Freitag, 27. Dezember 2019

Es war eine gute Rede, dennoch erhebe ich einen Einwand, Herr Steinmeier!

Diejenigen, die mal in einem kommunistischen Land (eigentlich im Realsozialismus) gelebt haben, kennen bestimmt den Begriff „russisches Dementi“. Sorry, russische Freunde, ich korrigiere dies sofort – natürlich müsste es heißen: „sowjetisches Dementi“. Solch ein Dementi seitens der Obrigkeit entchiffrierten die Untertanen stets als eine verkehrte Bestätigung. Es galt das Prinzip:  was die Machthaber vehement abstreiten, muss genau deswegen wahr sein.  Ich dachte daran, als ich den Satz von unserem Präsidenten Frank-Walter Steinmeier hörte: "Von zu wenig Meinungsfreiheit kann in meinen Augen nicht die Rede sein.“


Screenshot

So viel Streit


Der Präsident betrachtete in seiner Weihnachtsansprache den politischen Raum und kam zum Fazit „so viel Streit war lange nicht“, was eben ein Beweis für eine absolute Meinungsfreiheit sein sollte. Schön und gut. Gilt aber die Meinungsfreiheit auch, wenn wir den politischen Raum verlassen? Meine Antwort lautet: Nein. Ich vermisse sie schmerzhaft in einem riesigen und schwerwiegenden Bereich – in der Wirtschaft oder noch allgemeiner: in der Arbeitswelt. 

Ich behaupte, dass die hiesige Arbeitswelt nicht demokratisch, sondern diktatorisch konstruiert und geführt wird. In unseren Unternehmen - egal, ob privat, staatlich oder genossenschaftlich  - herrschen andere Regeln, was mit sich weit reichende Konsequenzen bringt. Wenn ich nach ähnlichen Strukturen suche, dann finde ich sie z. B. bei der Mafia, wo auch der Gehorsam zu den wichtigsten Tugenden gehört. 

Aus dem Katalog der Diktatoren


Das ganze wirtschaftliche System ist auf die Angepassten ausgerichtet. Dafür, dass nur solche Mitarbeiter hineinkommen, sorgt schon das Kopfnoten-Verfahren, genannt: Arbeitszeugnisse. Auf eine paranoide Weise und zum Teil mit chiffrierter Sprache bewertet der „alte“ Arbeitgeber den ihn verlassenden oder rausgeworfenen Arbeitnehmer, damit der „neue“, um Gottes Willen!, keinen Revolutionär einstellt. Kopfnoten sind eine Maßnahme aus dem Katalog der Diktatoren. Ihr Zweck erfüllt sich im Abstempeln und Aussortieren. Gehorsam wird belohnt, Ungehorsam bestraft. Derartige Regelungen dienen dem Erhalt von existierenden Machtstrukturen und verhindern notwendige Veränderungen. 

Zu den disziplinierenden Maßnahmen für angepasste Arbeiter gehört genauso die lange 6-monatige Probezeit. Geprobt wird dann eigentlich nur eins: ob sich der Kandidat/die Kandidatin als braver Arbeitssoldat eignet. Es scheint, dass ein Arbeiter sein Hirn an der Eingangstür abgeben müsste.

Neben den Kopfnoten und der langen Probezeit gehört das Schnüffeln in den Social Media, das die Unangepassten aufspüren  sollte, auch zum Repertoire der Arbeitgeber.  Die Diktatoren unterscheiden nämlich nicht zwischen der Arbeits- und Freizeit und vereinnahmen den ganzen Menschen.

"Fürchtet Euch nicht!"


Ich gebe Ihnen, Herr Steinmeier, aber Recht, wenn Sie sagen: „Was die Demokratie braucht, sind selbstbewusste Bürgerinnen und Bürger“. Unbedingt! Ich sehe aber keinen Grund, auf dieses Selbstbewusstsein ausgerechnet auf der Arbeit zu verzichten. 

Ihren Appell am Schluss Ihrer Rede kann ich sogar laut mitschreien: "Fürchtet Euch nicht!"

Montag, 25. November 2019

Gewalt an Frauen passiert täglich

Diesen Artikel habe ich vor 12 Jahren auf der nicht mehr existierenden suite101.de veröffentlicht. Erschreckend finde ich seine Aktualität heute.


  Screenshot, Frontal 21


"Die Gewalt an Frauen ist ein oft verkanntes Problem. Es handelt sich nicht um eine Erscheinung am Rande der Gesellschaft. Betroffen sind Frauen aus allen Schichten.

Vor sieben Jahren hat Ralf D.* seiner Frau zum ersten Mal die Rippen gebrochen. Danach schien er darüber selbst erschüttert zu sein. Er ist schließlich ein gebildeter Mensch. Ralf D. begab sich in Therapie, entschlossen mit dem Trinken aufzuhören und somit auch mit der Gewalt. Zeitnah wurde seine Frau schwanger. Das Kind bereicherte das Familienleben, gleichwohl brachte es auch viel Stress mit sich. Der Familienvater verliert dadurch immer wieder die Nerven und schlägt so heftig zu, dass Nachbarn die Polizei rufen. Danach kehrt Ruhe ein. Aber nur kurz. Dann geht es von vorne los.

Solche hoffnungslos wirkenden Fälle sind keine Ausnahmen. In den häuslichen Wänden schlagen Ehemänner und Partner richtig zu. Bis sich die Frau traut, nach Hilfe zu suchen.

Die letzten Jahrzehnte brachten beachtliche Errungenschaften im Kampf gegen häusliche Gewalt. Die heute breite Landschaft von Programmen, Projekten und Hilfsangeboten der vor über 30 Jahren injizierten Frauenhäuser. Dort fanden Frauen und finden bis heute Zuflucht, Hilfe und Rat. Auskunft über diese Einrichtungen in Deutschland geben unzählige Internetseiten.

Den gesellschaftlichen Aktivitäten auf diesem Felde von unzähligen Vereinen und Kirchen folgten zögernd viel später die Politiker und verabschiedeten das Gewaltschutzgesetz, das am 1. Januar 2002 in Kraft getreten ist. Das Gewaltschutzgesetz stärkt die Rechte der Opfer. Demnach wird u. a. ein schnelles Verfahren ermöglicht, um den Täter der Wohnung zu verweisen. Der Schläger muss gehen, das Opfer darf bleiben.

Zusätzliche Möglichkeit sich zu schützen bietet den Opfern das Gesetz gegen Stalking (Verfolgung und schwere Belästigung) vom 31. März 2007.

Mit den Gesetzen und unterschiedlichen Maßnahmen wurde das Problem der Gewalt an Frauen nicht gelöst. Häusliche Gewalt nimmt sogar zu, wie viele Sachkundige warnen. Keineswegs handelt es sich dabei um eine Erscheinung am Rande der Gesellschaft. Weder Status noch Bildung schützen Frauen vor Gewalt.

Das Ausmaß des Problems ist schwer zu beschreiben. Auch dort, wo die Polizei schon eingreift, werden die Daten nicht gezielt erfasst. Die polizeiliche Kriminalstatistik macht zur Gewalt an Frauen keine gesonderten Angaben. Das wird erst mit der bundesweiten Einführung eines aus sechs Zahlen bestehenden Deliktschlüssels ab 1. Januar 2008 möglich sein.

Daher musste man sich bisher auf das Gespür und die Erfahrung von Helfern und Betroffenen verlassen. Und zwischen den Zeilen von existierenden Statistiken lesen. So z. B. verzeichnet die Polizeiliche Kriminalstatistik 2006 insgesamt einen Zuwachs von Gewalttaten; darunter fällt auch die häusliche Gewalt.

In der ersten Studie über Lebenssituationen von Frauen in Deutschland aus dem Jahre 2004 wurden die Frauen selbst methodisch nach ihren Erfahrungen mit Gewalt befragt. Die erhaltenen Resultate sind erschüttend: Jede vierte Frau erlitt körperliche oder sexuelle Gewalt durch aktuelle oder frühere Partner.

Migrantinnen sind laut dieser Studie in noch höherem Grade der Gewalt ausgesetzt. Gleichzeitig sind sie rechtlich weniger abgesichert. Das Recht wendet sich sogar gegen sie. Wenn sie keinen selbständigen Aufenthaltstitel besitzen, droht ihnen die Abschiebung, nachdem sie sich von dem gewalttätigen Ehemann trennen. Zwar bietet der Härtefall-Paragraph einen Ausweg. Es besteht jedoch weder ein Anspruch auf eine Entscheidung der Härtefall-Kommission, noch irgendein Rechtsmittel gegen deren Urteil. Ein Härtefallverfahren hat keine aufschiebende Wirkung. Was bedeutet, dass das Opfer während des laufenden Verfahrens abgeschoben werden kann. Daher setzen sich Hilfsorganisationen wie z. B. Terre des Femmes mit verschiedenen Aktionen für die Sensibilisierung beim Thema Gewalt gegen Migrantinnen.

In der Politik kommt diese Sensibilisierung nur schleppend an. In den Institutionen, die mit den betroffenen Frauen zu tun haben, fehlt oft nicht nur das Einfühlungsvermögen. Es fehlt auch nicht selten das spezifische Wissen. Beunruhigen wirkt in diesem Kontext eine Bemerkung von einer jungen Polizistin aus der „ersten Frontlinie“. Viele ihrer Kollegen würden bei den Einsätzen immer noch nach dem Motto: „Pack verschlägt sich, packt verträgt sich“ handeln.

So schüttet im Internet ein Polizist, als Wiesbadener79 getarnt, sein Herz aus. Er sei „nach vielen, vielen Einsätzen in dieser Richtung“ zu folgendem Fazit gekommen: „Ein Großteil der Frauen, welche von ihren Männern geschlagen werden, dieses selbst zu verschulden haben. Wenn man sich mal anschaut, wann Männer meistens zuschlagen, so ist es immer dann, wenn sie von den Frauen das Gefühl bekommen, nicht mehr geliebt zu werden“.

*Der Name wurde geändert."

Sonntag, 3. November 2019

Hilfe, die Demokratie wird geschrumpft!

Obwohl ich den Titel problematisch finde, stimme ich dem Autor in vielen Punkten zu. Es geht um den Beitrag von Klaus Dörre „Demokratie statt Kapitalismus oder: Enteignet Zuckeberg!“ Erstens: Eine Enteignung ist – glaube ich – nicht der richtige Weg; zu sehr erinnert diese Prozedere an den gescheiterten Kommunismus und enthält zudem ein enormes Gewaltpotenzial. Zweitens: Wenn man schon zur Enteignung aufruft, wieso sollte man nach Amerika schielen, statt mit eigenen deutschen Milliardären anzufangen?


„ Wo der Markt und seine Effizienzkriterien herrschen, 
hat demokratische Politik zu schweigen.“ Eigenes Foto

Kuchen für alle?


Wir haben keine Krise der Demokratie, schreibt Klaus Dörre und stellt dennoch eine vernichtende Diagnose:

„Vielmehr wird die demokratische Herrschaftsform auf dem Altar eines expansionistischen Kapitalismus geopfert, der zwecks Bestandssicherung zunehmend auf autoritäre Praktiken angewiesen ist.“*)

Das ist eine treffende Beschreibung der Gegenwart: „autoritär“ versus „demokratisch“, wobei das Demokratische zu verlieren scheint. Wieso? Wir dürfen doch frei wählen und schmücken unser System – die Marktwirtschaft - mit dem Adjektiv „sozial“. 

Das Soziale bleibt allerdings nur auf dem Papier. Die vorausgesetzte These, dass bei der stets wachsenden Wirtschaft alle „einen größeren Teil vom Kuchen“ bekommen, erweist sich schlicht als falsch: „Die Ungleichheit hat ein solches Ausmaß erreicht, dass sie selbst zur Wachstumsbremse geworden ist.“

Das Schweigen der Demokratie


Kann die Demokratie mit dem Kapitalismus überhaupt kompatibel sein? In dem Moment, in dem das Soziale zerstört wird, nicht mehr:

„ Wo der Markt und seine Effizienzkriterien herrschen, hat demokratische Politik zu schweigen.“

Die Entdemokratisierung vollzieht sich also über die Eliminierung der Sozialität. Das geschieht vor unseren Augen. Und Hilfe ist nicht in Sicht:

„Während sich die vertikalen, überwiegend klassenspezifischen Ungleichheiten verstärken, sind die Organisationen, die auf der Konfliktachse von Kapital und Arbeit agieren, während der gesamten Nachkriegsgeschichte nie so schwach gewesen wie in der Gegenwart.“

Gibt es Hoffnung?


Eine kurze Antwort lautet: Ja! Die Lösung steckt bereits im Problem, denn die fortschreitende Entdemokratisierung zurückschlägt, indem sie einen Legitimationsverlust marktradikaler neoliberaler Politik bewirkt. Man könnte sagen, dass der Neoliberalismus endlich aus der Mode kommt. Es gibt nämlich keine Demokratie ohne Volk. Vor den Rettern der Demokratie stehen jetzt riesige sozial-ökologische Aufgaben.

„Der Weg zu mehr ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit führt über den Kampf gegen Luxuskomsum, Vermögenskonzentration und Einkommensungleichheit (…) Anstelle ökologisch begründeter Austärität benötigt dieser Weg eine Politik der substanziellen Gleichheit und Gleichwertigkeit aller Menschen.“


*) Alle Zitate stammen aus: Klaus Dörre „Demokratie statt Kapitalismus oder: Enteignet Zuckeberg!“ (in:) „Was stimmt nicht mit der Demokratie?“

Donnerstag, 17. Oktober 2019

Mein alter Feind: der Gehorsam

Von einem Mitarbeiter erwarten Unternehmer meist die Teamfähigkeit, also dass er/sie im und mit einem Team arbeiten kann und will. Eine schöne Sache. Theoretisch.

                                                                                                 Sich unterordnen.

Wes Brot


In der Praxis verkommt die erwünschte Teamfähigkeit zur Bereitschaft, sich unterzuordnen und die Klappe zu halten, nach dem opportunistischen Motto „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing“. Es geht im Grunde um Verzicht auf selbständiges Denken, geschweige denn das autarke Handeln.

Wir sprechen hier eigentlich über unseren alten Feind - meinen Feind auf jeden Fall -, den Gehorsam. Seine zerstörerische Kraft vergiftet gleichermaßen den Gehorsamen und seinen Umfeld. Ich spreche bewusst in diesem Zusammenhang über Gift, weil der Gehorsam das vernichtet, was einen Menschen ausmacht. Der Gehorsam verwandelt uns in die hirnlosen Zombies – nicht benutzte graue Zellen sterben doch ab. Das ist nachgewiesen. Ich schwör!

Stasi-Realoded-Gesetz?


Der/die Untergebene darf nicht er/sie selbst sein. Ich übertreibe maßlos? Wirklich? Warum also wird es allen Ernstes vor zu viel Ehrlichkeit in der Öffentlichkeit gewarnt? Die Mitarbeiter sollen sich sehr gut überlegen, wie sie in den Social Media auftreten und welche Meinungen sie dort äußern; am besten keine privaten und wenn schon, dann lieber unter einem Pseudonym. Noch nie waren Decknamen so populär wie heutzutage. Sonst kann der Arbeitgeber all das gegen seine Mitarbeiter verwenden. Stillschweigen akzeptieren sämtliche Akteure dieses Trauerspiels die fürchterlichen ungeschriebenen Regeln. Wieso?!

Ich frage euch, auf welcher Grundlage das Recht des Arbeitgebers auf das Ausspionieren der Mitarbeiter beruht. Das Stasi-Realoded-Gesetz? Was geht einen Arbeitgeber an, wie ein Mitarbeiter seine Freizeit verbringt? Die Epoche der Leibeigenen sollte doch längst vorbei sein. Theoretisch.

Es lebe der Ungehorsam!


So praktizierte verunstaltete Teamfähigkeit dient nur einem Zweck: die existierenden Strukturen und Machtverhältnisse zu erhalten.  Jene gehorsame Teamfähigkeit gefährdet demnach die Demokratie, weil sie feudale Weltordnung zementiert. Sie ist ein Feind des Denkens und der Freiheit. Sie will unseren Willen und unsere Intelligenz fesseln und aus uns auf Knopfdruck funktionierende Automaten schaffen.

Die kommunistischen Diktaturen kennen diese alte Bekannte gut: der gemeinsame Trott wurde zur höchsten Tugend erkoren. Wladimir Majakowski, der tragische Held der Oktoberrevolution, fasste in einem Gedicht diese Idee zusammen: "Der Einzelne ist Unsinn, der Einzelne ist Null".

Die Zukunft kann aber nur in Gegenrichtung führen: zurück zum Individuum. Wir sind unterschiedlich und das ist auch gut so. Es lebe der Ungehorsam!

Demnächst erwarte ich also folgende Jobanzeigen: Ungehorsam erwünscht.

Samstag, 6. Juli 2019

Rassismus ohne Rasse

Der Begriff Rassismus kommt von Rasse, die der Nationalsozialismus zum wichtigsten Merkmal eines Menschen erhoben hat und die heute in jeder Hinsicht überholt ist. Im Duden gibt es dazu einen "Besonderen Hinweis":

"In der Biologie wird der Begriff der Rasse nicht mehr auf Menschen angewendet. Wenn auf entsprechende Unterschiede Bezug genommen werden muss, sollten deshalb Ausweichformen wie Menschen anderer Hautfarbe gewählt werden."

Halten wir also fest: die Rasse ist hin, dem Rassismus geht es aber gut. Der wächst und gedeiht.


                                                                 Oben oder unten? Eigenes Foto

Ein bequemes Feindbild


Zu meinem heutigen Post hat mich ein gestern gelesener Tweet animiert: 


Hanning Voigts, Journalist der “Frankfurter Rundschau”, hat Recht: „Rassismus und autoritäres Denken“ gehören keineswegs zu den Randphänomenen. Reden wir also darüber. Rassisten sind immer die anderen, nicht wahr? Natürlich ist es bequemer und politisch ergiebiger ein eindeutiges Feindbild zu kreieren, um damit von eigenen Untaten abzulenken. Wir sind die Guten, die anderen sind die Bösen. Viele fallen auf das Spiel rein. Weil sie es nicht durchschauen können oder wollen.

Zum Beispiel die Blauäugigen


Was bedeutet aber Rassismus ohne Rasse? Er kommt auch ohne sie aus, weil er auf der Ungleichheit basiert. Und davon haben wir Unmengen um uns herum. Rassismus nimmt sie nicht nur einfach hin, sondern bastelt sich daraus seine Berechtigung zur Überlegenheit. Natürlich sieht sich der Rassist selbst oben und die anderen unten. Den Unterlegenen werden Rechte abgesprochen, im Extremfall auch das Recht zum Leben.

Jede/jeder, der in der anderen Person keinen gleichwertigen Menschen sieht, ist also ein Rassist/eine Rassistin. Moment mal, stimmt das? Ja, meiner Meinung nach. Was wäre die Alternative? Dass wir jedes Mal eine andere Kategorie als unterlegen (Freiwild) erklären? Zum Beispiel die Blauäugigen?

 Ich spreche hier nicht über die Grenzen, die jede Gesellschaft zieht und ziehen muss. Mir geht es darum, dass der Mensch das Maß aller Dinge sein muss. Es gibt kein unwertes Leben.

Vor diesem Hintergrund sollen wir zum Beispiel das ganze System Hartz IV diskutieren. Oder die Gleichberechtigung. Oder Diskriminierung jeder Art.

Über das autoritäre Denken müssen wir auch noch reden. Ein andermal.


Dienstag, 2. Juli 2019

Wissen oder glauben?

Ich greife aus einer Buchrezension nur einen Satz auf: „Diese Wissensillusion mache anfällig für Scharlatane aller Art, warnen die Autoren, und lasse uns oft schlechtere Entscheidungen treffen als nötig, etwa wenn wir meinen, wir kennten uns besser aus als der Arzt, nur weil wir ein bisschen herumgeklickt haben.“


                                                                          Glauben? Eigenes Foto

Arzt oder Gott?


Es geht mir nicht um das dort besprochene Werk. Die Aussage steht für sich allein, unabhängig von Ziel und Zweck des Textrestes. Vollständigkeitshalber will ich euch die Autorin und den Titel des Artikels (fast länger als die ganze Rezension) nicht vorenthalten: Manuela Lenzen, „Und wenn man den Ball doch um die Ecke werfen könnte?“ (FAZ, 26.06.19)

Zurück zu unserem Satz. Lakonisch lässt sich der Inhalt so darstellen: Wer dem Arzt nicht glaubt, ist (milde gesagt) nicht klug. Der Arzt hier ist nicht irgendeiner beliebiger Mediziner, sondern ein Symbol für Wissen und Können. Sozusagen: der Gott auf Erden. Was er sagt, ist immer richtig. Boah! Nicht mal der Papst gilt als unfehlbar. 

Schraube locker?


Es ist ein komisches Merkmal der Gegenwart (aber nicht ausschließlich), die Religion abzulehnen und durch die weltlichen Substitute zu ersetzen. In unserem Fall: Gott hat ausgedient, der Arzt hat das Sagen. Dadurch verliert der Mensch das Spirituelle und wird zur Maschine. Geht etwas kaputt, dreht man eine Schraube zu oder wirft man eine Pille ein und alles ist paletti. 

Wir sind aber zum Glück oder zum Unglück keine Maschinen. Wer den Menschen zu den chemischen Vorgängen reduziert und damit alles erklären zu können glaubt, der unterscheidet sich kaum von einem Schamanen, der das Gegenteil behauptet und überall die Wirkung der Geister erkennt. 

Wir sind viel komplizierter, als wir akzeptieren wollen. Unsere Psyche spielt viel größere Rolle, als den Maschinengläubigen lieber ist. Sie ist für viele Krankheiten verantwortlich, bei denen man nach körperlichen Ursachen vergeblich sucht. Unsere Psyche gibt uns oder nimmt die Kraft, die wir brauchen, um zu existieren und mit dem Leben zurechtzukommen. 

Einmal zum Schamanen?


Glauben kann man oder auch nicht an Gott, sonst aber ist ein gesundes Misstrauen notwendig. Der Weg aus einer oft gefährlichen Abhängigkeit ist die Emanzipation: Emanzipation von den Eltern, von den Lehrern, von Kollegen und Kolleginnen, von Vorbildern aller Art und von den Führern jeder Sorte. Es ist ein Weg zur Freiheit, zur Selbständigkeit und zur Verantwortung. 

Und was ist mit unserem Symbol-Arzt? Er kocht auch nur mit Wasser und steht vor einigen Herausforderungen ratlos da. Ein Symbol-Schamane – also einer, der andere Methoden als die Schulmedizin anwendet - kann sich dann sehr hilfreich erweisen.

Montag, 1. Juli 2019

Alles anders, aber auf die gleiche Weise

Was man einem Gegner vorwirft, soll man selbst nicht tun. Sonst ist solch ein Vorwurf unsinnig oder dreist. Je nachdem.


                                                       "Aufräumen nach Jacek Kurski". Eigenes Foto

Ein Mitglied dem anderem nicht gleich


Es ist über die Grenzen des Nachbarlandes hinaus bekannt, dass sich die polnische regierende PiS (Recht und Gerechtigkeit) und die oppositionelle PO  (Bürgerplattform)  von Donald Tusk (dem sehr parteiischen Präsidenten des Europäischen Rates) nicht lieben. Die PO klagt laut über den politischen Gegenspieler und nutzt dafür ungeniert auch ihr bekanntes Mitglied. Einer der wichtigsten Kritikpunkte betrifft die öffentlichen Medien, sie seien das Sprachrohr der Regierung, lautet die Behauptung.

Option Null


„Gazeta Wyborcza“ - das Hauptorgan der Opposition – berichtet auf der ersten Seite ihrer Printausgabe vom 27.06.19, wie die PO nach der erhofften Machtübernahme die öffentlich-rechtlichen Sender umgestalten will. Der Artikel trägt einen unmissverständlich Titel „Aufräumen nach Jacek Kurski“. Jacek Kurski führt seit 2016 das öffentlich-rechtliche Fernsehen. Übrigens, jene Medien nennt die PO wenig schmeichelhaft "szczujnia", was man nur annährend als Aufhetzerei übersetzen kann.

Das „Aufräumen“ hört sich nach einer radikalen Maßnahme. Tatsächlich plant die PO einen gnadenlosen Schlag und lässt keine Zweifel aufkommen, wie er aussehen wird:

„Man kann nichts reformieren, was derart deformiert wurde. Es bleibt als einzige Option von Null zu beginnen („opcja zero“).

Geld stinkt nicht


Die PO plant außerdem die Abschaffung der Rundfunkgebühren, „weil sie unwirksam sind.“ Stattdessen schlägt sie „ eine Dotierung aus dem Budget“ vor. Diese Formulierung klingt zwar nach wenig, es soll sich dennoch um die finanzielle Hauptquelle handeln: „über 1 Mrd., aber weniger als 2 Mrd. Zloty jährlich“.

Die Idee ist nicht neu. Sie stammt von der … PiS-Partei. Eine überraschende Übereinstimmung, wenn man bedenkt, wie unversöhnlich die politischen Positionen sind.

Insgesamt sehen die Pläne von der PO ziemlich altbacken aus. Halten wir fest: Es werden die einen durch die anderen eins zu eins ersetzt. Genau das wirft man dem politischen Gegner vor, dass er die Sender mit „eigenen“ Leuten besetzt hat. Worum geht es also? Nur um die Macht?

Donnerstag, 30. Mai 2019

Wenn AKK und Rezo nicht miteinander können

Trotz des obigen Titels will ich mich hier nicht über die durch Rezo ausgelösten Äußerungen von Annegret Kramp-Karrenbauer empören. Obwohl ich jene Aussagen keineswegs akzeptiere. Ich ärgere mich gleichwohl über ihre scheinheiligen Kritiker. Woran ich mich bei ihnen konkret störe, sind eben die … Regeln; nicht jedoch diesmal die von AKK verlangten, sondern die mehr oder weniger ungeschriebenen, die man in den gegenwärtig das analoge und digitale Leben beherrschenden Gruppen oder Lagern aufstellt und hysterisch exequiert. Viele von den heute so lauten Kämpfern für die Meinungsfreiheit wollen im Grunde keine Freiheit für die Andersdenkenden. Innerhalb einer Gruppe oder eines Lagers gilt das Prinzip: Wer nicht mit uns ist, ist gegen uns.



                                                                         Fotos von AKK und Rezo:  Screenshot

Maulkorb? Nein, danke!


Vielleicht liegt es an meiner Herkunft, vielleicht aber auch nicht. Wir aus dem Osteuropa scheinen uns auch nach Jahren immer noch ähnlich zu sein. Die Abstammung ist in diesem Fall zweitrangig, weil die gleiche Erfahrung der totalitären Übermacht die existenten Unterschiede überlagert. Wir, die Unterdrückten, gehörten dem gleichen Block an und trugen – natürlich nicht freiwillig – einen Maulkorb.

Wer uns jetzt in der freiheitlichen Demokratie einen Maulkorb verpasst, weckt schlechte Erinnerungen und Widerstand. Wieso sollen wir uns nicht frei äußern dürfen? Was AKK jetzt laut ausspricht, gilt doch längst um uns herum: sowohl offline wie online. Deswegen fallen die Reaktionen dermaßen heftig aus: Viele haben sich wie im Spiegelbild selbst erkannt. Wir diskutieren schon lange nicht mehr miteinander; stattdessen bekämpfen wir uns erbittert. 

Eine Debatte setzt per definitionem unterschiedliche Meinungen voraus. Wollen wir wirklich gesellschaftliche und politische Diskussionen im Keim ersticken und durch Beifall der Claqueure ersetzen? Sind wir nicht imstande, eine von unserer eigenen abweichende Meinung zu ertragen?

Hand in Hand in die Sackgasse


Die weihevollen Dogmen der Politiker, aber auch die politische Korrektheit führten uns seit Jahren in die Sackgasse, in der wir jetzt aufgewacht sind. 

Natürlich muss auch Freiheit ihre Grenzen haben. Jede Gesellschaft soll sie sichtlich markieren. Für Faschismus und Islamismus als antimenschliche Ideologien gibt es keinen Platz. Auf keinen Fall darf man jedoch diese Begriffe missbrauchen, um jeden „Verdächtigen“ leicht einzuordnen. Das verursacht Bagatellisierung der wirklichen Gefahren. Nicht alles passt in einen Topf. Die Welt hat mehr Farben als Schwarz und Weiß.


Führer und Verführer, Erleuchtete und Gurus nutzen unsere Schwächen und unsere Sehnsucht, uns endlich fallen lassen zu können. Wir geben an sie - vielleicht nur aus Bequemlichkeit, vielleicht aus Angst vor Herausforderungen - unsere Verantwortung ab; auch unsere Fähigkeit selbständig zu denken und zu urteilen. Wer sich dem Gruppenzwang stets beugt, der muss seine unterdrückte Aggression anders ausleben – er attackiert also die „Feinde“ der Gruppe. Ohne sie nach ihrer freien Meinung zu fragen.

Montag, 29. April 2019

Wohin mit dem Wachstum oder Sklaven der Wirtschaft

Ich habe Angst vor Fanatikern. Schon immer gehabt. Man kann mit diesen Besessenen nicht diskutieren. Sie hören nicht auf Argumente. Sie sind nicht bereit eine andere Sichtweise in Betracht zu ziehen. Die Wachstumseiferer zähle ich zu dieser Kategorie.


                                             Wir müssen unsere Realität gründlich verändern. Eigenes Foto

So nicht!


Immer mehr und mehr zu produzieren und dadurch unsere Welt zu vermüllen und zu zerstören kann doch nicht der Weg in die Zukunft sein. Wer alles der Wirtschaft unterordnen will, weil sie im Alleingang unseren Wohlstand herstelle, der muss sich die Frage gefallen lassen: Was oder wer ist eigentlich diese Wirtschaft? Sind das die Bosse, die fette Boni kassieren, völlig unabhängig von der eigenen Leistung, oder vielleicht doch die Arbeitnehmer, die man wie Zitronen ausquetscht und zunehmend versklavt?

Meine Antwort ahnt ihr bestimmt schon: Die Wirtschaft sind wir und nicht die ein paar Deppen, die unsere Arbeitskraft ausnutzen und uns zu einer sinnlosen Wegwerfgesellschaft degradieren. So zum Beispiel schmeißt jährlich jede und jeder hierzulande 85 kg Lebensmittel weg.     

Das Zukunftsmotto darf keineswegs „Mehr und mehr“ lauten. Sondern? Ihr glaubt doch nicht ernsthaft, dass ich Euch hier auf der Stelle den Weg zeige, oder?

Gehorsam versus Kreativität


Eins weiß ich dennoch: Für die Zukunft und für unsere Visionen brauchen wir keinen Gehorsam. Ich halte den Zwang zum Gehorsam – ausgeübt in den Betrieben, in den Jobcentern usw. - für eine Anwendung von psychischer Gewalt und somit strafbar. Daher ist für mich beispielsweise das ganze System Hartz IV verfassungswidrig. Denn das wunderbare deutsche Grundgesetz gewährt jeder und jedem von uns das Recht auf die   FREIE   ENTFALTUNG   unserer Persönlichkeit.

Zur Erinnerung Artikel 2 Absatz 1 des Grundgesetzes:

„Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.“

Zurzeit sichert sich derartige  Entfaltung in Deutschland nur ein Teil der Gesellschaft - die herrschende Klasse -, in dem sie vor allem die Bildung geldbörsenabhängig macht. Sie verteidigt ihre Rechte auf eine feudale Art und zwingt zum Beispiel Kinder aus den Hartz-IV-Familien  schnell Arbeit aufzunehmen, egal, wie talentiert sie sind, egal, welche Fähigkeiten sie besitzen.

Das ist schädlich nicht nur für die Betroffenen, sondern für uns alle. Was wir für die Zukunft brauchen, ist die Kreativität im Dienste des Menschen.  Dieses zarte Pflänzchen zu hegen und zu pflegen ist allgesellschaftliche Aufgabe. Dafür müssen wir unsere Realität gründlich verändern, statt im Modus „weiter so“ und „mehr und mehr“ leer zu laufen.

Donnerstag, 18. April 2019

Ich will endlich Frieden!

Jemand, der gedanklich einen Krieg zulässt, ist für mich schon ein Kriegstreiber. Da kenne ich kein Pardon. Dies darf nicht wundern. Ich stamme aus einer Nation, die sich noch bis heute vom II. Weltkrieg nicht wirklich erholt hat. In vielerlei Hinsicht. Am liebsten hätte ich darum sämtlichen Landsleuten eine Therapie verschreiben lassen.


                                                                  Ruhig leben. Eigenes Foto

Für die zufriedenen Schreibtischtäter?


Ihr könnt Euch also vorstellen, was ich mir denke, wenn die einen oder anderen Herrschaften locker vom Hocker über verschiedene Möglichkeiten kriegerischer Auseinandersetzungen parlieren. Einfach so! Als ob es um Computerspiele ginge!

Zuerst kommt der Gedanke, dann die Tat. Diese Politiker und Lobbyisten handeln doch nicht im Affekt wie ein Triebtäter. Sie nehmen kaltblütig den Tod von unzähligen Menschen in Kauf! Ohne Gewissensbisse.

Die militärischen Gedanken werden mehr und mehr. Soll der Fortschritt so aussehen? Sollen wir uns einfach abmetzeln?  Mit stets neueren, effizienteren, schrecklicheren  Waffen? Wieso? Damit die Schreibtischtäter – die wahren Schuldigen - endlich zufrieden werden?

Frieden statt Krieg exportieren


Auch dieses Jahr gibt es Ostermärsche, auch dieses Jahr protestieren Pazifisten aller Couleur unter verschiedenen Mottos wie "Nein zum Krieg - Verbot aller Atomwaffen - Entspannung jetzt!",  "Abrüsten statt Aufrüsten! Nein zum Krieg!“, "Verantwortung heißt: Abrüstung, Atomwaffenverbot, Entspannung“, "Für Frieden und Abrüstung! Nie wieder Krieg! Nie wieder Faschismus!",  "Frieden statt Krieg exportieren!"… Sie setzen sich seit über einem Jahrhundert für den Frieden ein.

Alle obigen und ähnlichen Parolen sind gut und richtig; sie reichen jedoch nicht aus. Das können wir mit bloßen Augen sehen. Diejenigen, die sich für den Frieden auf den Weg machen, besitzen leider keine Macht. Die Kriegsexporteure dagegen schon. Wir müssen sie also zwingen, immer und überall auf die Diplomatie als Lösung der Konflikte zu setzen.

Gewalt erzeugt Gewalt


Vor 20 Jahren fielen wieder Bomben vom Himmel in Europa: Es waren die NATO-Kampfflugzeuge, die sie auf Ziele in Serbien und Kosovo abwarfen. Ohne UN-Mandat. Völkerrechtswidrig.

Natürlich ist es einfacher, im Nachhinein zu urteilen als im Auge des Orkans zu handeln. Zum damaligen Zeitpunkt musste aber auch ersichtlich gewesen sein, dass die diplomatischen Instrumente keineswegs ausgeschöpft wurden. Dennoch griff man lieber in die Mottenkiste der barbarischen vergifteten Werkzeuge. Daher stimme ich mit jenen Friedensforschern überein, die kritisieren (die nachfolgenden Zeilen sind ab 18‘ zu hören:), „dass die massenhafte Vertreibung von Kosovo-Albanern aus Kosovo und die Übergriffe und Morde durch serbische Truppen ERST  NACH  DEM  BEGINN  DER  NATO-BOMBENANGRIFFE  (meine Betonung, GG) drastisch angestiegen seien. Die NATO-Bomben hätten nicht eine humanitäre Katastrophe verhindert, sondern diese sogar potenziert.“

Gewalt erzeugt Gewalt. Sie darf keine politische Lösung darstellen und unsere Zukunft bestimmen.

Die Schreibtischtäter behaupten, dass unsere wunderschöne und einzige Welt lauter böse Feinde bevölkern. Meiner Meinung nach ist das Gegenteil der Fall: Die meisten Menschen wollen ruhig, glücklich und im Frieden leben.

Mittwoch, 20. Februar 2019

Das kotzt mich an, liebe Nazinostalgiker!

Da sagt einer, und die anderen wiederholen es genüsslich, wider besseres Wissen, dass die Polen Antisemitismus mit Muttermilch aufsaugen. Das Gegenteil ist der Fall.


Eine Tafel in Wrocław: "In Gedenken an die Helden 
des Warschauer Ghettos, die Kämpfer für unsere und eure Freiheit."

Gleichzeitig mit dem Laufen lernen


Die schönsten Gedichte für Kinder, die die ganzen Generationen von Polen geprägt haben und weiter prägen, darunter solche, die man gleichzeitig mit dem Laufen lernt, jene Gedichte haben polnische Juden verfasst: Julian Tuwim und Jan Brzechwa. Es sind humorvolle Texte von betörender Leichtigkeit und Warmherzigkeit. 

Janusz Korczak, eigentlich Henryk Goldszmit, steuerte bei fabelhafte und mit ergreifender Wehmut umwobene Kinderbücher, die unter anderem die Idee des Kinderparlaments vorstellten. 

Diese Werke werden stets aufs Neue herausgegeben. Sie sind– Achtung! Jetzt wird’s pathetisch! - nicht nur ein fester Bestandteil des polnischen Schrifttums, sondern auch der polnischen Identität. 

Ratet mal!


Ratet mal bitte, wo die meisten Juden vor dem zweiten Weltkrieg in Europa lebten? Nicht in Frankreich, England, Italien oder Schweiz Und auch nicht in Deutschland. Sie lebten in Polen und zwar seit Jahrhunderten. Aus diesem Grund errichteten die Nazis eben auf dem polnischen Gebiet ihre meisten Konzentrationslager.  

In 1939 stellten Juden in Polen (3,5 Mio.) zehn Prozent der Bevölkerung, in Warschau - 31%, in Lemberg - 32% und in Białystok - 43%. In Tarnów lebten so viele Juden wie in der ganzen Schweiz. In Łódź – so viele wie in ganz Frankreich. In kleinen Städten bildeten sie oft sogar die Mehrheit.

Diese Zahlen widersprechen den gegenwärtigen offenen und verdeckten Nazinostalgikern. Man soll diese Zahlen stets im Hinterkopf behalten, wenn man über die durchaus komplizierten wie interessanten polnisch-jüdische Verhältnisse redet.

Zweimal die Woche


Als die Faschisten Polen überfielen, kämpften 150 Tausend Juden in der polnischen Armee gegen die Angreifer. Die Okkupanten wollten die polnische Bevölkerung ausrotten. Sie zerstörten zuerst die Zivilgesellschaft und vernichteten die polnische Intelligenz. In der Sonderaktion Krakau wurden im November 1939 183 Professoren der dortigen Hochschulen verhaftet und in die Konzentrationslager deportiert. In Lemberg (gehörte vor dem Krieg zu Polen) ermordete man die Wissenschaftler bereits vor Ort. Es sind lediglich zwei Beispiele von unzähligen.

Alle Gymnasien und Universitäten wurden geschlossen; zu Beginn auch die Grundschulen. Schulbücher wurden eingesammelt und vernichtet. 

Im Reichsgau Wartheland gab es für polnische Kinder ein staatliches Minimalschulwesen; der Unterricht fand an zwei Tagen in der Woche statt.

Nur noch im Untergrund existierte ein von Polen erschaffene System der geheimen Schulen. Entdeckt zu werden bedeutete für die Lehrer und Lernenden mit dem Leben zu bezahlen. 

Sklaven als Mittäter? Ihr habt sie wohl nicht alle!


Vor diesem Hintergrund kann ich wirklich nicht verstehen, dass die einigen lieben deutschen Politiker und Journalisten über die Mittäterschaft faseln. Seit wann können denn die Sklaven – wie Polen während der Okkupation - über irgendetwas entscheiden?
Liebe Nazinostalgiker, euch reicht es nicht, die Opfer zu erniedrigen, ihr müsst sie noch verhöhnen. Das kotzt mich an!

Mittwoch, 16. Januar 2019

Wer will eigentlich die Gleichberechtigung?

Was bedeutet Frau zu sein hier und jetzt? Theoretisch sind wir gleichberechtigt. Dies gewährt uns das wunderbare deutsche Grundgesetz. Praktisch? Noch lange nicht.


                                                               Nicht ohne Frau! Eigenes Foto

Kein Niedermachen


Vorneweg will ich etwas klarstellen. Ich schere mich einen feuchten Kehricht um die Machtverhältnisse in privaten Beziehungen (solange sie einvernehmlich sind): Wer oben und wer unten ist, wer die Hose anhat und wer unter dem Pantoffel steht. Außerdem ist mir das Niedermachen der Männer, nur weil sie eben Männer sind, am fernsten. Diese Art von Feminismus finde ich dämlich. Ich träume nicht davon, eine Alleinherrschaft durch die andere ersetzt zu erleben. Mein Traum heißt Gerechtigkeit. Und die gibt es nicht ohne Gleichberechtigung. Ich leugne dabei nicht, dass wir uns unterscheiden. Es geht mir aber weniger um das Gender, vielmehr um die Spezies Mensch.

Ähnlich wie Katharina die Große


Müssen wir überhaupt noch über die Gleichberechtigung reden? In einem Land, das von einer Frau seit 13 Jahren regiert wird? Oh, doch. Frauen an der Macht gab es seit eh und je, wie zum Beispiel Katharina die Große, übrigens – das Vorbild von Angela Merkel. Um das Schicksal von ihren Leidensgenossinnen im Allgemeinen kümmerten sie sich bekanntlich keineswegs. Ähnlich wie die Kanzlerin. Eine gleichberechtigte Frau war und ist von dieser Kanzlerin und auch von der CDU nicht gewollt.

Ich habe nicht vor, mir jetzt wie Claas Relotius eine Antwort von Frau Merkel auszudenken. Stattdessen rolle ich meine Spekulationen über die Gründe aus.

Überwiegend planvoll


Die konservative Vorstellung von der Familie sieht die Frau immer noch in einer untergeordneten Rolle. Sie fußt bestimmt auf der Annahme, dass der Mann zu schwach wäre für eine direkte Auseinandersetzung mit der Frau. Er muss sie sich daher mit allen Mitteln - politischen, gesellschaftlichen und ökonomischen – unterwerfen.

Die Angst vor dem weiblichen Geschlecht scheint nicht ganz unbegründet zu sein, wenn wir uns entsinnen, wie Merkel ihre männlichen Gegner, einen nach dem anderen, entsorgt hatte. Wieso gelang ihr jenes Unterfangen so gut?

Für die Antwort auf diese Frage hole ich jetzt weit heraus und ziehe zurate einen Spezialisten (nur seine Äußerungen!), der sich mit den dunklen Seiten der Frauenseele befasst: Stephan Harbort, Kriminalhauptkommissar und Sachbuchautor. Seiner Meinung nach töten Frauen ihre Opfer „überwiegend planvoll, heimtückisch“. Männer dagegen „attackieren meistens unmittelbar, häufig im Affektsturm, wenn ein Streit eskaliert.“

An der Stelle will ich unbedingt festhalten, dass Mörderinnen unter uns wirklich selten vorkommen. Dennoch nehme ich zur Kenntnis, wie unterschiedlich sich unsere Herangehensweise gestaltet. Sind wir aber tatsächlich berechnender als die Männer? Unsere Löhne zeigen es nicht: die Armut ist weiblich. Besonders im Alter.

Nicht ohne Frau


Demokratie und Unterdrückung schließen sich gegenseitig aus. Die Gleichberechtigung der Frau ist daher eine der wichtigsten politischen Aufgaben überhaupt. Für alle Parteien, die sich demokratisch nennen.