Sonntag, 2. Juli 2023

Karlovy Vary (Karlsbad) Teil 1: Spannung, ein Hauch von Hollywood und zwei Konzerte draußen und umsonst

 In der Steigerung der Spannung war Alfred Hitchcock der Meister. Die Organisatoren der Eröffnung des 57. Filmfestivals in Karlovy Vary haben aber auch dafür gesorgt.


Die Stars wurden bis zum roten Teppich von Autos mit dunklen Scheiben hingebracht. 




Es folgte der unausweichliche Roter-Teppich-Parkour: 



Das Wetter erzeugte zusätzliche Spannung. Nach einem schwülen und absolut trockenen Vormittag, kam der Umschwung. Mal schüttete es wie aus Eimern, mal nieselte es lediglich und ab und zu hörte der Regen ganz auf.



Dazwischen prüfte man vom Schirm geschützt per Hand, ob es noch regnet.

Der letzte Star ließ auf sich warten:


Dazu wurde er noch krimimäßig von der Polizei begleitet:


Jetzt war er da: Russell Crowe mit seiner Partnerin.




Auf den Leinwänden konnte man die ganze Eröffnungszeremonie verfolgen. Sie ist bereits auf YouTube zu sehen.

Russell Crowe wurde mit einem Kristallglobe geehrt "für einen außergewöhnlichen künstlerischen Beitrag zur Welt-Kinematografie".

Im Anschluss trat draußen eine interessante britische Band Morcheeba auf.


Der Start des zweiten Konzerts (22:45) verzögerte sich ein wenig, was die Spannung erneut erhöhte. Der Abend hat sich abgekühlt, aber Russell Crowe rockte ihn heiß. In seinem Programm fanden sich einige Coverversionen wie „Take This Waltz“ von Leonard Cohen, „Folsom Prison Blues“ von Johnny Cash und "Romeo & Juliet" von Dire Straits.

Vor der Treppe zur Bühne

... und los geht's



Zwischen den Songs backstage

Papa und Sohn Charlie

Gladiators Frage "Are you not entertained?" hätte das Publikum mit "Doch, absolut!" beantwortet. Das Menschenmeer klatschte inbrünstig und sicherte sich eine Zugabe.

Hier in Karlovy Vary erklärte Russell Crowe seine  Indoor-Garden-Party-Tour, die in Brisbane in Australien begann, für beendet.

Dennoch  .. the show must go on.

Nachfolgend:

    Teil 2

    Teil 3A

    Teil 3B


Dienstag, 6. Juni 2023

What Is A Woman? – Kennst du die Antwort?

 Habt Ihr den Film gesehen? Twitter schaltete ihn vor ein paar Tagen frei. Seitdem wurde dieser Doku-Streifen über 170 Millionen Mal angeklickt. Wow! 

Screenshot

Einfach oder provozierend?

Matt Walsh stellt eine einfache, wie er meint, Frage, die aber gegenwärtig wie pure Provokation wirkt. Ist diese Frage überhaupt zulässig? Wer jetzt mit „Nein“ antwortet, der bildet ein Teil des Problems. Denn so jemand will apodiktisch bestimmen, worüber man diskutieren darf oder nicht. Derartige Praktiken und Verhältnisse zeichnen Diktaturen aus.  

Das Recht, alles zu hinterfragen, gehört für mich zu den Menschenrechten. Ein mündiger Bürger oder eine mündige Bürgerin muss mündig genug sein, selbständig Fragen zu stellen und nach Antworten genauso selbständig zu suchen. Wer das verbietet, der zerstört die Grundlagen der Demokratie. 


 Das Gegenwart-Theater

Zum Kern des Problems gehört der Unterschied zwischen dem biologischen und dem sozialen Geschlecht. Daran scheiden sich die Geister. 

Auf den Seiten des bpb lesen wir darüber folgendes:

"Gender" ist der englische Begriff für das, was im Deutschen als "soziales Geschlecht" bezeichnet wird. Gemeint sind die individuelle Identität und soziale Rolle jedes Menschen in Bezug auf das Geschlecht und wie diese in einer Gesellschaft bewertet werden. Ursprünglich wurde dabei vom biologischen Geschlecht (Sex) direkt auf das soziale Geschlecht (Gender) geschlossen und über die Veränderbarkeit des sozialen Geschlechts diskutiert; so etwa, ob eine "biologische" Frau auf die soziale Rolle als Mutter festgelegt sei. Heute wird betont, dass Sex und Gender voneinander unabhängig sind.“

So weit, so gut, könnte man sagen. Wir spielen heute in unserem Gegenwart-Theater ganz andere Rollen als unsere Vorfahren. Auch der Autor der Dokumentation scheint damit nicht wirklich ein Problem zu haben. Womit er sich aber nicht einverstanden zeigt, ist der Übergang vom Spielen zur chirurgisch-pharmazeutischen Umwandlung des biologischen Geschlechts. Besonders wenn es um Kinder geht.

Meine Meinung

Eine Gesellschaft, die den Cannabis für Erwachsene verbietet, aber die Geschlechtsumwandlung von Schutzbefohlenen erlaubt, hat jeglichen, nicht nur moralischen, Kompass verloren. Für mich handelt sich hier um Kindesmissbrauch.


Mittwoch, 17. Mai 2023

Die Schwerkraft von Jan Böhmermann

 Niemand kann mir vorwerfen, dass ich grundsätzlich Jan Böhmermann feindlich gegenüber stehe. Ich habe ihn sogar in meinem Blog verteidigt, als die ehemalige Kanzlerin seinem Erdogan-Song eine politische (!) Abfuhr erteilte. Den Song fand ich und finde immer noch unterirdisch. Es ging mir aber nicht um den Text, sondern ums Prinzip. Wie auch diesmal.  

Screenshot 


Die Sache mit der Wissenschaft


Im Gespräch mit Stern „Aber wirklich weinen? Nein!“ (Nr. 19, 04.05.23) behauptet Böhmermann allen Ernstes folgendes: 

„Wenn Dieter Nuhr sagt, der Wissenschaft blind zu folgen sei eine demokratiefeindliche Grundhaltung, weil ihm irgendetwas nicht in den Kram passt, dann können wir auch versuchen, über Schwerkraft abzustimmen: Wie finden Sie es, dass ein Amboss Ihnen, wenn Sie ihn fallen lassen, auf den Fuß knallt? 80 Prozent aller Deutschen sind dagegen! Steht aber nicht zu Debatte, tut mir leid.“

Doch, das tut es; es steht zur Debatte. Denn wir wissen nicht, welche Definition der Schwerkraft Böhmermann meint. Jene aus dem XVII Jahrhundert von Isaac Newton oder einer aus der Gegenwart? 

"Befürworter der „Modifizierten Newtonschen Dynamik“ führen an, dass die Newtonsche Gravitationstheorie von 1686 bereits drei Modifikationen erfahren hat. Bei sehr kleinen Abständen verwenden Physiker ausschließlich die Quantenmechanik, bei sehr großen Geschwindigkeiten Einsteins spezielle Relativitätstheorie und nahe sehr großer Massen seine allgemeine Relativitätstheorie." (Wikipedia)

Nein, ich bin keine Physikerin und ich werde hier nicht dozieren. Allerdings will ich betonen, dass ich mich offen für neue Fakten und Argumente zeige, weil ich weiß, dass Wissenschaft keine Diktatur ist, die das Denken zu kontrollieren oder zu verbieten versucht, sondern im Gegenteil zum Denken und zum Zweifeln auffordert. 

Außerdem weise ich auf den Umstand hin, dass es selten im Leben etwas alternativlos ist und schon gar nicht in der Wissenschaft. Sie ähnelt einem Fluss, ständig in Bewegung und im Entstehen.

Der böse Wolf namens Dieter


Wieso definiert sich Böhmermann als ein Gegenpart von Dieter Nuhr? Diese Frage hat eine zentrale Bedeutung für die Dechiffrierung seiner Überlieferung. Zum einen spielt ein gelungenes Feindbild eine große Rolle bei der Disziplinierung eigener Fangemeide. Zum anderen scheint Dieter Nuhr einen wunden Punkt bei Böhmermann getroffen zu haben. Und der wäre? Ich habe da eine Vermutung, die behalte ich aber für mich.

In Dieter Nuhr sehe ich keinen bösen Wolf, obwohl er mich oft mit seinen Ansichten erschreckt. Besonders störe ich mich an seinem absolut unzulässigen Urteilen nach dem Äußeren, wie er einmal zu Protokoll gab: 

„Ich glaube, dass eine gesunde Beamtenerziehung dazu führt, dass man sich eben nicht mit zwölf einen Delfin auf die Stirn tätowiert und mit 17 Molotowcocktails auf Polizisten wirft.“

Mein Gott, wie oberflächlich!  Apropos Gott: Im Stern-Interview erzählt Böhmermann:

„Ein guter Freund hat mir kürzlich nachts in Suff diesen schönen Satz per SMS geschickt: Am Ende bleiben nur Kunst und Liebe.“

Schön isses. Und christlich. Wäre das nicht ein guter Ausgangspunkt für ein Treffen der beiden auf der Bühne? Stellt ihr euch dieses Duell nur vor!

Donnerstag, 4. Mai 2023

Der Fuchs in Uniform

 Eigentlich ist das eine ergreifende und herzerwärmende Geschichte, dazu noch gut erzählt und gespielt.


Der kleine Franz Streitberger muss seine kinderreiche Familie mit nur 8 Jahren verlassen und auf dem Hof von Seiwaldbauer arbeiten. Dass seine Eltern aus Not handeln, was heißt: die bittere Armut zwingt sie zu diesem Schritt, versteht Franz nicht. 


Auch als Erwachsener findet er keine Rechtfertigung für die Tat der Eltern, daher kehrt er nicht nach Hause, sondern geht zum Bundesherr. 

Dabei war sein Schicksal kein Einzelfall:
„Wenn die Armut besonders hart zugeschlagen hat, musste das Kind schon in sehr jungen Jahren das Zuhause verlassen. Tausende solcher Fälle hat es in Österreich und Deutschland gegeben", erklärt der Salzburger Regisseur und Drehbuchautor Adrian Goiginger.

 

Nicht politisch?


Goiginger erzählt eine wahre Geschichte seines Urgroßvaters. Im Vorfeld recherchierte er jedoch gründlich, sprach mit den Zeitzeugen und las Tagebücher von Soldaten. Auf diesem Weg kommt er zum Fazit, dass sich jene Soldaten am wenigsten für die Politik interessierten. 

Anscheinend übernimmt Goiginger diese Einstellung. Auch seine Sichtweise deckt sich mit jener von den damaligen Wehrdienstleistenden. Es sind doch ganz gute und tapfere Kammeraden, sodass der Zuschauer oder die Zuschauerin fast glauben kann, sie kämpften für eine richtige Sache.

Auf der Seite der Täter


Richtige Sache?! Bei diesem Gedanken läuft mir der kalte Schauer über den Rücken. Wir reden doch über den Zweiten Weltkrieg und das österreichische Bundesherr, das bereits 1938 den Eid auf Hitler leistete und ein Teil der verbrecherischen Kriegsmaschinerie wurde.

Goiginger weiß natürlich das alles. Und stellt sich trotzdem auf die Seite der Täter. Ein harter Vorwurf? Gewiss, und doch gerecht, wie ich denke. Denn diese Art des Erinnerns lässt keine Aufarbeitung der Vergangenheit zu. Die Familiengeschichte wird aus dem historischen Kontext herausgerissen, als ob die bloße Zugehörigkeit zur Familie von Schuld befreien könnte. 

Das ist ein Mafia-Prinzip. Nach diesem Prinzip hütet man die Familienerinnerungen aus der Nazizeit auch in Deutschland. Dafür benutzt man sowohl die Relativierung des Verbrechens, als auch die Täter-Opfer-Umkehr. Auf der familiären Ebene sind viele, viel zu viele in der braunen Vergangenheit steckengeblieben. 

Und der Fuchs? Der kann natürlich nichts dafür. 


Alle Fotos sind  Screenshots. 




Freitag, 28. April 2023

Auf der Hannover Messe. Teil 4 – Zahlen, Regeln und ungebundene Fotos

 Die Veranstalter der Hannover Messe haben 130.000 Besucher und Besucherinnen gezählt. Die digitalen Zahlen sind imposanter: über 8 Millionen Seitenaufrufe. 


Die Zukunft wird Ideen, Vorschläge und Produkte aus der Messe weiterentwickeln und verifizieren oder verwerfen. Bereits jetzt beschäftigte sich die EU mit den Regeln für die Künstliche Intelligenz. Denn nicht nur der Mensch, sondern auch die Maschine muss sich an die Regeln halten. Besonders, wenn sie intelligent ist. EU-Abgeordnete präsentieren diesbezüglich einen Entwurf. 

Demnach sollen KI-Systeme "nach ihrem Risikoniveau eingestuft werden, von minimal über begrenzt und hoch bis inakzeptabel. Systeme mit hohem Risiko würden zwar nicht verboten. Bei ihrem Einsatz wäre jedoch ein hohes Maß an Transparenz vorgeschrieben."

 


Fallt euch etwas auf? Besucher sind mehrheitlich männlich. Da gibt es noch viel Luft nach oben, was die gleichberechtigte Beteiligung betrifft. 













Vorausgehend:

    Teil 1


    Teil 3

Donnerstag, 27. April 2023

Auf der Hannover Messe. Teil 3 - Quo vadis?

 Der Weg ist das Ziel, sagte angeblich Konfuzius. Am Scheideweg braucht man trotzdem eine Entscheidung, hinsichtlich der Richtung.  


Wir werden bald im Ozean von Daten schwimmen: 


Volumen der jährlich generierten/replizierten digitalen Datenmenge weltweit 
in den Jahren 2012 und 2020 und Prognose für 2025 (in Zettabyte), Statista


Unsere Wünsche werden wir uns ausdrucken:




Aus dem Drucker kommen ebenfalls die zukünftigen Städte, wie uns Hartmut Idzko in seinem Film „Häuser aus dem Drucker. Revolution auf unseren Baustellen?“ vor Augen führt.

Eine besondere Rolle spielen in der Zukunft die Umweltschutz und die Bildung, die einander bedingen. Denn wir brauchen selbstverständlich einen Lebensraum und mehr denn je brauchen wir auch mündige Bürger, die selbständig denken und verantwortungsvoll handeln.

Die Natur bedarf unseres Schutzes, zugleich bleibt sie unsere Lehrmeisterin. Die Wirtschaft organisiert sich z.B. nach ihrem Vorbild in Ecosysteme:



Das digitale Zeitalter schickt uns auf neue Lernwege mit neuen Mittel. So z.B. kann das zukünftiges Medizinpersonal ohne echte „Versuchskaninchen“ üben:


Augmented Reality Surgical Simulator for Interactive Medical Training

Der Lärmpegel im Video-Hintergrund liefert zweierlei Beweise, dass auf der Messe viele Besucher erschienen und dass hier eine rege Kommunikation stattfand.

Auch Maschinen lernen und inzwischen brauchen uns nicht mehr dafür. 



Die neuen Perspektiven, die die Künstliche Intelligenz eröffnet, bergen auch Gefahren. Einige Experten warnen eindringlich davor, andere beruhigen und heben Vorteile hervor. Die Besorgnis darüber, wohin will steuern, bleibt.

Die Fortsetzung folgt.

Vorausgehend:

    Teil 1

    Teil 2

Nachfolgend;

    Teil 4

Sonntag, 23. April 2023

Auf der Hannover Messe. Teil 2 – Cloud und Kabel

 Wer den Kopf in den Wolken hält, der ist nicht mehr ein naiver Träumer oder Träumerin, sondern ein bodenständiger Pionier oder Pionierin der Zukunft. Und jene breitet sich jetzt in den Clouds aus.







Wir scheinen erst am Anfang des Weges zu stehen:

"Nur 0,7 Prozent des Gesamtumsatzes im europäischen Maschinenbau wurden 2020 mit digitalen Plattformen und Mehrwertdiensten für Kunden erwirtschaftet – so das Ergebnis einer Studie von VDMA und McKinsey."

Während wir spielen …





... verlagert die Industrie viele Prozesse in die virtuelle Welt und erschafft dort Zwillinge:






Was uns dabei auf dem Boden hält, sind die Kabel, denn ohne sie läuft kein Strom:


Die Ordnung ins Kabel-Chaos zu bringen, verspricht ein Schrank:


Wire Terminal - Prozessbeschleunigung durch 
vollautomatisierte Drahtkonfektionierung

Vom Presenter ...


bekomme ich hier ein passendes Geschenk:


Die Temperatur lässt sich dagegen kontaktlos messen:




Die Fortsetzung folgt.

Vorausgehend:

    Teil 1

Nachfolgend:

    Teil 3

    Teil 4