Diese Frage bejahen bestimmt alle, die sich blind hinter Collien Fernandes oder den Ärztinnen in dem neuen Fall stellen. Das blinde Vertrauen wird von den Verfechtern der guten Sache vorausgesetzt und nachdrücklich gefordert.
Zwischen Sessel und Entmannung
Die Versuche an die MeToo-Bewegung aus dem Jahr 2017 anzuknüpfen, gibt es immer wieder. Dass die MeToo-Kampagne die westliche Welt verändert hat, steht außer Frage. Sie artete aber in unzulässigen Beschuldigungen und Manipulationen aus. Meist verwendete man dafür konstruierte Skandale, die keine waren, oder Hörensagen.
Wie soll man die neuesten Enthüllungen einordnen? Der Marburger Bund befragte 9.073 angestellte Ärztinnen und Ärzte, die zu 90 Prozent in Krankenhäusern arbeiten.
„Fast jede zweite befragte Person berichtet von Machtmissbrauch im beruflichen Umfeld. Besonders betroffen sind Ärztinnen in Weiterbildung.“
Den Machtmissbrauch verbindet man mit dem Sexismus:
„Die Schilderungen reichen von sexistischen Kommentaren bis hin zu übergriffigem Verhalten.“
Ferner bringt man den Mangel an Frauen in den Chefetagen zur Sprache:
„Obwohl mehr als 60 Prozent der Medizinstudierenden Frauen sind, liegt der Anteil von Chefärztinnen nach Angaben des Bündnisses Allianz kommunaler Großkrankenhäuser (AKG) bei etwa 15 bis 20 Prozent.“
Welche Lösungen könnte man jetzt vorschlagen:
1. Frauen an die Macht, also auf die Chefsessel?
2. Männer gründlich entmannen?
Feudale Welt
Man kann nicht leugnen, dass in Deutschland Frauen benachteiligt, sexistisch behandelt und Missbrauch werden. Die Frontlinie verläuft jedoch – was ich oft wiederhole – nicht zwischen Männern und Frauen. Es hilft also herzlich wenig jede freundschaftliche Geste, jedes harmloses Küsschen oder jeden deftigen Witz zu denunzieren. Manchmal gewinne ich den Eindruck, dass sich hinter derartigen Versuchen militante Emanzen verstecken, die Männer als Geschlecht ausradieren wollen.
Ich glaube nicht, dass alles Paletti wird, wenn man Männer mit Frauen als Chefs ersetzt (obwohl ich mich für eine Frauenquote in vielen Bereichen ausspreche). Für mich liegt hier das Problem tiefer.
In Deutschland herrschen feudale Strukturen, die die Machthaber auf allen Stufen der Hierarchie praktisch zu Sonnenkönigen machen und die Welt in Herrscher und Untertannen teilen. Die Herrscher erheben sich über jegliche Regeln. Ein Untertan darf sie nicht kritisieren. Die Untertannen haben zu spuren und werden wie Leibeigene behandelt.
Bedrohte Spezies
In solch einer Umgebung ist Frau sozusagen selber schuld, wenn sie Kinder kriegt. Daher fehlt es an den Krippen- und Kindergärten-Plätzen, an der Nachmittagsbetreuung in den Schulen, entgegenkommenden Arbeitgebern, die flexible Arbeitszeiten anbieten, Absicherung im Alter – eine Grundrente, die den Namen verdient und nicht der Murks, der bei der letzten Rentenreform herauskam.
Was mich dagegen kaum stört, sind deftige Witze oder harmlose Küsschen. Manchmal befürchte ich, dass man Männer zu bedrohten Spezies erklären muss.
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