gegenteil ist der Fall. Die Ossis haben einen sensiblen Riecher, sagt dazu Henryk M. Broder. Sie spüren auch diesmal, dass die vorgegebene Route, die man als „Weiter-so“ beschreiben könnte, ins Verderben führt. 

Der Staat ist nicht imaginiert, sondern übergriffig und ähnelt immer mehr den kommunistischen Diktaturen. Weiterhin baut er seinen Apparat aus (nach dem Motto: Selbstbedienungsladen) und behauptet, die Bürokratie abzubauen. Er heimst Rekordeinnahmen ein und lässt gleichzeitig ganze Schichten verarmen. Weil er, anders als propagandamäßig behauptet, ungerecht von unten nach oben umverteilt usw. usf.

Im Laufe der Zeit wird dieser Staat zunehmend undemokratisch. Also, liebe selbsternannten Demokratie-Beschützer, vielleicht seid ihr selbst die wahre Bedrohung für die Demokratie?