Montag, 24. Mai 2021

Jacek Żaba , eine Geschichte aus der Hölle der Redlichen

Jacek Żaba, nicht mal 26 Jahre alt geworden, hat keine großen Taten vollbracht und keine große Karriere hingelegt. Dennoch dürfen wir ihn nie vergessen. 


                                                                                    Fot. Jacek Żaba*)


Schule, Arbeit, Widerstand

Sein Leben ist schnell erzählt. In Krakau am 23.09.1963 geboren, ging er dort zur Schule. „Podstawówka”, wie man die Grundschule in Polen nennt, dauerte damals acht Jahre. Danach arbeitete er bei den Städtischen Verkehrsbetrieben. Ein sympathischer Einzelgänger schloss sich dem antikommunistischen Widerstand an und beteiligte sich aktiv an den Aktionen und Demonstrationen der derweil verbotenen Gewerkschaft „Solidarność“. Zu der Zeit galt das Kriegsrecht.

Am 13. Dezember 1981 erklärte General Jaruzelski den Ausnahmezustand in Polen und die Panzer rollten im kalten Winter durch die Straßen. Die kommunistische Regierung führte also den Krieg gegen das eigene Volk.

„Ein menschliches Wrack“

Ins Visier der polnischen Stasi geriet Jacek Żaba im 1982. Er wurde am zweiten September wegen der Teilnahme an der Demonstration vom 31.08.1982 verhaftet. Die Haftanstalt verließ er am 6.01.1983. Das Verfahren stellte das Gericht am 18.10.1983 ein, infolge einer Amnestie vom 21.07.1983.

Beim zweiten Mal sprach das Gericht Jacek  am 26.06.1986 schuldig und verhängte eine Freiheitsstrafe von 1,5 Jahren für eine Aktion, die zum Streik am 13. Dezember, am Jahrestag der Kriegsrecht-Ausrufung, führen sollte. 

Obwohl es sich um einen politischen Akt handelte, landete Jacek  in einer Zelle zusammen mit den harten Kriminellen. Dort wurde er erniedrigt, missbraucht, mit Exkrementen beschmiert, geschlagen und von seiner obersten Pritsche auf den Betonboden geworfen. Die Wächter ließen es zu oder machten mit. Unterdessen lehnte die Gefängnisleitung seine Bitte um Erlaubnis für die Korrespondenz mit Bekannten ab. Auf diesem Dokument befindet sich eine Anmerkung: "ein menschliches Wrack, debil, nicht genehmigen". 

Am 24.10.1986 ordnete man die Unterbrechung der Strafe. Da wog der Gefangene Żaba 48 kg. Sein Bekannter, der ihn damals zu sich nach Hause einlud, war geschockt: "Ich habe so etwas noch nie gesehen. Nachdem meine Frau Kartoffelpuffer serviert hat, schnappte sich Jacek noch ganz heiße Stücke, drückte sie krampfhaft in den Händen und flüchtete in die Ecke, in der er alles aufgegessen hat, mit dem Rücken zu uns gewandt."

Freiheit als Illusion

Einmal lächelte das Schicksal und Jacek durfte den inzwischen international bekannten Oppositionellen Jacek Kuroń treffen, der ihm zusammen mit zweitausend Versammelten applaudierte. Kuroń versprach öffentlich, Jacek vor der Rückkehr ins Gefängnis zu bewahren. Der Kommunismus schien sich rasant dem Ende zu nähern.

Als Jacek dann aber die Aufforderung zur Fortsetzung der Strafverbüßung erreichte, sprang er vom achten Stockwerk in den Tod.

Hölle der Redlichen

Zu dieser Geschichte gehört auch der Fakt, dass die Verantwortlichen für das Verbrechen an Jacek Żaba nie bestraft wurden.

"Skizzen aus der Hölle der Redlichen" („Szkice z piekła uczciwych”) von Leon Kruczkowski, im 1963 erschienen, beschrieben die damalige polnische Realität. Der Begriff eignet sich dennoch für die Schilderungen aus jeder Diktatur. 

Die Hölle der Redlichen ist überall dort, wo man Menschen wie Jacek Żaba, unbestraft foltern und in den Selbstmord treiben kann. Und wo sie vergessen werden.


*) Fotonachweis: https://naszahistoria.pl/zlamane-zycie-jacka-zaby/ar/11440088