Vielleicht klappt es diesmal, sagte ich mir erneut nach der Lektüre einer Lokalzeitung, unterwegs zum historischen Naturpflaster aus Granit. Der Aufmacher von „Gazeta Wrocławska“ berichtete am 21.09. über einen „heftigen Streit mit dem Denkmalpfleger (konserwator)“. Die Pomorska-Straße wurde erst vor zwei Jahren gründlich erneuert und jetzt verwandelt sich schon wieder in eine große Baustelle. Denn das besagte Steinpflaster sinkt am Gleisbett ein. Für Daniel Gibski, den „Beschitzer“ der historischen Substanz der Stadt, sind nicht die alten Steine das Problem, sondern die Art, wie man die Arbeiten durchgeführt hat.
Halle mit mächtigen Bögen
Ob alt oder neu, an Pflastersteinen mangelt es in der Pomorska-Straße nicht:
Welche sind aber historisch? Ich frage nach. Der Arbeiter zögert, er habe noch nichts davon gehört. Und fügt entschuldigend hinzu, er arbeite nur an den Gleisen. Dann zeigt er auf die Steine am Rande des Weges: Die hier sehen alt aus.
Wirklich? Dessen bin ich mir nicht sicher, also gebe ich auf und schreite weiter auf den mehr oder weniger alten Steinen zur historischen Markthalle – Hala Targowa. Sie wurde auf der Stelle des früheren Arsenals Piaskowy von 1906 bis 1908 gebaut:
„Für den architektonischen Entwurf waren Richard Plüddemann und Friedrich Friese verantwortlich. Die Konstruktion projektierte Heinrich Küster. Es war seine Idee eben, mächtige Stahlbetonbögen einzusetzen, was das Gebäude zu einem der interessantesten Beispiele der damaligen Gebrauchsarchitektur machte.“
Die heute steril wirkende Halle versprühte früher einen beinahe mittelalterlichen Charme. Vor ihren Toren standen alte Frauen (Hexen?) mit Blutegeln in den Flaschen oder Gläsern. Drinnen sparte man eindeutig mit der Beleuchtung, was eine günstige Umgebung für die dunkelsten Geschäfte erschuf. Die Ware, die man dort angeboten hat, war spotbillig, wahrscheinlich überhaupt die billigste in der Stadt. Das war einmal.
Schule als Ausnahme
Direkt gegenüber befindet sich das Haus der philologischen Fakultät mit einer sehr langen Geschichte. Nach dem Tatarenüberfall auf Polen begann man um das Jahr 1256 ein Kloster für die Franziskaner zu bauen, das die Besitzer oft wechselte, bevor es 1815 säkularisiert und der Sitzt des Ober-Landes-Gerichts wurde. 1965 brachte man dann in dem Gebäude die Fakultät unter.
Religiös geht es aber in dieser Straße weiter, u. a. im Kloster der Ursulinen und ihrem Allgemeinbildenden Lyzeum (Liceum Ogólnokształcące). Diese Schule gehörte seit 1946 zu den wenigen privaten Bildungsanstalten im kommunistischen Polen. Ab 2014 dürfen hier auch Jungs lernen.
Die Fortsetzung kommt.
Vorausgehend Teil 1
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