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Freitag, 7. September 2018

Vampire und Schulmedizin

Glaubt Ihr an Globuli? Nicht? Genauso wie ich. „Wissenschaftliche Studien sind immer wieder zu einem eindeutigen Ergebnis gekommen: Globuli helfen keinen Deut besser als bloße Zuckerkügelchen“, schreibt Veronika Hackenbroch (Die Macht der Heiler, Der Spiegel, Nr. 34). „Wissenschaftliche Studien“ benutzt man gerne als ein Totschlagargument. Ich tue dies hin und wieder auch. Wieso nicht, wenns funktioniert?


                                                                   Das Paradies der Kräuterfrauen

Kräuterfrauen winken uns zu


Globuli stehen im erwähnten Artikel stellvertretend für die ganze alternative, also Nicht-Schulmedizin, die als Hokuspokus diffamiert wird.  Das geht mir zu weit. Grundsätzlich halte ich herzlich wenig von einer schwarz-weißen Sichtweise. In diesem Fall aber besonders. Denken wir ganz kurz und unwissenschaftlich nach, woher die Ach-so-ernste-Medizin kommt. Ja, eben. Von ihren Ursprüngen winken uns Schamanen, Hexer und Kräuterfrauen zu. Das sind die wahren Pioniere der Schulmedizin. Oder glaubt Ihr wirklich, dass schon der Höhlenmensch brav die Produkte der Pharmaindustrie schluckte?

Jagd nach Profit


Gewiss wird heute viel Schindluder mit der sogenannten Naturheilkunde getrieben. Genauso viel jedoch – das ist meine unwissenschaftliche Behauptung -, wie mit der Schulmedizin. Kürzlich wurde zum Beispiel der Direktor der Klinik für Transplantationschirurgie in Essen festgenommen, weil er verantwortlich dafür sein sollte, dass medizinisch nicht notwendige Lebertransplantationen vorgenommen wurden (FAZ Nr. 207). 

Der Bereich der Transplantationen zeigt vielleicht am spektakulärsten, wie weit die Schulmedizin inzwischen geht. Im negativen Sinne. Wir werden zu Lagern der Organe degradiert. Eindrucksvoll schildert diese Vorkommnisse die Soziologieprofessorin Alexandra Manzei (Wer warm ist, ist nicht tot, Frankfurter Rundschau, 22.05.12), die früher Jahrelang als Krankenschwester Komapatienten gepflegt hatte.

An dem Anstieg der Transplantationen ist brennend die Pharmaindustrie interessiert. Es geht um viel Geld, weil die Patienten mit „neuen“ Organen lebenslang teure Medikamente brauchen. 

Die übermächtige Pharmaindustrie gehört überhaupt auf den Prüfstand. Ihre ständige Jagd nach Profit und ihre undurchsichtige, wie eine Mafia organisierte Strukturen stehen viel zu oft im Widerspruch zu den Kernaufgaben: dem Menschen zu helfen.

Immer wenn wir den Menschen als ein Individuum mit Würde aus den Augen verlieren – egal, ob in der Medizin, Politik oder Gesellschaft -, befinden wir uns auf einem gefährlichen Irrweg.

Kraft der Vampire


Zum Schluss möchte ich allen überzeugten Anhängern der Schulmedizin, die jede Alternative ablehnen, ein Buch empfehlen, das womöglich ihre Meinung ändern wird: Heilen mit der Kraft der Natur. Der Autor – Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor für Klinische Naturheilkunde an der Charité  - ist davon überzeugt, dass die traditionellen Heilverfahren zeitgemäßer denn je sind. Er scheut sogar nicht vor der Verwendung der Blutegel, weil die Speichel der kleinen Vampire entzündungshemmende und schmerzstillende Substanzen enthält und unter anderem in der Arthrose-Therapie erfolgreich eingesetzt werden kann.

Montag, 17. April 2017

Depression: Pille und Gefühle

Nimm bitte an, du erwirbst oder erstellst selbst eine Mixtur und gibst sie einer ausgewählten Person zum Trinken. Dies reicht es einzig und allein, damit jene Person dich liebt. Moment mal, darüber haben wir als Kinder in den Märchen gelesen. Man kann jedoch nicht als Erwachsener an solch einen Quatsch glauben.  Quark, Mumpitz, Schwachsinn. Wirklich? Es gibt Menschen, die nach diesem Prinzip ernsthaft forschen und andere, die derartige Mixturen herstellen und daran sehr gut verdienen.

                                                                                                                        Screenshot 

Der neue alte Ansatz?


Die so ausgerichtete Forschung und die Pharmaindustrie wollen uns überzeugen, dass es eine Pille gäbe, oder geben könnte, die in der Lage sei, unsere ver-rückten Innenwelten zu reparieren.  

Dass die Wissenschaftler und die Pillen-Hersteller dies versuchen, verstehe ich sehr gut. Weltweit leiden 350 Millionen Menschen an einer Depression, Tendenz steigend.  Die WHO rechnet, dass die Depression bis 2020 zweithäufigste Krankheit überhaupt wird, direkt nach Herz-Kreislauf- Erkrankungen. Die Behandlung kostet schon jetzt allein in Deutschland mehrere Milliarden pro Jahr.  Das ist ein riesiger Markt. An der Depression kann man verdienen und zwar schnell. Obwohl  Antidepressiva, die man beinahe automatisch verschreibt, nicht wirklich helfen. Die Patienten werden zu Versuchskaninchen. So  zum Beispiel  erklärt Pfizer, einer der größten Pharmakonzernen,  „dass über die Mechanismen und Prozesse, durch welche die Wirkung der Antidepressiva zustande kommt, keine abschließende Klarheit besteht."

Der neue Ansatz - der eigentlich gar nicht neu ist - über den unter anderem die Arte-Dokumentation „Depression - Neue Hoffnung?“ berichtet, wendet sich von der Forschung der Botenstoffe im Gehirn ab und konzentriert sich auf das komplexe Immunsystem. Eins der vorläufigen Fazits lautet: „ Achtsamkeitsbasierte Therapien können gesund machen.“ Ja! Eine Therapie, nicht eine Pille!

Hure der Pharmazie


Dies ist auch meine Meinung, die ich bereits in meinem Buch „Wozu soll das gut sein?“  festgehalten habe. Ich bezweifle, dass man psychische Probleme mit chemischen Stoffen beseitigen kann. In meinem Buch formulierte ich meine Bedenken folglich:

„Wer kann allen Ernstes behaupten, dass unsere Gedanken ausschließlich als Produkt der chemischen Reaktionen entstehen? Na dann los: Die Pillen verabreichen und schon wird die Welt gerecht und glücklich!“

Meines Erachtens ist das ein Wunschdenken oder – wie ich dieses Phänomen nenne – Märchendenken.  Meine Argumentation beruht auf Logik:

„Es ist zwar gut möglich, dass die Tabletten den Schmerz der Seele betäuben oder lindern. Kurzfristig, vorübergehend. Die gleiche Funktion erfüllen jedoch auch die zugelassenen und nicht zugelassenen Drogen: Alkohol, Marihuana, Koks und weitere Erfindungen des Menschen, die die Flucht aus der Realität ermöglichen oder erleichtern. Einige von ihnen haben sogar den Vorteil, dass sie eine ausschließlich pflanzliche Herkunft vorweisen.“

An einer anderen Stelle frage ich nach anscheinend vergessener Disziplin: Psychologie.

„Wofür schlug Sigmund Freud den Weg der Psychoanalyse ein, wenn wir heute, mit gleicher Inbrunst und Besessenheit wie Schamanen den Geistern, der Macht des Stoffes vertrauen? Junkies im Dienst der Psychologie, die ihre Aufgaben verraten und sich billig an die Pharmaindustrie verkauft hat? Psychologie als Hure der Pharmazie. Freud dreht sich bestimmt im Grab.“

Montag, 5. Oktober 2015

Kinder, Kinder

Kleine Kinder sind unermüdliche Forscher und Entdecker. Sie lernen die Welt mit allen ihren Sinnen leidenschaftlich kennen. Dann kommen sie in die Schule…



Hilflose Schule


Über den Schuleingang hätten große Buchstaben des Schriftzugs „ANPASSUNG“ hängen müssen, weil man von den Kindern eben dies auf der ersten Stelle verlangt. Die kleinen Quälgeister sollen sich in die herrschenden Strukturen, in das System einfügen. Ihre eigenen Bedürfnisse und ihre Entwicklung scheinen nicht von Bedeutung zu sein.

Vom ersten Schultag an trainieren Kinder ihr Sitzfleisch. Obwohl diese Praxis alles andere als gesund ist und die Wissenschaftler seit Jahrzehnten für die Kleinen einen kurzen – unter 30 Minuten - Unterricht verlangen

Ordnung muss sein? Die Schule ist aber kein Ort der Ordnung, sondern der absoluten Anarchie. Sie sperrt ihre Schüler zwangläufig für den größten Teil des Tages ein und weigert sich gleichzeitig, die Erziehungsverantwortung zu übernehmen. „Das ist nicht unsere Aufgabe“, hört man dazu. Wessen denn sonst? So zeigt sich die Schule völlig hilflos gegen die unerfreulichen Strömungen, Tendenzen und Mobbing, die unter den Schutzbefohlenen auftreten.  

Koks für Kids


Die Pharmaindustrie geht der Schule zur Hand und betäubt massenhaft die von Natur aus lebhaften Wesen. Tonnenweise verschreiben Ärzte – ihr Gewissen steht ihnen währenddessen, wie man sieht, nicht im Wege - ihren kleinen Patienten die Droge Ritalin. In einem Land, wo das Marihuana verteufelt wird, verabreicht man ohne zu zögern den Kindern einen viel härteren Stoff, vergleichbar mit Kokain, Morphium oder Amphetamin. Und niemand bestraft die dafür verantwortlichen Verbrecher. Was wollen diejenigen erreichen, die in den Kindern das Menschliche auf diese Weise töten? 

Primitive Konkurrenz 


Was für eine Zukunft bereiten wir den Kinder vor? Und was für eine Zukunft erschaffen einmal jene Kinder, die von der Gesellschaft zu den gefühllosen Robotern gemacht werden?

Angesichts der vielen Flüchtlingskinder, die hier bleiben und leben werden, wäre es wichtig, sich die Klarheit über die Verantwortung für ihre Entwicklung zu verschaffen. Wenn man die Eltern als die einzigen Zuständigen sehen will, müsste man vor allem die Schulpflicht abschaffen. Solange dies nicht der Fall ist, trägt der Staat für sie auch die Verantwortung.

Die Erziehung der Kinder ist keineswegs eine ausschließlich private Angelegenheit der Eltern. Vielmehr ist es eine gesellschaftliche Aufgabe. Wie verträgt sich aber diese These mit dem Prinzip der Konkurrenz in ihrer primitiven Auffassung als Bekämpfung des Schwächeren?