Donnerstag, 29. Januar 2015

Welchen Platz soll die Religion in unserer Gesellschaft einnehmen?

Die Diskussion über die Rolle der Religion in der Gesellschaft und ihren Platz in der staatlichen Ordnung wird zurzeit lebhaft geführt. Es handelt sich aber dabei ausschließlich um den oft als fremd und gefährlich empfundenen Islam. Die Angst gipfelt in der Entstehung einer kleinen rassistischen Bewegung Pegida, die eine große mediale und gesellschaftliche Aufmerksamkeit erweckt.



Wer hat Angst vor dem Islam?


Die kurze Antwort auf die obige Frage lautet: die Mehrheit. Eine Bertelsmann-Studie zählte im Jahr 2012 53 Prozent, zwei Jahre später schon 57 Prozent der Bevölkerung.   

Mehmet Gürcan Daimagüler, Rechtsanwalt und Autor, versuchte bei Anne Will dafür eine Erklärung zu finden: Tagtäglich werden wir mit den bedrohlichen Nachrichten bombardiert, die den Vormarsch und Gräueltaten der Islamisten übermitteln. Dazu komme noch die fehlende Differenzierung zwischen den radikalen Kräften und dem Islam. Die überwiegende Mehrheit der hier lebenden Muslime sei friedlich. Die Religion spiele in ihrem Leben eine genauso geringe Rolle wie bei den christlichen Bürgern und beschränkt sich zur festlichen Tradition. Eine reale, von diesen Muslimen ausgehende, Bedrohung existiere nicht.

Die weit verbreitete Angst kümmert sich in diesem Fall nicht um die Fakten und hat mit dem rationalen Denken nichts zu tun. Dies beweist ebenfalls die erwähnte Studie: Am meisten fürchtet man die Muslime dort, wo sie am wenigsten vertreten sind. 

Führen wir eine Ersatzdiskussion?


Wieso dämonisieren wir aber überhaupt eine Religion, die doch ausschließlich eine private Angelegenheit sein sollte? In einem Staat, wo die Trennung von Kirche seine Fundamente bildet, müsste man kaum eine Notiz von den unterschiedlichen religiösen Überzeugungen nehmen. Weil sich in seinen Strukturen kein Platz für eine mitentscheidende Religion findet. 

Für diese Lösung gibt es unzählige Gründe. Der wichtigste aber liegt daran, dass wir beim Glauben den Bereich der Logik verlassen. Ein Staat, der sich von einer Religion (egal welche) führen lässt, entzieht sich der Kontrolle des Menschen. Weil alles angeblich in Gottes Namen geschieht. 

Wir erschrecken vor den Islamisten, die eben dieses Modell eines Gottesstaates anstreben, übersehen aber zugleich, dass sich auch in Deutschland die Religion dort einmischt, wo sie nichts zu suchen hat.

Ist die Trennung von Staat und Kirche wirklich vollzogen? 


Reflexartig bejahen wir die Trennung von Staat und Kirche und verstehen jene als eine zivilisatorische Errungenschaft. Den Beweis, dass dies der Wirklichkeit entspricht, sind wir dennoch schuldig. 

Besorgt um den Einfluss des Islams übersehen wir die Macht der eigenen Kirchen. Ist die Trennung also eine Illusion? Regieren die Kirchen nach wie vor mit? 

Den christlichen Glauben schreiben die regierenden Parteien CDU und CSU in ihren Namen fest. Dieser Umstand reicht nicht als Beweis für eine Vermischung vom Glauben und der Politik. Vielmehr geht es um die weltlichen Interessen der Kirchen und ihre Stellung im Staat: oft ist das nämlich eine Stellung über dem Gesetz.

Kirchen sind gleicher


Die Gesetze müssen in einem demokratischen Staat für alle gleich gelten. Die Kirchen scheinen aber gleicher als gleich zu sein. Als Arbeitgeber beuten sie Menschen aus und ignorieren Arbeiter- und Menschenrechte. Sie lehnen die Gleichstellung von Frau und Mann (besonders die katholische Kirche) und verstoßen somit gegen das Grundgesetz. Ihre Finanzen verheimlichen sie und entziehen sich der Kontrolle des Staates. Ihr Vermögen ist dabei riesig groß. Der Kirchenkritiker Carsten Frerk schätzt sie auf 430 Milliarden Euro

Unsere Kirchen scheinen keinen Staat zu brauchen. Sie erheben sich über ihn und seine Gesetze, folgen stattdessen ihren eigenen. Sie sind der Staat im Staate.

Die Angst vor der Vermischung des Staatlichen und des Kirchlichen (oder allgemein: Religiösen - unabhängig davon, um welche Religion sich handelt) - diese Angst ist durchaus berechtigt.


Dienstag, 20. Januar 2015

Hartz IV: 10 Jahre und der Spuk ist immer noch nicht vorbei

Wir haben uns inzwischen an Hartz IV gewöhnt. Wenn es kein Unten gibt, gibt es auch kein Oben. Diese Philosophie bildet die Grundlage unserer westlichen Welt auf eine gleiche Art wie das Kasten-System in Indien. Wir haben auch unsere Kaste der Unberührbaren. In Deutschland sind das unter anderem eben die Hartz-IV-Empfänger.


                                                                 Fot. Dr. Klaus-Uwe Gerhardt  / pixelio.de


Staatlich verordnete Ausgrenzung


Willkommen im System der staatlich verordneten Ausgrenzung! Sein wichtigstes Merkmal ist seine Reproduktion: Das System ist darauf bedacht, die existierenden Grenzen zwischen den Schichten oder Kasten in der gleichen Form beizubehalten.  Ein Beweis dafür? Die angeblich so erfolgreiche (in Augen ihrer Schöpfer und neoliberaler Markt-Anbeter) Agenda 2010 löst das Problem der Langzeitarbeitslosigkeit überhaupt nicht. Im Gegenteil. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen stagniert, diese bedauernswerte Armee wird seit Jahren nicht kleiner. Der Staat scheint sich damit abzufinden. Ideen und Vorschläge der Lösungen fehlen gänzlich. Es kann sogar der Eindruck entstehen, dass dies politisch gewollt ist.

Prügelknaben und Sündenböcke 


Jemand muss doch die undankbare Rolle des Prügelknaben, des Sündenbocks spielen und für die Unfähigkeit der Regierenden, die Probleme zu lösen, geradestehen Die Langzeitarbeitslosen als schwächstes Glied der Gesellschaft eignen sich wunderbar dafür. Ohne Konsequenzen darf man sie treten, ihnen jegliche Kompetenzen und Begabungen absprechen. Wer von den Mittellosen wird aus diesem Grund vor Gericht ziehen?

Sie sollen außerdem als eine abschreckende Warnung dienen: Entweder hältst du deine Klappe und spurst widerstandslos, oder du wirst in der Langzeitarbeitslosigkeit verrotten.

Hartz IV und Designer-Arbeiter


Das Ausgrenzung- oder Kastensystem braucht ein Druckmittel, eine Peitsche, die über den Köpfen der Arbeiter schwingt. In der auf dieser Weise strukturierten Welt schneiden sich die Arbeitgeber ihre Arbeiter zurecht.  Es entsteht eine Art Designer-Arbeiter: gestutzt, zusammengestaucht, wehrlos. Die Arbeitgeber kaufen nicht nur die Arbeitskraft eines Menschen, sondern den ganzen Menschen noch dazu. Wie einen Sklaven.

Dank Hartz IV hat sich ein extrem undemokratisches und diskriminierendes Auswahlverfahren etablieren können. Ein Kandidat für einen Arbeitsplatz muss seine Hose runterlassen, eine Beichte ablegen, ein Zeugnis seines Verhaltens liefern und auch sein privates Leben – das einen Arbeitgeber eigentlich überhaupt nicht angeht – präsentieren. Und das alles trotz angeblich geltenden Datenschutzbestimmungen. Statt lediglich Qualifikationen abzufragen verlangt ein Arbeitgeber gleich einen ganzen detaillierten Lebenslauf. Mit welcher Begründung eigentlich?

Wer sind die Hartzer?


„Eine überraschend große Zahl von ihnen hat eine höhere Schulbildung genossen oder sogar studiert“, wunderte sich Die Welt Online im vergangenen Dezember. Der Anteil von Langzeitarbeitslosen mit guter Bildung ist zuletzt sogar gestiegen. Das passt nicht zum Feindbild eines faulen Arbeitslosen. Wen kümmert es aber?

Unter den Arbeitslosen gibt es auch die dringend gesuchten Fachkräfte. Sie sind dennoch nicht erwünscht. Ihre gläsernen Lebensläufe besitzen einen entscheidenden Makel: Sie liefen nicht wie am Schnürchen und zeichnen womöglich einen Menschen mit Charakter. Ach du Schreck! Solch ein unangepasstes Individuum könnte das Kastensystem anzweifeln.

Freitag, 16. Januar 2015

Was darf die Satire?

Niemals zuvor fiel die Antwort auf die obige Frage so eindeutig aus, wie in den Tagen nach dem schrecklichen Attentat auf „Charlie Hebdo“. „Die Satire darf alles“, ruft die überwiegende Mehrheit und stürmt die Verkaufsstellen der neuen Ausgabe.

Ohne Tabus


Die Satire will nicht nur lustig sein und steckt eifrig ihre Finger in die Wunden der Gesellschaft, der Politik, der Religion… Sie behält ihre kindliche Unverschämtheit, Direktheit und Neugierde. Zuspitzung wie Übertreibung gehören zu ihren wichtigsten Werkzeugen. Sie will nicht streicheln, sondern kratzen. In Tabus jeglicher Art sieht sie ihre natürlichen Feinde.

Kein Wunder, dass die Satire auf einen der größten Widerstände unter den Geistlichen stößt. Geübt im Markieren von Grenzen, die den Menschen im religiösen Gehorsam halten sollen, tun sich die angeblichen Vermittler zwischen dem Gott und der Gesellschaft mit der Satire, die ihre Heiligkeiten auslacht, meist sehr schwer. Obwohl sie nach wie vor keinen Beweis liefern konnten, dass sich der liebe Gott oder seine Propheten wirklich beleidig fühlen, wettern die Hüter der Religion gegen die vermeintliche Diffamie.

Auch der Papst Franziskus, der ziemlich gern lacht, is not amused, wenn es ans Eingemachte geht. "Man darf sich über den Glauben nicht lustig machen", erklärt er den Journalisten und ergänzt seine Antwort um ein merkwürdiges Beispiel mit der Beleidigung der Mutter, die er dann mit der Faust verteidigt hätte. Die Gewalt im Namen der Religion lehnt er aber, Gott sei Dank, ab.

Zu viel Heiligkeit schadet der Gesundheit?


Wieso soll eine Religion das Lachen fürchten? Versauert sie dann nicht in der übertriebenen Ernsthaftigkeit? Schon die tüchtigen Schreiber, die die Bibel-Abschriften in den vorgutenbergschen Zeiten ausfertigten, ließen ihren Dampf ab, indem sie an den Rändern witzige und auch anstößige Bemerkungen kritzelten.  Diese Lästerung verhalf ihnen, auf dem Boden zu bleiben und nicht vor lauter Heiligkeit abzuheben.  Vielleicht waren sie in diesen Momenten dem Gott viel näher als sonst. Dürfen wir denn überhaupt dem Allmächtigen den Sinn für Humor absprechen und uns anmaßen, ihn verteidigen zu müssen?

Macht ohne Humor


Der Anschlag auf „Charlie Hebdo“ gilt weniger der Satire im Allgemeinen, als vielmehr einer Welt, die sich von der Religion loslöst, was man aber nicht mit der Gottlosigkeit verwechseln darf. In dieser Welt wird die Religion in die Schranken gewiesen. In ihrem Namen führen wir keine Kreuzzüge mehr. Stattdessen nehmen wir sie aufs Korn: Eine gefährliche Tendenz in Augen der selbsternannten Vertreter des Gottes oder Allahs, die uns in die Knie zwingen wollen, und eine Herrschaft ohne Humor in ständiger Furcht anstreben.

Mittwoch, 14. Januar 2015

Das Leid der anderen

„Flüchtlinge! - die alte Dame schnauft und stützt sich schwer auf ihre Krücke – Alle reden über die Flüchtlinge und über ihr Leid. Wir haben auch gelitten! Aber über uns spricht keiner mehr!“ Sie sieht mir in die Augen und wartet. Ich halte ihren aufdringlichen Blick und schweige. Über das Thema Leid lässt sich schwer diskutieren. Es bleibt mir nichts anderes übrig, als ihr zuzuhören, einer fremden Person, die ich zum ersten Mal hier in der Straßenbahn sehe. Ich sinniere dabei über ihre Beweggründe. Hinter ihrem Vorwurf entdecke ich weniger das Verständnis für ähnliche Erlebnisse, vielmehr bringt sie ihre Enttäuschung zur Sprache, dass ihre Qual nicht an der Spitze des Rankings der Aufmerksamkeit steht. Ein durchaus menschlicher Wunsch, wenn man nicht vergessen kann und die schlimmen Erlebnisse - das Trauma - mit sich herumträgt.


Können wir das fremde Trauma nachempfinden?


Wie soll man die verschiedenen Traumata vergleichen? Lassen sich das eigene und das fremde Leid gegeneinander abwägen? Die Frage klingt absurd, dennoch versuchen wir alltäglich eben das zu tun. Wir schätzen das eigene und das fremde Elend ab, als wenn es sich um gewöhnliche abzählbare Dinge wie Brötchen gehandelt hätte. Durch diese Trivialisierung glauben wir einerseits, das Phänomen in den Griff zu bekommen. Anderseits demonstrieren wir dadurch die Unfähigkeit, den fremden Schmerz nachzuempfinden. Diese Aufgabe ist umso schwieriger, da die Traumatisierten meist lange schweigen und nicht selten Jahrzehnte brauchen, bis sie über das Erlebte sprechen können. Wir wissen nicht, was in ihnen vorgeht. Wir verstehen sie nicht und das macht uns Angst.

Schweigen in der Endlosschleife


Wieso schweigen die Traumatisierten, manchmal ihr ganzes Leben lang? Warum zeigen sie nicht sofort mit dem Finger auf die Täter? Weshalb ziehen sie sich zurück und erstarren in ihrem Leid, als ob sie sich in einer Endlosschleife verfangen hätten? Das Verhalten der Traumatisierten erscheint den Außenstehenden meist unverständlich, widersprüchlich, bizarr.  Dennoch behält es eigentlich die logischen Grundsätze bei. Die verrückte Spinnerei der Traumatisierten bestätigt auf eine krude Weise, dass es diese Regel gibt.

Der erlebte schockierende Vorfall lässt sich nicht in die Worte fassen, weil er mit keiner früheren Erfahrung korrespondiert. Eine traumatisierte Person wurde auf diesen Einschnitt in ihr Leben nicht vorbereitet. Er übersteigt alles - das Gesehene, Gefühlte, Gelittene -, was bis jetzt passierte. Das Trauma sprengt alle Grenzen und hinterlässt die Trümmer der bekannten Welt. 

Worte finden


Nach den adäquaten Worten zu suchen und dem Trauma dadurch ihre enorme zerstörende Kraft zu entziehen, bleibt die wichtigste und schwierigste Aufgabe für diejenigen, die die Hölle auf Erden erlebt haben. Jene Aufgabe erfordert wirklich viel Mut, weil es um eine Auseinandersetzung  mit dem vergangenen Unheil geht.  

Muss man wirklich nochmals diese Hürde nehmen? Ja, wenn sich das Trauma nicht in den eigenen Kosmos integrieren lässt und das alltägliche Leben weitgehend stört. Außerdem vererbt man sie durch eigenes Verhalten auch an die Kinder und Kindeskinder. So entstehen ganze traumatisierte Generationen. 

Daher ist die Frage „Wessen Leid wichtiger ist?“ nicht relevant, sondern wie wir als Gesellschaft mit den Traumatisierten umgehen und welche Hilfestellung wir ihnen leisten. Ein persönliches Trauma ist mitnichten einzig und allein ein persönliches Problem. Es wirkt sich auf seine Umgebung und kann weite Kreise ziehen.

Dienstag, 6. Januar 2015

Geschäfte der Kirche

Welche Aufgaben hat die Kirche? Eine plausible Antwort würde ungefähr so lauten: Die Aufgaben der Kirche konzentrieren sich auf die Vermittlung der Religion, auf das Geistliche und alles damit Verbundene.  Wer daran glaubt, wird selig.



Kirche groß im Geschäft

Während die Gläubigen den beiden christlichen Kirchen immer öfter den Rücken kehren, sind die Gottes Diener in einem anderen Bereich auf dem Erfolgskurs. Die Kirchen sind Arbeitgeber und groß im Geschäft. Ihre Firmen sind manchmal nicht leicht zu erkennen. Außerdem tricksen sie, den Ungläubigen ähnlich, und verschleiern die Verbindungen im dicken undurchsichtigen Geflecht von Tochterfirmen, um mehr Kohle zu kassieren und den Staat zu beschwindeln.

Der Staat zeigt aber erstaunlicherweise wenig Interesse an der Verfolgung der kirchlichen Ganoven, als ob er Angst hätte, sich mit dem Gott persönlich anzulegen. Die für einen außenstehenden unverständliche Toleranz wirkt sich unterdessen negativ auf die ganze Gesellschaft aus.

Zur Kasse, bitte!


Die Kirchen reißen viel Geld an sich: Kirchensteuer,  staatliche Entgelte für kirchliche Kindergärten, Erstattungen der Sozialkassen für Pflegeheime und Krankenhäuser der Caritas und Diakonie, öffentliche Zuschüsse für kirchliche Bildungsarbeit und Denkmalpflege.

Die Länder blechen aber auch Unsummen an die Kirchen aufgrund der Konkordate und  Verträge, die in der alten Geschichte eine windige Legitimation finden.

Die Kirchen sind inzwischen zu großen Konzernen angewachsen, mit dem Unterschied, dass sie sich der Kontrolle entziehen. Der Staat drückt beide Augen zu.

Der Glaube und der Markt


Wenn man über die Macht und Einfluss der Kirchen auf dem Markt diskutiert, soll man sich zwei Zahlen vor Augen halten: 59 Prozent der hiesigen Bürger gehören einer der christlichen Kirchen an; in den kirchlichen Einrichtungen arbeiten rund 1,3 Millionen Menschen.

In einem modernen Staat müsste man zwischen diesen beiden Gebieten trennen.

Da ist einerseits der Glaube, der sich per Definition einer Verifizierung entzieht. Was sich nicht verifizieren lässt, taugt nicht als Grundlage eines staatstragenden Vertrags. Zu dieser Erkenntnis gelangten nach zahlreichen Kreuzzügen und verbrannten Hexen unsere Vorfahren. Darauffolgend trennten sie den Staat von der Kirche.

Das Weltliche, das Staatliche ist also die andere Seite, für die die Kirche nicht zuständig sein darf. Die Wirtschaft fällt in den Kompetenzbereich des Staates.

In Deutschland ist man in dieser Hinsicht in der Vergangenheit stecken geblieben. Die Arbeitnehmer in den kirchlichen Einrichtungen müssen auf ihre durch das Grundgesetz garantierte Rechte verzichten! Sie dürfen weder streiken noch Betriebsräte oder Gewerkschaften gründen. Sie müssen sich den Moralvorstellungen der jeweiligen Kirche aus den vergangenen Epochen anpassen. Ihre Löhne und Arbeitsbedingungen sind nicht durch die Tarifverträge gesichert.

Im 21. Jahrhundert dürfen die Kirchen also nach wie vor ganz legal, die schwer erkämpften Arbeiterrechte beschneiden, wie sie wollen. Sie dürfen sich einen Designer-Arbeiter basteln, ihm einen Maulkorb verpassen und ihn, wie einen Sklaven behandeln. Die christlichen „Mullahs“ führen ihre Firmen streng hierarchisch und dulden keinen Widerstand.

Aushöhlung des Rechtsstaates durch Kirchen


Wie wirkt sich auf die ganze Gesellschaft die Tatsache, dass die Menschen- und Arbeiterrechte von solch mächtigen Institutionen ignorieren werden? Wie wirkt sich auf den Staat das Beschneiden seiner Kompetenzen und Entmachtung auf einem großen Teil  des Marktes?

Das Nichteinhalten der gesetzlich gesicherten Rechte schwächt den Staat und seine Bürger. Es schwächt aber auch die Kirche selbst. Durch die Vermischung des wirtschaftlichen und des geistlichen verdient sie zwar mächtig, verliert aber an der Glaubwürdigkeit.

Es ist höchste Zeit die zivilisatorische Errungenschaft der Trennung von Staat und Kirche endlich auch in Deutschland durchzusetzen.

Freitag, 2. Januar 2015

Pegida und Ei

Ein Rassist ist wie ein Ei, es kann nicht lediglich ein wenig frisch sein. Genauso wie ein Mensch nicht lediglich ein wenig rassistisch sein kann. Hier geht es um eine entweder/oder Option, um das Grundsätzliche, um die Weltanschauung. Daher irren diejenigen, die aus welchen Gründen auch immer den Alltagsrassismus dulden, oder sogar dabei mitspielen, und dann behaupten, sie wären keine Rassisten. Sie sind es. Dazu noch Feiglinge, die der Umgebung nach dem Mund reden.

Bärendienst von Pegida


Pegida entstand natürlich nicht im gesellschaftlichen und politischen Vakuum. Die Ursachen dieser Bewegung sind vielfältig und schwer zu entflechten. Diese Arbeit muss aber getan und die gesellschaftliche Diskussion geführt werden.  Symptomatisch, dass Pegida jenen Diskurs verweigert. Sie hat nämlich nichts zu sagen. Ihre Mitglieder und Mitläufer demonstrieren weiter nichts als ihre Gesinnung. Damit erweist Pegida ihren Anhängern einen Bärendienst: Sie entlarvt ihre rassistische Fratze. Dennoch erweckt diese Bewegung auch Sympathie in der Bevölkerung. Wieso?

Meine These lautet: Die Gesellschaft ist mit dem Rassismus dermaßen infiziert, dass sie nicht mal merkt, wenn sie auf ihn stößt. Pegida offenbart ungewollt diesen Zustand. Sie entblößt also den Rassisten in uns. Daher erkennen viele sogenannten normalen Bürger in ihren Parolen eigene Meinungen und Gedanken.

Mitnichten geht es aber Pegida darum, eine Diagnose zu stellen und eine Behandlung vorzuschlagen. Sie ist nicht an den Fakten und Zahlen interessiert. Sie schert sich nicht um die wissenschaftlichen Argumente. Wie alle Brandstifter lebt sie von Freude an Zerstörung. Das will sie nämlich: Die Schwachen zertrampeln, um sich stark zu fühlen. Wenn die Pegida-Demonstranten rufen „Wir sind das Volk“, dann sagen sie: „Die anderen sind es nicht“. Sie stellen die eigene Nation über die anderen. Wie die Rassisten eben so tun.

Rassismus in uns


Für einen Staat sollte die Herkunft ihre Bürger keine Rolle spielen, solange sie sich an die Gesetze halten. Dem ist aber nicht so. Der Staat agiert durchaus rassistisch und unterscheidet zwischen geliebten und ungeliebten „Kindern“. Vom Kindergarten bis zum Arbeitsplatz bevorzugt er durch die ungerecht gestalteten Bedingungen die Einheimischen und wehrt sich erfolgreich vor den Fremden, auch wenn sie hier in der zweiten oder dritten Generation leben.

Von klein auf lernt man hierzulande, dass Migranten ein Problem darstellen und nicht richtig in diese Gesellschaft hineinpassen. Statt Menschen individuell zu fördern, wo sie jene Förderung brauchen, wirft man die verschiedensten Personen auf rassistische Art in einen Topf und gebrandmarkt als Fremde. Statt nach Lösungen zu suchen, fahndet man lieber nach den Sündenböcken. Sie werden als die Schuldigen für die falsche Schulpolitik oder die Auswüchse des Arbeitsmarktes auserkoren.

Wenn man auf diese Weise die Schuldigen bestimmt, dann muss man sich nicht um die eigenen Fehler, um die eigene falsche Politik kümmern, sondern die Störer nur beseitigen.
So wächst die Angst vor den Fremden und artet irgendwann in Pegida & Co. aus. Pegida riecht diese unterschwellige Strömung und spricht sie laut aus. Zur Seite springen dieser Bewegung Politiker jeglicher Couleur.  Wie zuletzt die CSU, die auf einmal sehr beunruhigt feststellte, dass sie keine Kontrolle über Migranten Zuhause habe und daher verlangte: Sie sollen sich in eigenen vier Wänden auf Deutsch unterhalten.

Durch und durch rassistisch


Der Rassismus steht den anspruchsvollen Bürgern nicht gut zu Gesicht. Sie schwenken lieber eine bunte Fahne und geben sich als weltoffen zu erkennen. Unter vorgehaltener Hand flüstert aber der eine oder andere: „Die Pegida hat eigentlich recht.“

Nein, hat sie nicht. Sie will die Probleme nicht lösen, sie schafft neue. Sie wagt sich nicht an die wahren Gründe und Verursacher. Stattdessen will sie sich auf den Schwachen abreagieren. Sie ist rassistisch durch und durch und darf in einer demokratischen Gesellschaft keinen Platz annehmen.

Wer gegen Rassismus wirklich kämpfen will, muss an dessen Nährboden ran und die strukturellen Ursachen beseitigen.