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Mittwoch, 16. September 2026

Wissen die AfD-Wähler in Sachsen-Anhalt (und woanders) nicht, was sie tun?

 70 % der Ossis sehen sich als Bürger zweiter Klasse.

„Viele der ostdeutschen Anhänger der AfD verstehen sich als Opfer der deutschen Einheit und geben dem kolonialistischen Westen die Schuld an ihrem beklagenswerten Zustand“, schreibt in der FAZ Detlef Pollack, Professor für Religionssoziologie.

Korrekt.

"Der perfekte Schwiegersohn" (Detlef Pollack)

Wundervoll vorangehen

Dass damals ziemlich viel schief gelaufen ist, bestreitet inzwischen niemand mehr.

„Nach dem Untergang der verachteten DDR, die die Mehrheit der Ostdeutschen 1990 so schnell wie möglich loswerden wollte, waren die Erwartungen an die prosperierende Marktwirtschaft und die funktionierende Demokratie des Westen hoch“, stellt Pollack zu Recht fest.

Nicht nur die Ostdeutschen, der ganze Ostblock hat groß geträumt. Es sollte eine Art von „Imagine“ sowohl wirtschaftlich als auch gesellschaftlich wahr werden. Schließlich erlebten diese Menschen das Wunder vom Ende des Kommunismus. Es sollte daher weiter so wundervoll vorangehen. Stattdessen aber schlug ihnen die harte und weitgehend unbekannte Realität entgegen. Ihre Ahnungslosigkeit wurde ausgenutzt, ihre Unerfahrenheit lockte Betrüger aller Couleur – auch die staatlichen. Ja, der Staatsapparat mischte in diesem unrühmlichen Spektakel mit.  

Heute sei derartige opfermäßige Einstellung nicht mehr berechtigt, behauptet Pollack. Und dennoch triumphiert die AfD im Osten und wird auch im Westen immer stärker. Wieso eigentlich?

Der alte Unterton 

Was wollen also die AfD-Wähler?

„Noch immer erwarten sie die Wohltaten von einem imaginierten Staat, den sie doch eigentlich verachten. Möglicherweise liegt hier tatsächlich das oft verleugnete Erbe der untergegangenen DDR, deren Führung sie ebenfalls misstrauten und von der sie zugleich Versorgung erwarteten.“

Bevor ich inhaltlich auf diese Behauptung eingehe, muss ich den Unterton ansprechen. Ihr hört ihn doch auch, oder? Da kommt hier wieder – in einer sehr kultivierten Form – die alte Überheblichkeit, mit der man die Ossis belehren wollte, weil sie angeblich nichts verstanden haben.

Das Gegenteil ist der Fall. Die Ossis haben einen sensiblen Riecher, sagt dazu Henryk M. Broder. Sie spüren auch diesmal, dass die vorgegebene Route, die man als „Weiter-so“ beschreiben könnte, ins Verderben führt. 

Der Staat ist nicht imaginiert, sondern übergriffig und ähnelt immer mehr den kommunistischen Diktaturen. Weiterhin baut er seinen Apparat aus (nach dem Motto: Selbstbedienungsladen) und behauptet, die Bürokratie abzubauen. Er heimst Rekordeinnahmen ein und lässt gleichzeitig ganze Schichten verarmen. Weil er, anders als propagandamäßig behauptet, ungerecht von unten nach oben umverteilt usw. usf.

Im Laufe der Zeit wird dieser Staat zunehmend undemokratisch. Also, liebe selbsternannten Demokratie-Beschützer, vielleicht seid ihr selbst die wahre Bedrohung für die Demokratie?


Freitag, 28. August 2026

Social Media, Sorge um Kinder und die Selbstgerechten

 Meta schließt ein Vergleich mit 29 US-Bundesstaaten und wird zahlen. Es kommt also nicht zum Prozess. Die Kläger warfen Meta vor, Kinder süchtig zu machen. Der „Tagesspiegel“ fragt daraufhin „Wird Social Media jetzt endlich reguliert?“


Vorgeheuchelte Sorge

Ich bin begeistert, wie sehr sich Politiker und Journalisten um das Wohl der Kinder sorgen! (Vorsicht, Ironie!) Endlich identifiziert man einen Schuldigen für alles, was bei den Minderjährigen schief läuft. Wirklich?

Also, nicht die Armut, nicht die zerbröckelnden Schulen mit schlechten Lehrern, die keine Ahnung von Pädagogik haben, nicht die zu großen Klassen, die den Verdacht nähren, es handele sich hier lediglich um Aufbewahrungsanstalten, nicht der gesetzlich zugelassene Missbrauch an Kindern mit der angeblich notwendigen in diesem Alter Selbstbestimmung, nicht die ausbleibenden Chancen auf die Teilhabe an der Gesellschaft … usw. usf.?

Die Social Media sollen allein die Schuld am Unheil tragen?!

Da kann ich nur müde lächeln und laut rufen: Ihr seid verfluchte Heuchler! 

Maulkorb verpassen?

Daran, dass man hierzulande jeden Vorwand nutzt und sofort nach Regulierung verlangt, haben wir uns inzwischen gewöhnt,. Denn Meinungsfreiheit ist den Politikern und Mainstream-Journalisten ein riesiger Dorn im Auge.  

So auch diesmal: 
Es geht „um die systematische Vergiftung jeglichen öffentlichen Diskurses – lesen wir im Tagesspiegel. - Die sinnvolle, faktenbasierte und progressive Meinungsbildung in einer Demokratie steht auf dem Spiel, denn längst haben Hassbotschaften, Lügen und Desinformationskampagnen die Oberhand gewonnen.“
Ajajaj, die arme Demokratie wird hier gnadenlos verdreht, nur um Allmachtsphantasien zu bedienen. Der alte Traum von Zensur soll wahr werden. Weil es darum eben geht: Egal wie man sie nennt - Sorge um Kinder, Regulierung, Meinungsbildung – sie heißt nach wie vor Zensur und bleibt ein Instrument aus dem Werkzeugkasten der Diktatoren – Kommunisten, Faschisten usw. 

Die Zensur soll das Lösen von echten Problemen und Entwicklung von kinderfreundlichen oder überhaupt menschenfreundlichen, also humanistischen Rahmenbedingungen ersetzen. Die Sprache – eine Schöpfung des Volkes – soll ein Korsett oder eher eine Zwangsjacke verpasst bekommen. Das Neusprech wird zur Pflicht.   

Der Riecher von Ossis

Das gepriesene von den Selbstgerechten Modell – die regulierten (was heißt: zensierten) Medien – gehört zum System, in dem es keinen Platz gibt für, sozusagen, alle Farben einer Gesellschaft (alle politischen Farben, die sich nicht mit der Regenbogen-Fahne zudecken lassen), echte Diskussionen und die wahre Realitätsabbildung. 

Laut Henryk M. Broder haben die Ossis dieses fiese Spiel längst erkannt.
"Die Ossis haben ein Gespür, das uns weitgehend abgeht. Sie riechen die Diktatur, sie riechen die Lügner, sie riechen die parteiliche Bindung der Politiker, sie riechen das ganze Unernste und Unehrliche, das mit der Politik einhergeht, weil sie das alles schon hinter sich haben.“
Das sind diejenigen, die vom Stasi-System – anders als Merkel – nicht profitiert, sondern darunter gelitten haben.