Wenn ich jetzt lese, dass sich Hamburg „auf den Weg hin zu einem möglichen AfD-Verbotsverfahren gemacht hat", dann schüttele ich nur den Kopf. Aber noch nicht lange her verlangte ich dasselbe. Inzwischen hat sich jedoch meine Meinung geändert. Vielleicht nicht derart extrem wie im Fall von J.D. Vance, der sich vom entschiedenen Gegner zum glühenden Anhänger von Trump entwickelte, aber immerhin lehne ich das AfD-Verbot ab.
Mit Akzent
Blog von Grazyna Gintner
Freitag, 16. Januar 2026
Das Verbot und die AfD
Montag, 5. Januar 2026
Trump, Merz und die Komplexität in Caracas
Während Medien und einige Politiker in Deutschland mit dem Pawlowschen Reflex reagieren und sofort mit der Kritik an Trump loslegen, sagt Friedrich Merz das Richtige:
„Die rechtliche Einordnung des US-Einsatzes ist komplex. Dazu nehmen wir uns Zeit“.
Peace & Flower
Man muss dazu noch erwähnen, dass Merz ein Jurist ist und genau weiß, wie kompliziert sich eine „rechtliche Einordnung“ darstellt. Aber Merz ist vor allem ein Politiker und in dieser Eigenschaft muss er handeln. Ein Politiker darf die Komplexität eines Sachverhalts nicht aus den Augen verlieren. Daher hat Merz recht: Was soeben geschieht, lässt sich nicht leicht beschreiben und den US-Einsatz darf man nur in Verbindung mit der gesamten sehr komplizierten Situation schildern.
Nach dem Ende des Kalten Krieges erlagen wir der Illusion, die Welt wäre jetzt vereint. Die beinahe Hippie-Euphorie überdauerte bei einigen bis in die Gegenwart. So z.B. verbannten die Tusk-treuen-Medien den Journalisten Przemysław Babiarz von der Sendung, weil er sich bei der Eröffnungsfeier in Paris 2024 traute, die rosa „Imagine“-Vision zu kritisieren.
Die meisten wachten bereits nach Putins Überfall auf die Ukraine auf. Wobei wir die – aus unserer Sicht – lokalen Konflikte stets tüchtig ausblendeten. Erst nach der Russlands Attacke begriffen wir auf einen Schlag, wie fragile der Frieden und unsere Sicherheit sind.
Kalte Welt
Es trennt uns zwar kein Eiserner Vorhang, dennoch ist die Welt wieder zweigeteilt (wahrscheinlich war sie immer), wie im Kalten Krieg. Auf der einen Seite stehen Russland, China und Iran und ihre Verbündeten; auf der anderen – die USA und …. Die EU schwankt mal hin, mal zurück, wie eine Besoffene, und kann sich nicht wirklich entscheiden, außerdem strebt sie – ziemlich größenwahnsinnig - eine Weltmacht-Rolle an, obwohl ihre Stärke ganz woanders liegt, was sie noch nicht verstanden hat.
Der US-Einsatz in Caracas und die Festnahme von Maduro muss man eben in diesem Kontext betrachten und einordnen.
Übrigens, wer die Tötung von Osama bin Laden unter Barak Obama gefeiert hat, darf jetzt nicht Donald Trump wegen der Festnahme von Nicolas Maduro anprangern.
Donnerstag, 1. Januar 2026
Zwangsdenkmuster in der Politik und Medien
Es ist einfacher, die Welt zu klassifizieren, um sich die Übersicht zu verschaffen und die Orientierung zu behalten. Wie man das mit getrockneten Pflanzen oder toten Schmetterlingen tut. Sie verändern sich nicht mehr und haben stets die gleichen Eigenschaften. Die Wissenschaft braucht derartige Strukturen.
Schubladen des Zwangs
Zum Beispiel Arbeitskosten und Rente
Schamanische Beschwörungen
Dienstag, 30. Dezember 2025
Mit einem Karnevalswagen zu Putin
Soeben verschob man in Moskau den Prozess in Abwesenheit gegen den Düsseldorfer Bildhauer Jacques Tilly auf Ende Januar. Sein Karnevalswagen mit Karikaturen von Wladimir Putin wurde in Russland nicht nur bemerkt, sondern als ein Verbrechen gegen den Staat angeklagt. Die Satire darf sich drüben nur in den engen, von Putin gezeichneten, Grenzen bewegen.
Kopf oder Karriere
Bevor wir jetzt überlaute Buhrufe ausstoßen, sollten wir uns vielleicht zuerst an die Brust schlagen. Denn auch bei uns – also, in dem ach-so-aufgeklärtem Westen – darf Satire ab und wann gar nichts. Auch wenn der Satiriker (oder Satirikerin) dafür nicht mit dem Leben bezahlt, muss er dennoch oft mit seiner materiellen und gesellschaftlichen Existenz büßen.
Machthaber aller Couleur lassen anscheinend gern ihre Muskeln spielen, von ihrem Podest auf das gemeine Volk herabblickend, und zeigen wenig Sinn für Humor, besonders, wenn es um ihre eigene Person geht. So ist es seit eh und je.
Der Umgang mit der Aktion #allesdichtmachen ist ein Beispiel dafür, dass sich der Westen vom Osten im Kern nicht wirklich unterscheidet, sondern lediglich in der Art der Strafe: drüben rollen wortwörtlich die Köpfe, hier droht das Ende der Karriere und der gesellschaftliche Ostrazismus.
Das neueste Beispiel liefert die EU, die dem Journalisten (!) Roger Köppel mit Sanktionen droht, weil er sich erlaubt, seine Meinung kundzutun, statt sich an die EU-Richtlinien zu halten. Ähem?!
Doof oder hirnlos
Es muss für alle, die sich für Freiheit und Demokratie aussprechen, das Prinzip gelten: Satire darf alles (eine tiefe Beugung vor Kurt Tucholsky). Sonst geraten wir in trübe und gefährliche Gewässer der Zensur. Die Zensur hat in einer Demokratie nichts zu suchen. Egal mit welcher Begründung versucht man sie einzuführen. Rechtfertigungen sind zwar anders – die von Putin unterscheiden sich wesentlich von jenen der Woke-Bewegung -, das Ergebnis darf aber ziemlich gleich ausfallen: die Zerstörung der Meinungsfreiheit.
Selbstverständlich ärgere ich mich auch über doofe oder absolut hirnlose Witze und andere Auslassungen. Das ist aber in erster Linie eine Sache des Geschmacks. Im Sinne der Meinungsfreiheit muss ich derartige Äußerungen also aushalten. Und wenn nicht, liegt es in meiner Macht, einfach wegzuhören, Ohren zuzudrücken oder den Ton abzuschalten.
Sonntag, 28. Dezember 2025
Moral und Träume zum Neujahr 2026
Das verrückte Jahr 2025 verabschiedet sich bald. Wie es weiter geht, weiß ich und die anderen Nicht-Hellseher selbstverständlich nicht. Wir leben in interessanten Zeiten und auch aus diesem Grund wage ich keine Prognose für die Zukunft. Ich wünsche mir, dass 2026 wenigsten nicht schlimmer wird.
Neue Gebote
Schiefes Bild
Wovon träumen?
Donnerstag, 25. Dezember 2025
Was zum Henker ist der Bärbel-Bas-Fehler?
Das fragte ich mich, als ich den Titel der Kolumne von Susanne Nickel las: „Konfliktfest Weihnachten: Machen Sie am Esstisch bloß nicht den Bärbel-Bas-Fehler“.
Worum geht es?
Erinnert Ihr Euch an den Arbeitgebertag? Es wurde dort gelacht. Oder eher ausgelacht:
„Beim Arbeitgebertag stellte sie (Bärbel Bas) das Rentenpaket vor und wurde ausgelacht. Unfein, aber nicht neu in einem Land, das sich für diskussionsstark hält. Doch statt danach umso deutlicher den Dialog zu suchen, sagte Bas beim Juso-Kongress, dieses Erlebnis habe ihr klargemacht, „gegen wen wir eigentlich gemeinsam kämpfen müssen“.
Ein einziger Satz, und schon wird aus Kritik Kampf. Aus Gesprächspartnern werden Gegner. Aus einem schwerfälligen Austausch wird ein Machtspiel.“
Die Reaktion von der Ministerin Bas fand ich auch befremdlich und vor allem absolut aus der Zeit gefallen. Ich wunderte mich über ihre Dünnhäutigkeit, die man bestimmt psychologisch analysieren könnte. Zugleich bin ich überzeugt, dass diese Dünnhäutigkeit uns sozusagen von oben vorgespielt und zum geltenden Duktus erklärt wurde. Während der Corona-Pandemie kam noch die staatlich verschriebene Hysterie hinzu.
Der Ton macht die Musik
Eine andere als die eigene Meinung zu ertragen gehört nicht mehr zu Tugenden eines vernünftigen Menschen, sondern angeblich zu seinen Lasten. Denn er könne sich nicht entscheiden – lautet der Vorwurf - und sei nicht imstande das richtige Lager zu wählen. Solch einer wolle selbst denken und entscheiden, statt den Führern verschiedener Sorte blind zu folgen. Er bestehe auf das Recht, seine Meinung frei zu äußern. Ach, du Schreck!
Ich behaupte, dass während der Merkel-Ära die Erde im übertragenen Sinne zur Scheibe erklärt wurde und die Diskussionen nur in einem engen Rahmen wie zu den Zeiten des Ostblocks zugelassen wurden. Sonst drohte die Verbannung aus der Öffentlichkeit oder sogar der Verlust des Jobs.
Ein Beispiel dafür ist die hysterische und existenzvernichtende Antwort auf die Aktion #allesdichtmachen. Die Mitspieler wurden regelrecht fertiggemacht. In jeder Hinsicht undemokratisch. Diese Aktion nahm lediglich auf satirische Weise die lästigen Corona-Maßnahmen aufs Korn. Das war der Anlass, die Teilnehmer zum staatlichen Sicherheitsrisiko zu erklären und als solche zu bekämpfen.
Unterdessen erreichte die Beweihräucherung der Politiker und ausgewählten, ausschließlich konformen, Wissenschaftlern unerhörte Ausmaße.
Schuster, bleib bei deinem Leisten!
Es scheint, als ob wir endgültig aufgehört haben, die Informationen von Ideologie, Propaganda und Missionierung zu trennen. Da möchte man den Journalisten zurufen: Lasst die Priester und Pfarrer predigen, kehrt zu euren Kernaufgaben zurück und beschäftigt euch mit der ganzen Gesellschaft, statt nur mit der von den Politikern geliebten schleierhaften Mitte.
Könnt Ihr Euch ein Organismus – eine Gesellschaft ist doch lebendig – vorstellen, der nur aus dem Mittelteil besteht? Und wo bleiben dann der Kopf und die Füße? Wer um Solidarität appelliert, der muss zuerst mit dem Spalten aufhören.
Sonntag, 21. Dezember 2025
Der EuGH und die wundersame Ausdehnung
Der EuGH hat Urteil gegen Polen am 18.12. gesprochen. Geklagt hat 2023 die EU-Kommission. Damals mischte sich die EU in den polnischen Wahlkampf ein und unterstützte mit allen Kräften ihren Kandidaten Donald Tusk.
Ein Exempel statuieren
Dynamisch, sehr dynamisch
“Aber die Auslegung des EU-Rechts ist dynamisch, manchmal sehr dynamisch, und unterscheidet sich von der Auslegung, die zum Zeitpunkt des Beitritts der einzelnen Staaten in die EU angenommen wurde. Das heißt, das derzeitige EU-Recht unterscheidet sich von dem zum Zeitpunkt des EU-Beitritts. Dies kann zu Spannungen zwischen dem EuGH und den Verfassungsgerichten führen“,
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