Donnerstag, 17. Oktober 2019

Mein alter Feind: der Gehorsam

Von einem Mitarbeiter erwarten Unternehmer meist die Teamfähigkeit, also dass er/sie im und mit einem Team arbeiten kann und will. Eine schöne Sache. Theoretisch.

                                                                                                 Sich unterordnen.

Wes Brot


In der Praxis verkommt die erwünschte Teamfähigkeit zur Bereitschaft, sich unterzuordnen und die Klappe zu halten, nach dem opportunistischen Motto „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing“. Es geht im Grunde um Verzicht auf selbständiges Denken, geschweige denn das autarke Handeln.

Wir sprechen hier eigentlich über unseren alten Feind - meinen Feind auf jeden Fall -, den Gehorsam. Seine zerstörerische Kraft vergiftet gleichermaßen den Gehorsamen und seinen Umfeld. Ich spreche bewusst in diesem Zusammenhang über Gift, weil der Gehorsam das vernichtet, was einen Menschen ausmacht. Der Gehorsam verwandelt uns in die hirnlosen Zombies – nicht benutzte graue Zellen sterben doch ab. Das ist nachgewiesen. Ich schwör!

Stasi-Realoded-Gesetz?


Der/die Untergebene darf nicht er/sie selbst sein. Ich übertreibe maßlos? Wirklich? Warum also wird es allen Ernstes vor zu viel Ehrlichkeit in der Öffentlichkeit gewarnt? Die Mitarbeiter sollen sich sehr gut überlegen, wie sie in den Social Media auftreten und welche Meinungen sie dort äußern; am besten keine privaten und wenn schon, dann lieber unter einem Pseudonym. Noch nie waren Decknamen so populär wie heutzutage. Sonst kann der Arbeitgeber all das gegen seine Mitarbeiter verwenden. Stillschweigen akzeptieren sämtliche Akteure dieses Trauerspiels die fürchterlichen ungeschriebenen Regeln. Wieso?!

Ich frage euch, auf welcher Grundlage das Recht des Arbeitgebers auf das Ausspionieren der Mitarbeiter beruht. Das Stasi-Realoded-Gesetz? Was geht einen Arbeitgeber an, wie ein Mitarbeiter seine Freizeit verbringt? Die Epoche der Leibeigenen sollte doch längst vorbei sein. Theoretisch.

Es lebe der Ungehorsam!


So praktizierte verunstaltete Teamfähigkeit dient nur einem Zweck: die existierenden Strukturen und Machtverhältnisse zu erhalten.  Jene gehorsame Teamfähigkeit gefährdet demnach die Demokratie, weil sie feudale Weltordnung zementiert. Sie ist ein Feind des Denkens und der Freiheit. Sie will unseren Willen und unsere Intelligenz fesseln und aus uns auf Knopfdruck funktionierende Automaten schaffen.

Die kommunistischen Diktaturen kennen diese alte Bekannte gut: der gemeinsame Trott wurde zur höchsten Tugend erkoren. Wladimir Majakowski, der tragische Held der Oktoberrevolution, fasste in einem Gedicht diese Idee zusammen: "Der Einzelne ist Unsinn, der Einzelne ist Null".

Die Zukunft kann aber nur in Gegenrichtung führen: zurück zum Individuum. Wir sind unterschiedlich und das ist auch gut so. Es lebe der Ungehorsam!

Demnächst erwarte ich also folgende Jobanzeigen: Ungehorsam erwünscht.

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