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Dienstag, 17. Februar 2026

Lust auf Wandeln, Hugenotten und verbannte Königin

 Wer geht in den Park beim Regen spazieren? 


Französischer Charme des Gartens

Nur wenige Menschen durchkreuzen eilig die Grünanlage, die zurzeit gar nicht grün ist, unterwegs zu ihren Zielen. Sonst schlendern hier Krähen ...


Enten  …



… und ein Kormoran. 



Übrigens, die Enten auf dem obigen Foto tauchen kopfüber – Duck Dive – im Magnusgraben. 



Wir befinden uns im Französischen Garten in Celle, den die echten Franzosen anfangs des 17. Jahrhunderts umgestaltet haben. Es existierte hier davor ein Lustgarten von Herzog Christian.  

Seit der Bartholomäusnacht (Massacre de la Saint-Barthélemy, vom 23. zum 24. August 1572) in Frankreich, dem Beginn von Hugenotten Verfolgung, anhaltende Flucht (also Migration) erreichte auch das niedersächsische Städtchen Celle. Und prägte auch den Garten.
„Ab 1670 wurde auf Veranlassung von Eleonore d’Olbreuse, der Gattin von Herzog Georg Wilhelm, der französische Gärtner Henri Péronnet († 1690) mit der Gestaltung des Gartens beauftragt. Von 1690 bis 1701 war René Dahuron, ebenfalls ein Franzose, verantwortlich.“ (Wikipedia)
Unbeeindruckt vom französischen Charme klagte Kurfürstin Sophie von Hannover 1680: "Der Celler Hof ist ganz verfranzt, (...) man sieht dort gleichsam keinen Deutschen mehr."

Dänisches Element

Der runde Teich (zurzeit zugefroren) verdankt seine Form einer Frau. 
„Anlaß war die Verbannung der dänischen Königin Caroline Mathilde von Hannover nach Celle. Ein ursprüngliches Teichgeviert wurde in den heute noch bestehenden runden Teich umgewandelt.“



Die Königin hat sich in Johann Friedrich Struensee, Arzt und Minister, verliebt „und begann mit ihm im Frühling des Jahres 1770 eine Liebesbeziehung, die dem König anscheinend gleichgültig, vielleicht sogar willkommen war.“

Es war eine Liebesbeziehung ohne Happyend. Struensee wurde des Staatsstreichs, Hochverrats, der Amtsanmaßung und Bereicherung beschuldigt, verurteilt und am 28. April 1772 hingerichtet. Caroline Mathilde verlor ihre Ehe wie auch ihre Kinder und landete in Celle, wo sie mit 24 Jahren starb. 






Mittwoch, 15. Juni 2022

Mit dem 9-Euro-Ticket ganz nah: Synagoge in Celle. Teil 3

 Die Synagoge befindet sich – in Celle nicht überraschend - in einem Fachwerkhaus. Ich laufe an ihr vorbei und suche weiter, bis ich mich entschließe, eine Cellerin zu fragen. Sie nimmt sich mein Anliegen zu Herzen und begleitet mich zurück, als ob sie absolut sicher sein wollte, dass ich die Synagoge diesmal nicht verfehle.

Von außen wirkt die Synagoge unscheinbar: 


Drinnen kann man die  Schmuckstücke der Tora bewundern: Thoraschild (Tass) und Thorakronen (Rimonim):


Und die Geschichte der Celler Gemeinde kennen lernen. (Alle folgende Zitate stammen von den Infotafeln)

Der Anfang:

"Nach dem Regierungsantritt von Herzog Georg Wilhelm von Braunschweig-Lüneburg (1665-1705) begann die "Ansetzung" einzelner Juden. Von 1673 bis 1690 erhielten Isaak Maintz, Philipp Ahrendt, Daniel Ahrendt, Salomon Gans und Assur Marx mit ihren Familien und Gesinde Schutzbriefe auf die Altenceller Vorstadt (Blumlage, Masch und Im Kreise). Assur Marx ging schon 1691 nach Halle, die vier anderen wurden zu Gründungsvätern der Celler jüdischen Gemeinde." 

"Die Celler Schutzjuden gaben sich 1738 die erste, schriftlich niedergelegte "Rechtliche Verordnung" und errichteten um 1740 auf dem Hinterhof der angekauften Häuser Im Kreise 23 und 24 die im Stil des Spätbarocks ausgestaltete Fachwerksynagoge."

Salomon Philipp Gans (unten) gehörte zu den ersten Juden, die Zulassung als Advokaten und Prokuratoren (Staatsanwälte) erhielten. Er "baute sich am Distrikttribunal eine Praxis auf. Als erster Celler Jude bezog er eine Stadtwohnung." 



"Isaak Nathan Cassler gehörte zu den ersten jüdischen Künstlern mit akademischer Ausbildung im Kurfürstentum bzw. Königreich Hannover (...) Nach Celle kam er 1820 auf "ehrenvolle Aufforderung verschiedener Honoratioren". Hier war er Zeichenlehrer an der Höheren Töchterschule, Privatlehrer, Porträt- und Samtmaler sowie Restaurator."

Er hat das obige Ölporträt von Salomon Philipp Gans und die unten gezeigten Porträts gemalt:


Das Jahr 1933 setzte eine Zäsur.

Damals begann die systematische Vernichtung von Juden und ihrer Kultur.

"Im Celler Bürgervorsteherkollegium stellte die NSDAP seit Februar 1933 die größte Fraktion und beschloss am 6. April 1933, keine städtischen Aufträge mehr an jüdische Firmen zu vergeben (...) Die sogenannten "Nürnberger Gesetze" schufen im September 1935 die rechtliche Grundlage für die Judenverfolgung. Ab 1937 erschienen in Celle Schilder mit der Aufschrift "Juden nicht erwünscht".


Die Synagoge heute:






An diesem Ort atmet man die Geschichte. Ich setze mich im Hof hinter der Synagoge ...


... und ordne meine Gedanken. "Diejenigen, die sich nicht der Vergangenheit erinnern, sind verurteilt, sie erneut zu durchleben“, (George de Santayana)

Die Erinnerung wachzuhalten reicht jedoch nicht aus, wie uns der Krieg in der Ukraine soeben zeigt. Wir alle tragen die Verantwortung für das Getane und das Unterlassene. Weil jede und jeder von uns die Wahl hat und sich bewusst entscheiden kann, wofür und wogegen er oder sie steht. 

Daher frage ich: Wo waren alle die Gutmenschen, als die Jagd auf unsere Schwestern und Brüder begann?


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Mit dem 9-Euro-Ticket ganz nah: Ein Märchenschloss unter Fachwerkhäusern in Celle Teil 2

 Traumhaft! Ein weißes Schloss wie aus einem Märchen steht mitten in der Stadt. Seine Geschichte reicht bis ins Mittelalter. Im 17. Jahrhundert wurde die Burganlage aus- und umgebaut.





Im Innenhof wartet das Sommertheater:





Die Liebhaberinnen und die Liebhaber von Fachwerkhäusern kommen in Celle auf ihre Kosten und darüber hinaus. In der Celler Altstadt stehen um die 500 davon, somit „zählt Celle zu den dichtesten, geschlossenen Fachwerkensembles der Welt!“












Das Hoppener Haus:




Diese Inschrift erscheint mir brandaktuell: "Man kann nicht in Frieden leben, wenn es dem Nachbarn nicht gefällt":


Unsere letzte Hoffnung? "Wer Gott vertrauet, hat wohl gebauet im Himmel und auf Erden":



Celles ältestdatiertes Haus (1522 Erwähnung des früheren Hauses des Ratsherrn Dickmann,
1526 Bau des heutigen Gebäudes): 




Und die neuesten Nachrichten von der Celleschen Zeitung offline, draußen und zugänglich:





Vorangehend:


Nachfolgend:

Mit dem 9-Euro-Ticket ganz nah: Celle Teil 1

 Ich bin pünktlich abgefahren und kam auch pünktlich in Celle an, bequem sitzend im „luftig“ besetzten Zug. Fast genauso auch zurück, diesmal war aber der Zug voll.

Hin fuhr ich mit der S-Bahn (Die Schaffnerin sah anscheinend das 9-Euro-Ticket zum ersten Mal. Und das nach 2 Wochen seit der Einführung. Sie beugte sich darüber: „Ich vermute, das ist das 9-Euro-Ticket?“ Woraufhin ich einsilbig bestätigte: „Ja“). 

Von Celle nach Hannover brachte mich dann schnell ein Metronom. 

                                                                          Fachwerkstadt Celle

Diesmal beginne ich mit dem Ende, das jeder und jedem von uns bevorsteht, und schreite stramm zum Friedhof.









Die Bilder täuschen; ich betrachte den jüdischen Friedhof nur von außen, hinter einer Ziegelmauer und einem Maschendrahtzaun stehend. Die Pforten sind verriegelt.




„Wissen Sie vielleicht, wann der Friedhof öffnet?“, ich störe mit meiner Frage eine Passantin mit einem kleinen Hund, die soeben ein Gespräch am Handy führt. Außer ihr aber sehe ich niemanden in der Straße. 

„Der Friedhof ist immer geschlossen“, antwortet sie freundlich. Sie fügt auch gleich hinzu: „Mein Mann sagt mir gerade (der am anderen Ende der Leitung), dass Sie sich in der jüdischen Gemeinde anmelden sollen. Sie organisieren die Besichtigungen.“

Was für mich bedeutet: Heute komme ich hier nicht rein.

Und hier will ich freiwillig nicht hin:




Es Folgen:


und

Mit dem 9-Euro-Ticket ganz nah: Synagoge in Celle. Teil 3